Schall und Rauch
Innsbruck ist reich an Almen; allein die Stadt besitzt deren sechs. Etliche finden sich auf den Bergen rings um die Landeshauptstadt. Doch die berüchtigte „Schmerlinger Alm“ sucht man heute vergebens. Folgt man den lokalen Tageszeitungen, so hat sich der Spitzname für das alte, Landesgerichtliche Gefängnis in den frühen 1920er-Jahren eingebürgert. Die erste nachweisbare Erwähnung findet sich in der Faschingsausgabe der Innsbrucker Nachrichten vom 25. Februar 1922 (siehe hier). Im selben Jahr verfasste Karl Gvatter (1884-1952) für die sozialdemokratische Volks-Zeitung unter dem Titel „Das Haus in der Schmerlingstraße“ einen ausführlichen Bericht über das Gefängnis. Dieser begann wie folgt:
Grau und massig steht es da und man geht nur mit gemischten Gefühlen daran vorbei. Besonders wenn man vorher von der Müllerstraße, Maximilianstraße oder der Fallmerayerstraße aus einen Blick aus die kleinen, vergitterten Fenstervierecke des Gebäudeblocks geworfen hat, den der Volksmund ‚Schmerlingeralm‘ nennt. Man geht nicht gern durch das säulensiankierte Tor in der Schmerlingstraße. Auch dann nicht, wenn man weiß, daß man uneingespert wieder herauskommt.
Volks-Zeitung, 16.11.1922, 2-3.
45 Jahre später verschwand die „Schmerlinger Alm“ aus dem Innsbrucker Stadtbild, wobei ihr Ende ziemlich spektakulär war. In mehreren Teilsprengungen wurde sie 1967 dem Erdboden gleichgemacht. Besonders eindrucksvoll war die Sprengung des Westtraktes am Samstag, den 20. Mai 1967. Selbstverständlich war jedes Mal auch die Feuerwehr vor Ort, um den Brandschutz zu gewährleisten und die Staubbelastung zu minimieren. Und bei einer dieser Teilsprengungen lief auch die Kamera mit. Also Film ab!
(Titelbild: StAI, ohne Sig. Richard Frischauf / Filmausschnitt: Archiv der Feuerwehr Innsbruck, Filmarchiv der BFI)
„Der war jetzt 3 Monat in der Schmerling Alm auf Urlaub.“ Und jeder hat gwusst, was los isch.