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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Kunsthandwerk Aus Wilten

Kunsthandwerk aus Wilten

Die Mayers zog es gelegentlich auch einen Block nach Süden, wo sie offenbar die Merkwürdigkeit der Wiltener Stiftskunstmühlenbeschriftung zu mehreren Aufnahmen inspirierte. Das Wort Kunstmühle ist ja nicht nur mehrteilig sondern auch mehrdeutig. Ein eigener Wikipedia Artikel erklärt, dass es sich dabei nicht um ein kreatives Projekt handelt:
„Der Wortbestandteil „Kunst“ bezieht sich dabei nicht auf Kunst im Sinne des Schaffens eines Kunstwerks, sondern auf die Ingenieurskunst, also die Technik […] Der höhere technische Standard erlaubte die Herstellung von spezialisierteren Getreideprodukten oder Mehl von besonderer Körnung, beispielsweise Grieß“. In dem Artikel werden eine Reihe bekannter Kunstmühlen genannt, aus Innsbruck ist keine dabei.

Das Wort Kunstmühle kennen gelernte Innsbrucker:innen eigentlich von der Haller Straße, wo dieser Schriftzug heute noch zu sehen ist. Im Adressbuch werden [hier gemischt mit den vielen Kunstmalern und zwei -malerinnen (Frau Oberhauser und Frau Stainer-Knittel)] die 100% männlichen Kunstmüller und großteils männlichen Kunstmühlenbesitzer der Rauch-Dynasty-der Mühlau-Clan genannt. Zwischendurch auch der Prämonstratenser-Chorherr und Katechet Thomas Jung auf Klostergasse 7 als Stiftskunstmühlenverwalter von etwa 1905 bis in die 1920er-Jahre.

Aus dem Innenleben einer Stiftkunstmühle wäre nicht viel bekannt, hätte sich die stets im Sinne der ausgebeuteten Arbeiter:innenschaft und in respektloser Opposition zum Klerus schreibende Volkszeitung nicht Anfang August 1911 einmal ausführlich damit beschäftigt. Hauptkritikpunkte sind schlechtes Essen, unzureichende Bezahlung, ungeregelte Arbeitszeiten und die Bigotterie der Köchin wie auch Selbstherrlichkeit des Führungspersonals (zu dieser Zeit wohl oben genannter Thomas Jung OPraem, den wir heute nicht mehr dazu befragen können).



Das zweite Bild zeigt die Umgebung zum Aufnahmezeitpunkt. Rechts erkennt man das Mühlrad am Sillkanal, links die Südbahn die hier bald im Bergiseltunnel verschwand und wo heute Kunsttunnelbohrmaschinen versuchen, den Verkehrsgrießberg kleinzumahlen.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Ich denke der Begriff „Kunstmühle“ kommt daher, dass der Betrieb von mit Wasserrädern angetriebenen Mühlsteinen auf elektrisch angetriebene Walzenstuhl-Mahlwerke umgestellt wurde.

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