Henriette Bimmelbahn?
Ältere Menschen tendieren dazu, sich an ihre Kindheit und die dazu gehörigen Gedichte sentimental zu erinnern. Und beim Anblick dieses Fotos ist mir eins aus meiner Kindheit wieder eingefallen: Henriette Bimmelbahn.
Da ich den Text natürlich nicht mehr wusste, habe ich nachgeschaut:
Henriette heißt die nette,
alte, kleine Bimmelbahn.
Henriette, Henriette
fuhr noch nie nach einem Plan.
Henriette steht so lange
auf dem Bahnhof, wie sie mag.
Und so steht sie dort auch heute,
an dem schönen Sommertag.
Und alle Kinder steigen ein
und machen einen Ausflug,
und abends bringt Henriette
sie alle wieder zurück nach Hause.
Doch die alte Henriette
ruckelt müde, zuckelt matt,
bimmelt leise ihre Weise
Und rollt heimwärts in die Stadt.
Naja, ist jetzt nicht gerade ein besonders wertvoller Beitrag.
(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck; Ph-14.705)
apropos:
Am Bahndamm wächst ein Sauerampfer,
er sieht nur Züge, niemals Dampfer.
Armer Sauerampfer.
oder der hier:
Ein Zug der andern Zügen glich
war doch ein eigner Fall für sich,
Ein Wagen nämlich schien
Den ganzen langen Zug zu ziehn.
Das war jedoch ein Trugschluss nur
weil eine Lok am Zugschluss fuhr.
Und die Moral von der Geschicht ?
Manch Einer scheint durch Leistung oben,
in Wirklichkeit wird er geschoben !
Sie wissen ja gar nicht, Herr Pechlaner, WIE R E C H T Sie haben!
Aber zum Bild:
Das muß ein Ostersonntag vormittag sein. Die „Henriette“ mit ihren 8 Küken wartet darauf, mit vieren von ihnen am Nachmittagcviele Ausflügler Richtung Schießstand – Rum – Thaur – Loreto – nach Hall hinunter befördern zu können und manche auch abends wieder zurück, je nachdem, welcher Nachmittagsausflug gemacht worden war.
Umd auch an jeden der beiden Triebwägen, die gerade „solo“unterwegs waren,(Sonntag vormittag! ) konnten jeweils Wagelen angehängt werden. zzzzzz
Oder möchte Henriette mit allen 8 Küken mittags bei der Weiche Bruneckerstraße (Pradl umsteigen) nach links abbiegen
und ihre Küken ins heimatliche Nest unterm Berg Isel bringen?
Alles sieht so optimistisch, so neu, so friedlich aus. Die Koniferen sind noch nicht gepflanzt – ich meine die – was waren das gleich? Zirbelkieferlen? Halt die „Peetschelen“ des Herrn Professor, die „Gams“gartln genannten Kleingrünanlagen –
zwischen denen die „Glucke“ mit ihren Küken, nämlich die Haller Straßenbahn, 1974? 1975? ihre letzte Fahrt antreten mußte….
LIebe Frau Stepanek, ich bin einmal wieder hin und weg von Ihrem Detailgedächtnis. Sie haben ganz Recht, die 4er fuhr in der Regel mit einer geraden Anzahl an Beiwagerl, mehr dazu in meinem Posting unten. Dass am Sonntag aber mehr Beiwagen nötig waren und die 4er auch für Ausflüge genutzt wurde, hatte ich nicht gewusst. Ich hätte die Mittagsstoßzeit (laut Uhrturm) an einem Werktag vermutet, nur die (Auto-)Verkehrslage am Foto passt da vielleicht nicht so dazu.
Für Sie ein Foto vom dem Dreibaumwäldchen am Nordende des Südtiroler Platzes, so wie ich es auch in Erinnerung habe: https://postimg.cc/bGvTgtYk (Mai 1984, Fotograf:in unbekannt, Bearbeitung & Slg. MS). Kiefern waren das, oder? Tschurtschen hatten sie jedenfalls genug!
Die Linie 4 hatte ihren letzten Betriebstag am 8. Juni 1974. Die letzte und größte Zäsur im einst und heute wieder wichtigsten Verkehrssystem unserer Stadt. Das Gute ist: seitdem ist das Netz immer nur gewachsen und wird auch in Zukunft noch größer werden.
Ray Deacon, Autor des Buchs „Innsbruck’s Alpine Tramways“, nennt die Kombination aus den großen Vierachser-Triebwagen und den Mini-Beiwagen übrigens „the duck and her ducklings“. Finde ich auch nett.
