Das Ende naht: Abschied von der Telefonzelle
Zwei Jahre nach Erfindung des Telefons wurde 1878 in New Haven (USA) die erste öffentliche Telefonzelle der Welt aufgestellt. Kurz darauf hielt die neue Kommunikationstechnologie mit dem Fernsprechkiosk in Berlin auch Einzug in Europa. Die Handhabung war anfangs allerdings noch umständlich: Für das Telefonieren gab es spezielle Telefonbillets, die eine Sprechzeit von nur wenigen Minuten erlaubten.
Acht Jahre später erfand William Gray 1889in den USA das Münztelefon. Die erste Telefonzelle in Österreich ging am 17. August 1903 am Wiener Südbahnhof in Betrieb.
In Tirol wurden 1907 der erste Münzfernsprecher in Brixlegg aufgebaut. Mit der zunehmenden Verbreitung von privaten Anschlüssen stieg auch der Bedarf in der Öffentlichkeit. Telefonzellen wurden an nahezu allen öffentlichen Plätzen, Bahnhöfen und vor Schulen errichtet.
Dennoch blieb die Reichweite lange eingeschränkt.
Bis zur Aufstellung des ersten Fernwahlmünzers in der Wiener Opernpassage am 29. September 1961 war es in Österreich allerdings nur möglich, Ortsgespräche zu führen.
In den 1990er-Jahren folgte die Einführung der Telefonwertkarten. Diese Prepaid-Karten ermöglichten eine unkomplizierte Kommunikation und erhöhten die Telefonbereitschaft in der Bevölkerung. Außerdem wurde damit der Vandalismus durch aufgebrochene Telefonzellen drastisch eingedämmt. Da die Karten mit verschiedenen Motiven bedruckt waren, wurden sie schon bald zu beliebten Sammelobjekten.
Heute, im Zeitalter des Mobilfunks, ist die Nutzung von Telefonzellen drastisch zurückgegangen. Bis zum Jahr 2022 gab es in Österreich eine flächendeckende Mindestversorgungspflicht. Mit dem Wegfall dieser gesetzlichen Verpflichtung verschwinden die Telefonzeller immer mehr aus dem Ortsbild.
Aktuell gibt es in Tirol noch 358 Fernsprechzellen im öffentlichen Raum. Einige der verbleibenden Telefonzellen haben jedoch eine neue wichtige Zusatzfunktion erhalten. Seit 2022 werden sie mit Defibrillatoren ausgestattet. In Innsbruck gibt es bereits fünf dieser sogenannten „DEFI-Zellen“. Vielerorts wurden Telefonzellen zu Bücherzellen oder Kunstprojekten umgerüstet.
(Telefonzelle in der Fritz-Pregl-Straße, Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-35693, 2019)
Nachruf auf Abruf statt Anruf.
Ich habe mir das Vergnügen bereitet, diverse Fotos dieses blogs auf frühere Exemplare dieser kleinsten Zellen der Gesellschaft zu suchen:
Das vielleicht älteste Exemplar: https://innsbruck-erinnert.at/das-langsame-ende-der-telefonzelle/
Nicht viel neuer am Link von Herrn Schneiderbauer: https://postimg.cc/56h1npgB
die schwarze Periode: https://innsbruck-erinnert.at/wir-schreiben/
Und das kann nicht Ibk sein, 1967 https://postimg.cc/N9g5TLC5
das vorletzte Modell? https://innsbruck-erinnert.at/aufgeben-tut-man-einen-brief/
2 Vorteile hatte die Telefonzelle: Man mußte nicht von zu Hause telefonieren, wenns niemand was anging (zuerst nachpubertäre, dann bei manchen eheliche Sorge).
Das geht zwar mit dem Handy auch, ABER: Man mußte sich wohltuend kurz fassen, bzw. konnte man mit dem Notschrei „Jetz isch glei fertig“ (mit dem Geld) Gespräche zack! beenden.
https://innsbruck-erinnert.at/montagsszene-am-sonnpark/ einst und bis heute:
https://www.google.at/maps/@47.2630603,11.4085708,3a,25.5y,328.22h,84.99t/data=!3m8!1e1!3m6!1sOJcu8WkQSMaf0TMp1xlVxA!2e0!5s20190501T000000!6shttps:%2F%2Fstreetviewpixels-pa.googleapis.com%2Fv1%2Fthumbnail%3Fcb_client%3Dmaps_sv.tactile%26w%3D900%26h%3D600%26pitch%3D5.010000000000005%26panoid%3DOJcu8WkQSMaf0TMp1xlVxA%26yaw%3D328.22!7i13312!8i6656!5m1!1e1?entry=ttu&g_ep=EgoyMDI2MDcxNS4wIKXMDSoASAFQAw%3D%3D
Sind wir jetzt komplett?
… noch nicht ganz: https://innsbruck-erinnert.at/bereit-fuer-die-abholung/
Übrigens gab’s 1957 in Innsbruck lt. Adressbuch noch ca. 60 öffentliche Fernsprechstellen, manche davon allerdings in Gebäuden:
https://www.innsbruckerinnen.at/bild.php?buch=1957&seite=188