Die Bürgermeister von Inspruck (IX.)
Auf den liberalen Carl Adam, der „dem Staatsgrundgesetze vom Februar 1861 und dessen Principien“ so treu ergeben war, folgte der konservative Josef Ritter von Peer (1811-1879).
Eine kuriose Einzelheit, die seine Kurzbiographie in den Adressbüchern hervorhebt, ist die von ihm veranlasste Maßnahme, 1866 Eisenvitriol auf die Straßen der Stadt ausbringen zu lassen, als Prävention gegen die Cholera. Tatsächlich wurden, beginnend am 15. November 1866 große Fässer mit Eisenvitriol-Lösung (Eisen(II)-sulfat) durch die Stadt gekarrt. Allerdings wurde das Mittel nicht einfach auf die Straße gekippt, sondern 3 bis 4 Arbeiter hatten die sicherlich wundervolle Aufgabe, die Aborte und Senkgruben der Stadt damit zu begießen. Die Innsbrucker Nachrichten berichteten: „Die Sache geht schnell vor sich und bald werden alle Aborten und Gruben desinfizirt [sic] sein. Die Eisenvitriol-Lösung wirkt sehr gut, die Aborte werden bald geruchlos.“ Das Problem dabei war allerdings, dass zwar die Lösung den Geruch wirksam binden konnte, wie die Zeitung beschreibt, die desinfizierende Wirkung war jedoch sehr begrenzt. Der Bevölkerung wurde auch geraten, Nachtöpfe, und andere Utensilien, mit denen potentiell Erkrankte Kontakt hatten, gründlich mit der Lösung zu waschen. Auch wenn die Lösung zur Desinfektion nicht das beste Mittel war, war es doch sicherlich kein schlechter Rat, dergleichen gründlich zu waschen. Innsbruck blieb jedenfalls damals von einem Ausbruch der gefürchteten Krankheit verschont, obwohl sie in vielen europäischen Städten aufloderte, v.a. in Böhmen, wo das Bakterium Vibrio Cholerae den Soldaten folgte – wie es andere Pathogene seit Anbeginn der Zeit stets treu getan hatten.
Aber wir wollen den armen Josef Peer ja nicht nur in Verbindung mit der Cholera in Erinnerung behalten, wenn sie ja schon wie eben erwähnt nicht einmal in Innsbruck ausbrach als er amtierte. Er war, wie seine Vorgänger während der Zeit des Neoabsolutismus, Jurist. Während seiner Amtszeit (1864-1867) wurde u.a. der Bergisel-Tunnel errichtet (der für die Brennerbahn, nicht die Brennerautobahn versteht sich, letzterer wurde fast genau 100 Jahre später gebaut).
Als er 1879 starb, vermachte er fast sein gesamtes Vermögen, ca. 350.000 Gulden dem Adels-Matrikelfonds. Um dieser Zahl ein wenig Kontext zu geben: Als Peer 1864 sein Amt antrat, beliefen sich die jährlichen Einnahmen der Stadt Innsbruck auf knapp 120.000 Gulden! Die Hälfte der Rendite dieses Vermögens sollte für Stipendien oder „Versorgungspräsenten“ für unverheiratete Frauen aus Familien aus den Matrikeln verwendet werden, die andere Hälfte für Töchter von Offizieren und Beamten. Dabei war beachtenswert, dass Peer selbst nicht in den Matrikeln eingeschrieben war. Nun werden Sie sich vielleicht fragen – Moment, hieß es am Anfang nicht Ritter von Peer, wieso war er nicht in den Matrikeln? Das lag daran, dass erst sein Vater in den Adelsstand erhoben worden war, was anscheinend den strengen Standards der Adelsmatrikel nicht genügte, um ihn aufzunehmen. 1831 hatte er ein Ansuchen dazu gestellt, und war abgewiesen worden.
(Titelbild: Sillfall, im Hintergrund gut zu sehen der 1867 fertiggestellte Eisenbahntunnel, Signatur Ph-11736)