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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Die Heilung Des Schnupfens (III.)

Die Heilung des Schnupfens (III.)

Während des Ersten Weltkrieges fand Kokain weiterhin als lokales Betäubungsmittel Verwendung. Als Przemysl von russischen Truppen eingeschlossen war, wurden Vorräte in die Festung eingeflogen, darunter auch das weiße Pulver. Es wurde jedoch im Heer selten missbraucht, da es selten, teuer und streng kontrolliert war.

Nach dem Krieg gingen allerdings Ängste um, dass sich der Kokain-Konsum auch hierzulande verbreiten könnte. Konservative Stimmen in der Presse schlugen Alarm gegen die Droge, die mit dekadenten Bonvivants der Großstädte assoziiert wurde. Ein Artikel der FAZ, der in den Innsbrucker Nachrichten nachgedruckt wurde, formulierte diese Verachtung auf besonders menschenfreundliche Weise:

Konsumenten sind wohl vorerst die Lebewelt der „feinen“ Lokale, wie sonst im „Herzen“ von Paris, dem Montmartre, dem größten Absatzgebiet des illegalen Kokainhandels. An diesen Leuten liegt ja nichts und wenn sie sich mit Kokain selbst ausrotten wollen, desto besser.

Groß aber ist die Infektionsgefahr gegen breitere Schichten des Volkes, jene Schichten, die eigentlich die „werktätigen“ heißen wollen.

Ebenfalls wurden absurde Zahlen zum Kokainkonsum kolportiert: Der Menschenfreund, den wir oben kennengelernt haben, berichtete davon, dass Süchtige bis zu 30g Kokain pro Tag konsumieren würden – was in etwa um das 5–10-fache übertrieben sein dürfte. Zahlen zur Verbreitung der Droge waren schwierig zu verifizieren, es gab schließlich noch keine Abwasser-Analysen. Bezüglich der Demographie der Betroffenen berichteten die Innsbrucker Nachrichten über die Szene in Berlin:

An dem Kokainmissbrauch ist fast nur das Alter von 20 bis 30 Jahren beteiligt. Auch die Frau ist leider unter den Kokainisten vertreten. Die Prostituierten stellen einen großen Teil der Kokainisten dar.

Auch in Innsbruck fanden sich damals Berichte über Drogenhändler, die mit dem in Mode gekommenen Stoff Geschäfte machten. Kurioserweise gab es beinahe ebenso oft Berichte über „Drogen“-Händler, die irgendein weißes Pulver verkauften, wie etwa eine Innsbrucker Kellnerin, die 600g für 50.000 Kronen (ca. 2.100 EUR) verkaufte, und versuchte, über den Brenner zu flüchten, ehe ihre Kundschaft bemerkte, dass es sich um eine Mischung aus Mehl und Gips handelte. Anscheinend war die Nachfrage größer als das Angebot.

(Die unscheinbare Kokain-Hauptstadt Österreichs – Signatur Ph-25181)

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