Erinnerung an die Brennerbahn – Sightseeing an der Strecke
Bevor wir unsere Reise entlang der Brennerbahn fortsetzen, lohnt sich bei Mauls noch ein kurzer Abstecher zu einem weiteren markanten Wahrzeichen des Ortes. Hoch über dem Tal erhebt sich die Burg Welfenstein, die seit Jahrhunderten über die alte Brennerroute wacht.
Der Standort war dabei keineswegs zufällig gewählt. Lange bevor die ersten Züge durch das Wipptal tuckerten, führte hier eine wichtige Nord-Süd-Verbindung über die Alpen. Bereits in der Bronzezeit wurde der Übergang genutzt, später verlief hier eine Römerstraße und im Mittelalter die bedeutende Brennerroute, deren Verkehr die Region über Jahrhunderte prägte.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Burg Welfenstein im Jahr 1271. Nach einer wechselvollen Geschichte verlor die Anlage jedoch ihre militärische Bedeutung und verfiel schließlich zur Ruine. Im frühen 19. Jahrhundert gelangte sie in den Besitz der Familie Stafler, die vielen Leser*innen bereits aus dem zuletzt gezeigten Foto des traditionsreichen Gasthauses Stafler bekannt sein dürfte. Die Familie gehörte über Generationen hinweg zu den prägenden Persönlichkeiten von Mauls und war eng mit der Geschichte des Ortes verbunden.
1893 verkaufte Johann Stafler die Burgruine an den Innsbrucker Maler Edgar Meyer. Dieser verwandelte die mittelalterlichen Überreste in den folgenden Jahren in ein romantisches Schloss, ganz nach dem Geschmack seiner Zeit. Die heute gezeigte Postkarte vermittelt einen Eindruck dieser längst verschwundenen Anlage: Türmchen, Zinnen, Terrassen und Gartenanlagen verliehen Welfenstein beinahe märchenhaften Charakter. In einem weiteren Bild begegnen wir dem Schöpfer dieser Umgestaltung selbst. Edgar Meyer nutzte Welfenstein nicht nur als Wohnsitz, sondern richtete sich hier auch ein Atelier ein.

Meyer war darüber hinaus Gründer des Tiroler Volksbundes, einer Organisation, die sich für die Wahrung des deutschen Charakters Tirols einsetzte. Die gezeigte Spendenmarke des Volksbundes mit der Darstellung von Welfenstein verdeutlicht, welch starke Symbolkraft die Burg damals besaß. Sie wurde zu einem Wahrzeichen der Bewegung und war Schauplatz mehrerer großer Volksbund-Veranstaltungen.

Die romantische Pracht währte jedoch nur wenige Jahrzehnte. In den Wirren des Jahres 1918 wurde die Burg niedergebrannt und schwer beschädigt. Was heute erhalten ist, verdankt sich späteren Sicherungs- und Restaurierungsmaßnahmen. Wer mit dem Zug durch Mauls fährt, kann die Anlage noch immer oberhalb des Tales entdecken. Sie erinnert daran, dass die Geschichte des Brennerkorridors weit älter ist als die Eisenbahn selbst, und dass sich entlang der Strecke immer wieder lohnende Abstecher in die Kultur- und Landesgeschichte finden lassen.
(Stadtarchiv/Stadtmuseum sommer36_013, Bi-485, sommer27_326)