Archivding der Woche
Bereits vor einiger Zeit gelangte dieser, auf den ersten Blick recht unscheinbare Brief zu uns ins Archiv. Er wurde mit Bleistift geschrieben, umfasst vier Seiten, ist mit „11./II 16“ datiert und mit „Dein Papa“ unterzeichnet. So weit, so unspektakulär. Oder hätten Sie die Handschrift gleich erkannt? Also ich muss gestehen, dass ich zunächst gedacht habe, dass es sich schlicht um einen Feldpostbrief – der Verfasser setzte vor das Datum die nichtssagende Ortsangabe „Standort“ – aus dem Ersten Weltkrieg handelt. Dann habe ich aber die beiden beigelegten Kuverts gesehen:

Den Brief hatte demnach Albin Egger-Lienz (1868-1926) von einer Frontreise an seine Frau Laura geschrieben. Laut Wikipedia hielt sich Egger-Lienz „von Mitte Jänner bis Mitte Februar 1916 […] als Kriegsmaler in Folgaria [auf], bis Mai 1916 in Trient. Er besichtigte dabei hochgelegene Gebirgsstellungen und malte mehrere Bilder von der Front, die er auch dem k.u.k. Kriegspressequartier (KPQ) für Ausstellungen zur Verfügung stellte. Ebenso entwarf er Kriegspostkarten sowie Illustrationen für die Tiroler Soldatenzeitung.“ Auf den Krieg geht der Maler in diesen Brief allerdings nur am Rande ein. Er berichtet seiner Frau, dass er geträumt habe , sie sei „eine bekannte Malerin geworden“, dass seine „Zeit hier auch bald um“ sei und er sich täglich freue, dass er „nun bald wieder bei“ seiner Familie sein wird. Erst zum Schluss schreibt er dann: „Heute war wieder ein italienischer Flieger ober uns. Das solltest Du sehen, wen[n] dan[n] fortwärend [sic] auf ihn geschoßen wird.“
Über Albins Tochter Illa Egger-Lienz (1912-2003) gelangte dieser Brief an das Galaristen-Ehepaar Helmut und Helga Kugler und von deren Sohn Bernd Kugler zu uns ins Stadtarchiv.