Jugend-Kultur-Woche
Vom 10. bis 18. Juni 1950 fand in Innsbruck eine Jugend-Kultur-Woche mit einem ziemlich umfangreichen Programm statt. Das Titelbild zeigt das 41 x 61 Zentimeter große Veranstaltungsplakat, das vom Landesjugendreferat herausgegeben und von der Wagner’schen Univ.-Buchdruckerei gedruckt wurde.
Die Presse berichtete mehrfach über die Jugend-Kultur-Woche. So erschien zum Beispiel am 12. Juni 1950 in den Tiroler Nachrichten folgender Artikel in dem über die Eröffnungsfeier berichtet wurde: „Die Tiroler Jugend-Kultur-Woche 1950 wurde am Samstag im Sitzungssaal der Hofburg mit der Eröffnung einer Ausstellung „Aus der Arbeit des Jugendreferates“ eingeleitet. Der Eröffnung wohnten neben den Vertretern der verschiedenen Schulen, Jugendorganisationen und Fachgruppen des Jugendreferates LHStv. Mayr, die Landesräte Dr. Gamper, Egger und Heinz, die Landtagsabgeordneten Dr. Lugger und BM. Dr. Melzer, Landesamtsdirektor Hofrat Dr. Stoll, der Präsident des ÖRK., Prof. Dr. Breitner, sowie der Geschäftsführer des Tiroler Landesverbandes vom ÖRK., Dr. Komuczky, teil. Der Leiter des Landesjugendreferates, Dir. Haidl, hob in seiner Begrüßungsansprache die Bemühungen der Tiroler Landesregierung hervor, die sich als erste sämtlicher Landesregierungen bedingungslos zur jungen Generation bekannt habe. Dir. Haidl lehnt den unmittelbaren Einfluß des Staates auf die Jugenderziehung ab, weil dies, wie er sagte, zu einer Uniformierung führen müßte, die nicht im Interesse der Allgemeinheit liegen könne. „Die Jugend muß die Gegenwart erkennen, um die Zukunft zu sehen.“ BM. Dr. Melzer kam in einer kurzen Ansprache u. a. auch auf den Begriff der Kultur zu sprechen und erklärte: „Kultur nennen wir das, was übrig bleibt, wenn alles das, was wir einmal gehört haben, vergessen ist. Nicht die Buchweisheit, sondern das bescheidene Dienen und Helfen an dem erarbeiteten Gut: das ist der Begriff der Kultur, den man der Jugend vor Augen halten muß.“ LHStv. Mayr eröffnete die Ausstellung und dankte Dir. Haidl für seine stille, unermüdliche Arbeit im Dienste unserer kommenden Generation. Die Ausstellung zeigt in anschaulicher Weise die Arbeit der einzelnen Fachgruppen im Jugendreferat – angefangen vom Jugendrotkreuz in den Schulen bis herauf zur Kulturgruppe des „Ring“ – und weist an Hand eines statistischen Zahlenmaterials auf die Bedeutung der Jugenderfassung hin.“
Die Tiroler Bauernzeitung veröffentlichte am 22. Juni 1950 einen Artikel mit dem Titel „Die Jugendkulturwoche“. Darin wurde auf das Programm der Jugend-Kultur-Woche recht zufrieden zurückgeblickt: „Das Wort Kultur ist heute oft zu einem Schlagwort geworden. Bei jeder Gelegenheit wird es vorgetäuscht. Andererseits aber finden sich gerade in unserer erwachenden Zeit der Nachkriegsjahre so viele Ansätze und Zeichen einer wirklichen Kultur, daß man sich nur freuen kann. Österreich hat in diesen fünf Jahren nicht nur Häuser aufgebaut und Brücken konstruiert. Es wurden auch die Grundlagen für den kulturellen und geistigen und seelischen Aufbau stillschweigend und ohne viel Aufhebens gelegt. Der Stephansdom in Wien ist ein äußeres Zeichen eines solchen geistigen Wiederaufbaues. Nun hat das Jugendreferat der Tiroler Landesregierung eine Jugendkulturwoche veranstaltet. Wollte dabei die Jugend ihre „Kultur“ zeigen oder wollte man die „Kultur“ der „Jugend“ zeigen …? Blieb es bei einem Anfang oder nur bei einem Versuch…? Oder wurde doch ein stärkerer Grundstein gelegt…? Ohne Zweifel hat die Jugendkulturwoche eine Furche in den steinigen und trockenen Boden unserer Zeit aufgerissen und manches Saatkorn dürfte doch gesät worden sein. Zwar sind wir bei Sport- und Filmveranstaltungen große Besucherzahlen gewohnt, Massenansturm im wahren Sinne des Wortes. Sport ist Masse. Kultur ist— wenigstens heute— nicht Sache der Masse, sondern jener Menschen, die sich noch das Bewußtsein wachgehalten haben, daß der Mensch aus Leib und Seele besteht und nicht aus einer „Fußballhülle, innen aufgeblasen mit Luft“! Den Massenbesuch einer Sportveranstaltung haben die kulturellen Ereignisse dieser Woche nicht aufgewiesen, aber dennoch zeigte vor allem die Jugend Interesse. Die Räumlichkeiten mit künstlerischen, musikalischen oder literarischen Darbietungen waren in allen Fällen überfüllt. Schon der Ausklang des Musikwettbewerbes bildete einen festlichen „Auftakt“ für die Jugendkulturwoche. Das Lied hat noch die alte Kraft im Volk gezeigt, Lied und Musik verdienen im Tiroler Volkstum den ersten Platz. Hier ist ein fester Punkt, an dem die Hebel für kulturelle, künstlerische und volkstümliche Arbeiten angesetzt werden können. Sehr schön war die literarische Feierstunde des Literarischen Freundeskreises „Serles“. Der Tiroler Komponist J. E. Ploner und sein Schüler Hans Rangger aus Zirl haben einen Zyklus von Liedern vertont, die erstmalig zum Vortrag kamen. Die jungen Sänger Gilbert Ploner, Erwin Lopatie und Elisabeth Niederkofler sollen ihre verdiente Anerkennung finden. Es freut uns, daß auch der Zillertaler Bergbauernsohn Hans Außerladscheiter mit einem von J. E. Ploner vertonten Liede vertreten war. Die nachfolgenden Veranstaltungen der Jugendkulturwoche und die Ausstellung der Jugendarbeit haben durch die Tat gezeigt, daß im Jugendreferat nicht nur Kanzleiarbeit geleistet wird, sondern daß die Jugend, vor allem die Vertreter der „geistigen und kulturellen Welt“ einen Anker in der Unruhe und Äußerlichkeit unserer Tage gefunden haben! Vergessen wir nicht, daß die Jugendlichen von heute in 30 Jahren über unsere Zeit zu Gericht sitzen werden! Die geistigen und kulturellen Kräfte unseres Volkes wiegen stärker als der augenblickliche Massenrausch eines Fußballspieles…“
(Stadtarchiv Innsbruck, Pt-1515)