Vacances 1905. Strasbourg, Suisse, Innsbruck
Es gibt eine Reihe von bekannten und weniger bekannten Berufskrankheiten des Archivars; zu den bekannten gehören etwa die Abdrücke der Ärmelschoner auf den Unterarmen oder das unwillentliche Fallenlassen des Bleistifts um 16:59h. Zu den eher neueren Nebenerscheinungen unserer schönen Tätigkeit gehört der Drang, in allen nationalen und internationalen Recherchedatenbanken zuerst einmal „Innsbruck“ einzutippen (manche Badgassler auch „Wacker Innsbruck“ aber das ist eine andere Geschichte). Bei dieser Tätigkeit ist dem Autor dieser Zeilen ein Album untergekommen, das in der Französischen Nationalbibliothek ruht. Das Digitalisat auf gallica.fr wurde insgesamt erst 33 Mal aufgerufen und mich bewegt die Frage ob vorwiegend auf Suchen nach Strasbourg, Suisse oder eben Innsbruck.
Beim Durchblättern stellte sich heraus, dass genau drei Bilder Innsbruck Bezug haben. Davon sind zwei auf der Fahrt nach Fulpmes (und retour) entstanden. Die ein Jahr zuvor eröffnete Stubaitalbahn war offenbar damals wie heute nicht das schlechteste Schlechtwetterprogramm. Über die Bildautor:in ist wenig zu erfahren. Gelegentlich sitzen auch Menschen die auf den sorgfältig kalligraphierten Bildunterschriften genannt werden im Vordergrund.
Das verwackelte Bild in der Innsbrucker Hofgasse lässt auf einen kalten und windigen Tag schließen.

Die beiden Fotos von der Bahnfahrt sind scharf, eines davon, das Titelbild dieses Beitrags, ist aus dem Zug selbst aufgenommen und ist der „Gegenschuss“ dieser Aufnahme. Zu guter Letzt folgt noch ein Bahnhofsbild aus Fulpmes:

Das schöne Haus im Hintergrund gibt es nahezu unverändert noch heute. Die Bauernhäuser ebenfalls, eines seit vielen Jahren (Jahrzehnten?) dem Verfall preisgegeben, das mit der Bogentür dahinter sehr schön restauriert. Nur die damalige Aussicht ist wegen Neubauten nicht mehr möglich. Ob der Fotograf ausgestiegen ist? Und wieso hat dann der Zug dort länger gewartet? Auskühlen lassen (die Stubaier soll in der Anfangszeit ihre liebe Not mit dem Wechselstromantrieb gehabt haben), oder Warten auf den Gegenzug? Gabs sowas damals überhaupt schon? Oder der Fotograf hat die Fahrt unterbrochen?
Nett die Aufnahme aus Fulpmes mit den Bäuerinnen, die mit ihren weißen Sonntagsschürzen auf große Fahrt gingen oder die ersten „Frembdn“ in Empfang nahmen. Ende der garantiert unbeantwortbaren Fragen.