Mit der Drehleiter durch Innsbruck – Teil 17
Unser heutiger Ausflug führt uns exakt 45 Jahre zurück. Am Abend des 8. Juli 1981 – der ebenfalls ein Mittwoch war – begann die praktische Abschlussprüfung des Chargenlehrgangs der Innsbrucker Berufsfeuerwehr mit einer Einsatzübung. Es war die erste von insgesamt elf Einsatzübungen, die die elf Lehrgangsteilnehmer zwischen dem 8. und dem 10. Juli zu absolvieren hatten.
Die Übungsannahme für diese erste Bewährungsprobe lautete: „Wohungsbrand in einem Hochhaus“ und um kurz nach 19:00 Uhr rückten ein Kommandofahrzeug, die 1. Gruppe, der 1. Trupp, der 2. Trupp, die Drehleiter (DL-37) und das Rettungs- und Strahlenschutzfahrzeug zum Übungsobjekt aus. Auf der Anfahrt ging über Funk die Meldung ein, dass das Stiegenhaus verraucht und wohl auch Personen eingeschlossen seien. Über den weiteren Ablauf berichtete die TT minutiös
Schon sechs Minuten nach dem Alarm, um 19.09, traf der Kommandowagen vor dem Hochhaus ein, weitere Einsatzwägen folgten, um 19.13 Uhr wurde die hydraulische Magirusleiter [auf dem Titelbild gut zu sehen] am Balkon in Stellung gebracht, um 19.14 sprang der erste Feuerwehrmann auf den Balkon. Alles lief nach Plan und wie am Schnürchen. Einziger Haken: Das einzige Feuer in der Wohnung war die glimmende Zigarettenspitze eines Bewohners – die ganze Aktion war eine perfekt durchgeführte Übung, von der nur die Kommandanten und die Hausbewohner […] wußten. Und in dieser Rettungsübung, die […] für beträchtliches Aufsehen sorgte, wurden so ziemlich alle Eventualitäten durchgeprobt: So kinsterte das „Funkfeuer“ ständig: Anfrage am Flughafen, ob drei Rettungshubschrauber sofort einsatzfähig wären, um mittels Bergungsnetzes eine Rettung aus der Luft vornehmen zu können (wozu es dann nicht kam). Außerdem wurden noch die Freiwilligen Feuerwehren Mühlau und Neu-Arzl zur Verstärkung alarmiert. Sie hatten ebenfalls von der Übung keine Ahnung […].
Apropos keine Ahnung – Sie wissen nicht zufällig, bei welchem Haus „Susi“ angeleitert hat?
(Archiv NTZ)
Ich tippe auf das Hochhaus Reichenauer Straße 95
Gratulation – der Tipp ist korrekt!
Sehr schönes Leiterfahrzeug, wie Sie schreiben DL-37, auf Magirus Jupiter Fahrgestell. Schön auch noch zu sehen, die schwarzen Kotflügel (später wurden sie dann in Weiß lackiert). Und vorne an der Straße steht das Standard-Löschfahrzeug der 1980er Jahre, ein Ford Transit. Heute alles Oldtimer – herrlich…
Mit den schwarzen Blechen hat mir das Feuerwehrauto besser gefallen.
Was ich noch wissen möchte: War da im Ernstfall daran gedacht, Personen die Leiter hinunterklettern zu lassen? Kaum zu glauben, wenn es so war.
Das Mittel der Wahl war ein Abstieg über die Drehleiter nicht, da das Innsbrucker Feuerwehrkommando richtig erkannt hatte, dass das „Absteigen über Drehleitern immer problematisch sein wird, da die Vielfalt der persönlichen Eigenschaften – Alter, Geschlecht, Kondition, Temperament u.a.m., das Abstiegstempo stark beeinflussen.“ Unter Federführung von Branddirektor Angermair wurde daher nicht nur ein Teleskopmastfahrzeug angekauft, sondern auch alternative Rettungsmethoden (Leinenschießgeräte, Notpack-Beutel, Hubschraubereinsatz, etc.) entwickelt und erprobt. Siehe dazu ausführlich die Broschüre: Hochhausbrände. Abwehrmaßnahmen – Menschenrettung – Brandbekämpfung, Innsbruck 1979.