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Das Innsbrucker Schlachtwesen In Der Neuzeit

Das Innsbrucker Schlachtwesen in der Neuzeit

Es wird zu den wichtigsten Nahrungsmitteln des Menschen gezählt; der Konsum davon war (und ist) mit Prestige verbunden. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts haben sich Menschen in Vereinen zusammengeschlossen, die den Verzehr davon aus ethischen Gründen ablehnen. Die Rede ist natürlich vom Fleisch. Dieser Beitrag soll Orte in der Stadt vorstellen, wo die Metzger die Tiere schlachteten und das Fleisch zum Verkauf anboten.

Metzger als spezialisierte Handwerker sind in Tirol seit dem 13. Jahrhundert überliefert. Einige frühere Gassennamen der Altstadt erlauben es, den Orten nachzuspüren, in denen die Metzger schlachteten und das Fleisch verkauften. Die „Seilergasse“ hieß bis zum Jahr 1766 „Fleischgasse“; die heutige „Kiebachgasse“ wurde noch zu Beginn des 18. Jahrhunderts „Rindergasse“ genannt. An der Ecke von Kiebachgasse und Herzog-Friedrich-Straße befand sich die alte Fleischbank; an diesem Ort verkauften die Metzger ihre Waren.

Auf der Ansicht von „Ynsprugg“ des Jahres 1577, die aus der Kombination zweier Vorlagen, nämlich des Innsbruck-Freskos im Hof des Palazzo Vecchio in Florenz und vermutlich des Schwazer Bergwerksbuchs, entstand, sind frühe „Metzbänke“ zu sehen. Die Lithografie wurde von der Stadt als Neujahrs-Entschuldigungskarte für 1878 ausgegeben. Das hölzerne Schlachthaus- und Fleischbankgebäude vor der Ottoburg bzw. neben der Innbrücke wurde auf Pfählen in den Inn hinausragend errichtet. So konnten Schlachtabfälle direkt in den Inn entsorgt werden. Auch das sogenannte „Sommerhäusl“ auf der Innbrücke ist gut erkennbar; es war mit Verkaufsbuden ausgestattet, so auch mit mehreren „Metzbänke“ für den Fleischverkauf.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ho-M-209)

Nachdem die Regierung im Jahr 1711 die Verlegung des Fleischmarktes aus den Gewölben der Altstadt gefordert hatte, entstand am Innrain ein neues Fleischbankgebäude. Die Neujahrsentschuldigungskarte für das Jahr 1847 zeigt einen Neubau aus dem Jahr 1844.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Bi-k-102)

Rückseitig vom Fleischbankgebäude und mit diesem verbunden lag das Schlachthaus. Im Jahr 1846 wurde für Innsbruck der Schlachthauszwang eingeführt. Die wirtschaftlich wichtigsten Tierarten – die Schweine ausgenommen – durften von den Metzgern fortan nur noch in dem städtischen Schlachthaus geschlachtet und das Fleisch nur dort verkauft werden. Das erleichterte der Obrigkeit die Aufsicht über die Metzger und ermöglichte eine Kontrolle des zum Verzehr gelangenden Fleisches.

Aufgrund des stark ansteigenden Bevölkerungswachstums der Stadt Innsbruck im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts genügte das Gebäude allerdings schon bald nicht mehr den Anforderungen und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde ein neues, „modernes“ Schlachthaus am Sillspitz errichtet.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Bi-g-4-1878)

(Martin J. Kriechbaum)

Quellen:

Hye, Innsbruck. Geschichte und Stadtbild bis zum Anbruch der Neuen Zeit, Innsbruck 1980.

Grass/Holzmann(†), Geschichte des Tiroler Metzgerhandwerks, Innsbruck 1982.

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