Von Ungarn nach Innsbruck?
Im Juni 1795 wurde in Innsbruck dieses Rundschreiben abgedruckt. Es handelt sich um eine Vermisstenmeldung: Seit acht Jahren werde die Gemahlin des Schneidermeisters Thoglonitsch aus Altenburg (an der Grenze zwischen Ungarn, der Slowakei und Österreich, ein wenig südlich von Bratislava) vermisst. Weiter wird berichtet, dass die zur Zeit ihres Verschwindens 24-jährige mit ihrem Geburtsnamen unterwegs sei – Johanna Vadkentinn. Es folgt noch eine wenig schmeichelhafte Beschreibung: sie sei mittlerer Größe und habe ein braunes, blatternarbiges Gesicht. Weshalb diese Meldung in Innsbruck herausgegeben wurde, ist schwer zu sagen – hatten die Behörden irgendeinen Anlass zu glauben, dass sie in Tirol unterwegs war? Oder weitete man mit der Zeit einfach den Suchkreis immer weiter aus?
Leider wissen wir auch nicht, was ihr widerfahren ist und ob sie je gefunden wurde. Der Hinweis, dass sie sich „nach dem Nahmen ihres Vaters“ nannte, könnte zu Spekulationen verleiten, dass sie einem ungeliebten Gatten davonlief; aber das sind natürlich nur Vermutungen. Vielleicht fand sie irgendwo ein frühes Grab, vielleicht irgendwo ein glücklicheres Leben – wahrscheinlich bleibt es ein Geheimnis der Geschichte.
(Signatur FW-G-190)