Leopold Stastny: Jüdische Herkunft und Slowakischer Staat (1939-1945)
JÜDISCHE HERKUNFT
Leopold Stastny war in den 1930er Jahren ein populärer Sportler, den man auf der Straße erkannte. Obwohl seine Familie nicht religiös war, war es in Bratislava kein Geheimnis, dass er jüdischer Herkunft war. Aufgrund der zunehmenden Diskriminierung ließen sich die Mitglieder der Familie Stastny römisch-katholisch taufen. Dennoch durchlebte die Familie nach dem Verlust des Holzunternehmens von Vater Jakub Šťastný eine sehr schwierige Zeit. Im Jahr 1941 wurde eine Regierungsverordnung erlassen, der sogenannte Judenkodex, mit dem Jüdinnen und Juden als „Staatsfeinde“ identifiziert und aus der Gesellschaft ausgeschlos sen wurden. Anfang 1942 stand die erste Deportationswelle von slowakischen Jüdinnen und Juden in Konzentrationslager NS-Deutschlands bevor, und Leopold Stastny setzte alles daran, für seine Familie eine Ausnahmebescheinigung für die Bestimmungen des Kodex zu erhalten. Dies gelang ihm dank einiger Fürsprecher aus dem ŠK Bratislava, die Beziehungen zu hohen politischen Funktionären hatten.
SPIELER UND TRAINER IM SLOWAKISCHEN STAAT
1939 wurde der 1. ČsŠK in dem von Nazi-Deutschland gestützten neu gegründeten Slowakischen Staat in ŠK Bratislava umbenannt. In der Saison 1939/40 war Leopold Stastny noch fester Bestandteil der Mannschaft, die den Meistertitel gewann. Am 6. Juni 1940 vertrat er die Slowakei in einem Länderspiel gegen Bulgarien in Sofia. Am 1. Mai 1940 waren jüdische Spieler und Funktionäre eigentlich aus dem slowakischen Fußball ausgeschlossen worden. Stastny hatte als prominenter Spieler zunächst eine Ausnahmegenehmigung erhalten, die im August 1940 aufgehoben wurde.
Das Ende seiner Spielerkarriere ermöglichte paradoxerweise seine Karriere als Trainer. Stastny begann mit der Jugendmannschaft des ŠK Bratislava zu arbeiten, die er bis 1943 betreute. Mit Erlaubnis der Behörden wurde er im Ministerium für Nationale Verteidigung ange stellt, wo er inoffiziell als Trainer des Armeesportvereins (OAP) tätig war. In dieser Armee-Elf führte Stastny ein modernes Trainingssystem ein und gewann in der Saison 1942/43 die slowakische Meisterschaft.
Dieser Text stammt aus der Ausstellung „Leopold Šťastný. Überlebender des Nazi-Terrors, Trainerlegende & Erfinder der Schülerliga“ (Innsbruck 2025 und 2026), die wiederum auf die Ausstellung „Football under the Swastika: The Story of Leopold „Jim“ Šťastný“ (Bratislava 2020) zurückgeht.
Autoren der Ausstellungstexte: Peter Bučka, Joachim Bürgschwentner, Tomáš Černák, Niko Hofinger, Kevin Simpson, Georg Spitaler, Michal Vaněk
Bild: Leopold Stastny (stehend, 5. v. re) als Betreuer des Armeeklubs OAP. (c) Familienarchiv Šťastný / Museum der jüdischen Kultur, Bratislava