Innsbrucker Häuser XXV
Es ist für die Augen immer eine Quälerei sich mit unscharfen Fotos herumzuschlagen. Und doch tun wir das heute einmal. Wir sehen ein mächtiges Gebäude mit einem runden Wimmerl. Solide Gründerzeit-Bauweise. Vielleicht eine Schule mit einem eindrucksvollen Direktorszimmer? Privathaus ist es jedenfalls keines. Durch das Herbst/Winter-Wetter wird die Aufnahme auch nicht schöner. Alles etwas trostlos.
Davor ein niederer Zaun. Das führt uns zur Frage, ob sich das Haus verändert hat oder der Zaun. Oder hat man inzwischen einen feschen Betonklotz an die Stelle gestellt?
Offen bleibt, was das ebenfalls unscharfe weiße Ding im Garten ist. Ein Sockel mit was drauf. Für eine griechische Figur geht es sich nicht aus. Vielleicht eine Märchenfigur? Aber wo?
(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck; Ph/A-24.488-1-95)
Gehe ich recht in der Annahme, daß dieser Palast die Hausnummer 59 am Ene einer Wiltener Querstraße trägt?
Ich schau garniert am Stadtplan nach, Sie meinen richtigerweise sicher die Anatomie. Von hinten, Torso auch von hinten.
Damals noch eine durchgehende Straße mit einem rechten Winkel zu einem Blumengeschäft.
Stimmt, aber das Bild zeigt die Ansicht von der Schöpfstr. aus.
ich bin mir ziemlich sicher, dass das Haus an der Ecke Schöpfstr. und der damaligen Friedhofstr. steht. Wahrscheinlich und möglicherweise noch immer das Anatomische Institut.
Richtig!
Aber dieses Bild zeigt die Hinterseite des „Palastes“ – Anschrift ist „Müllerstraße 59“.
Und als ich das Bild anschaute, tauchte bei mir sofort die Erinnerung an diese Rückfront mit der herrschaftlichen Veranda – im Garten- an der Schöpfstraße auf –
– und der Trauerzug, der von der Schöpfstraße her in die (damalige Ulmen-)Friedhofsallee einbog….
….im März 1951 – und wir von der Mädchenhauptschule Michael Gaismayr Straße standen Spalier – und am Anfang des Trauerzuges gingen – ich glaube 8- blonde Kinder, bezw. junge Erwachsene…
Ja. Das war der Trauerzug, der den verstorbenen Innsbrucker Bürgermeister Dr Anton Melzer zu Grabe geleitet hat.
Ja, das Rätselfoto – für mich ein „Palast des Todes“ in jeder Hinsicht…
Gell, eleganter wärs schon gewesen, statt „Hinterseite“ zu schreiben:
„Die prachtvolle Gartenfront an der Südseite dieses Gebäudes…“ und nicht „Hinterseite“, nur weil die Haustüre mit der Hausnummer eine Querstraße weiter nördlich ist.
„Schaufront“ wäre auch noch gegangen…
Ich bitte um Entschuldigung!
Das Haus steht dort, aber die Statue ist an der Rückseite. Früher war das Rondell im Gegensatz zur Schöpfstraßenseite auf der Hinterseite wie am Foto auf das Parterre beschränkt.
Heute sind hier das eigenartigerweise als „Wimmerl“ Bezeichnete deutlich aufgestockt und im Garten noch einige weitere leere Podeste und vor allem der Torso mit zum Nachbargebäude weisender „Hinterseite“ zu bestaunen. Gerüchteweise soll der Ordinarius der Anatomie damit dem benachbarten deutlich seine Meinung zeigen haben wollen, dazu müsste man aber das Aufstellungsjahr wissen, ob das wirklich „der P…“ gewesen sein kann.
Bald, sehr bald wird hier gerodet und entfernt und unterirdisch bis in den – ja, wieder, warum und seit wann? – vom Allgemeingrund abgetrennten Stumpf der Müllerstraße erweitert.