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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Map Stories: #dabei Sein Ist Alles

Map Stories: #dabei sein ist alles

Leider wieder kein Artikel über Olympia. Das Motto in der Überschrift dieses Artikels stammt auch nicht von Pierre de Coubertin oder Alois Lugger, sondern vom bescheidenen US-Amerikanischen Landbischof Ethelbert Talbot, der ihn 1908 in London sinngemäß gepredigt hat. Im Original so überliefert:
„The only safety after all lies in the lesson of the real Olympia — that the Games themselves are better than the race and the prize. St. Paul tells us how insignificant is the prize, Our prize is not corruptible, but incorruptible, and though only one may wear the laurel wreath, all may share the equal joy of the contest.“ Well said, Old Man.

Zum Beitragstitel inspiriert hat mich der ungewöhnliche Stadtplan und -führer, der etwa um 1910 entstanden sein dürfte. Der Plan selbst ist ordentlich gemacht, farblich in dezentem Ocker und Grün gehalten, mit praktischen roten Ziffern bei den wichtigen Sehenswürdigkeiten, nein halt, das sind die inserierenden Geschäfte, auch gut. Eigentümer:innen von Geschäftslokalen in Innsbruck kennen die Besuche von Vertretern (ausschließlich Männer mit A5-Herrenhandtascheln), die einem solche zwei-Zentimeter-Annoncen um nur 500 Schilling verkaufen wollten, Auflage unbekannt aber angeblich sehr hoch, in so gut wie jedem Geschäft aufliegend, Verbreitung und Werbeeffekt enorm… diese Verkaufsgespräche gab es noch vor 10 Jahren als Papierlandkarten (und Handelsreisende) schon ordentlich fuori moda waren.

Was ist also ungewöhnlich? Dazu muss man das Objekt etwas genauer studieren, daher ist das Machwerk – natürlich – hier auch interaktiv konsultierbar. Rechts oben versprechen die Gebrüder Colli einen König Arthus für die Reisenden, die nicht mehr wissen was sie der Gattin mitbringen sollen. Wir vermuten stark eine verkleinerte Reproduktion obwohl hier eindeutig das Original abgebildet ist. Die Auflistung der Geschäfte erfüllt dann alle Kriterien eines Sickerwitzes. Man versteht ihn erst nach und nach… beginnt man links oben zu Lesen kommen bekannte und weniger bekannte Läden und Firmen daher, zum Teil in Rubriken für unerwartete Konsumbedürfnisse von eiligen Stadtbesucher:innen. Spalte eins nennt bei Ansichtskarten und Bureau-Artikeln zwei Mal Papier Tschoner, das passt. Dann kommt unten bei Dampf-Turbinen und Elektrischen Bahnen die A.E.G., letzteres in direkter Konkurrenz mit den Siemens-Schuckert-Werken, die ihrerseits als Alleinanbieter für Elektrische Gesteinsbohrmaschinen und Elektrische Heiz- und Kochapparate aufscheinen. Gemeinsam buhlen die Firmen in Spalte zwei um Kundschaft für Elektrische Kabel und Leitungen, liefern aber auch Elektrische Lampen jeder Art, Elektrische Licht- und Kraftanlagen, natürlich bieten sie Elektrische Maschinen und Motoren, und schließlich wird noch für Elektrische Schaltapparate und Installationsmaterial geworben.

Das originelle Angebotsspektrum von nützlichen Dingen für den eiligen Gast zieht sich über den gesamten Plan, Klaviere, Schreibmaschinen, Umzäunungen aus Draht, Sägen- und Mühlenbau oder Zement werden von Bauer&Schwarz (8 Rubriken), Johann Groß (4 Rubriken), der nicht verwandten oder verschwägerten Lilly Groß (4 Rubriken), Richard Holzhammer (5 Rubriken), vom besagten Ferd. Tschoner (4 Rubriken), von Hofer & Erhart (5 Rubriken), Johann Peterlongo (5 Rubriken), Wilhelm Engele (6 Rubriken), Valentin Riggenmann (5 Rubriken), C.A. Czichna (3 Rubriken), Josef Oberhammer (5 Rubriken) und Hermann Hueber (5 Rubriken) angeboten. Die Liste ist unvollständig.

Die Rückseite des Plans bietet neben einer Umgebungskarte noch letzte relevante Hinweise auf einige der vorgenannten Firmen und ein paar Igler Hotels; dazu eine kurze Geschichte der Stadt sowie die ungefähren Quadranten der umseitig nicht eingezeichneten Sehenswürdigkeiten. Beim verfügbaren digitalen Exemplar hat die Oberfläche ziemlich gelitten, man kann es praktisch nicht lesen. Der lieben Vollständigkeit halber habe ich das Dokument dennoch hier für Sie zoombar (weil so höher aufgelöst) eingestellt. Dabei sein ist alles.

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