Oh – vielen Dank für das Foto dieser Kiefernbäume (welche lt. Prof. Gams als einzige Baumart widerstandsfähig genug gegen dieses städtische „Abgasklima“ sein würden).
Mir gibt dieser Schneefall bis ins Tal herab zu denken!!! Warum?
Nun, im J u n i 1956 hat es tatsächlich bis in die Stadt heruntergeschneit (nachdem es an einem Montag (?) 30° gehabt hatte, war am Mittwochmorgen alles weiß… Das könnte am Beginn der dritten Monatsdekade gewesen sein. Aber – wie immer: Ohne Gewähr, gell!
(Das Stadtarchiv ist jetzt sicher neugierig geworden und fragt beim „Wetter“ nach dem genauen Datum des damaligen Schneefalls).
Und was das Datum 1974 betrifft: Da hatte ich Ihren Jahrgänger, meinen Sohn Bernhard, jetzt um ein Jahr zu alt in Erinnerung … da wurde er ja erst in 2 Monaten zwei Jahre alt…
Aber die letzte Fahrt mit der Hallerin haben wir damals mitgemacht – und als in den 90-ern vom ORF-Tirold Beiträge für Schmalfilme – privat – Familie und dgl. – gesucht worden sind, hat mein Gatte ein Filmele von eingereicht. Das ist ei einer Abendveranstaltung
….im Foyer des Funkhauses dann mit allen anderen Beiträgen auch vorgeführt worden. Es hat in jeder Hinsicht für große Erheiterung gesorgt – was „die handelnden Personen“ – nämlich unsere drei Kinder mit ihrer patscherten Mutter – anbelangt.
(der vorige Beitrag war plötzlich im All entschwunden. Mein Tablet scheint etwas gegen schreibende 87 1/2jährige Frauen zu haben – was weiß ich?)
Mit so einem Sauwetter rechnet natürlich im Juni niemand, und ich glaube auch dass die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses durch die Klimaerhitzung nochmal stark gesunken ist, aber die Datierung aufgrund solcher saisonalen Unterschiede ist natürlich immer etwas schwammig, abgesehen vielleicht von „Bäume kahl / Bäume grün“.
Der ORF Tirol hat vor nicht allzu langer Zeit über das Ende der Hallerbahn wieder mal berichtet, ist hier vielleicht ein Ausschnitt von Ihrem Familienfiln dabei? https://www.facebook.com/share/v/18MTcdfxUD/
Ja, tatsächlich, lb Herr Schneiderbauer – das aller- allerletzte Bild der nach Innsbruck zurückfahrenden Haller! Das sind wir auf der hintersten Plattform.
Darf ich vorstellen: Das halbbesonnte Köpfchen ist unser Ältester, der Leopold (beide Großväter aus NÖ), Jg. 1969. Tochter Lydia (1970) und Bernhard (1972) im Schatten…
Vielen Dank, daß Sie sich die Mühe gemacht haben, diesen Beitrag einzustellen!
Stichwort: A U S F L Ü G E mit Hilfe der „Haller“
Bloß ein schönes Beispiel:
Mädchenwandergruppe mit einer engagierten jungen Lehrerin.
Treffpunkt: Sonntag, Endstation 1 (bei der Hungerburgbahn)
Mit der Haller bis zu deren Endstation Hall.
Dort steht ein Bus (aber fragen Sie mich nicht, von wem), der die Gruppe bis zur „Gunggl“ befördert (wie lange gibts dieses Gasthaus schon nicht mehr?)
Und von dort hinauf zur -Ja!- einmaligen Walder Alm.
Abstieg?
Nicht gleich wieder, sondern hinüber (über die Wandl-Alm) zur Alpensöhnehütte. Und durch das Halltal hinaus. Und durch Absam und Hall hinunter. Und mit der Haller zurück nach Innsbruck.
Ein Ausflug – machbar mit der Haller – und eine meiner schönsten Erinnerungen.
Schönes Foto wieder einmal, ein Neunwagenzug!
Das Datum lässt sich recht eng eingrenzen, es liegt zwischen Inbetriebnahme des Hauptbahnhofs II Ende April 1956 und Umbau der Gleisanlagen am Südtiroler Platz ab Juli 1957. In den Bergen ist sehr viel Schnee zu erkennen, das Foto müsste daher im Winter 1956/57 entstanden sein.
An anderer Stelle hier auf i-e gibt es ein Foto eines ähnlich langen Beiwagenstapels am Südtiroler Platz ein paar Jahre später nach Umbau der Gleisanlage. Das Stapelgleis befand sich dann nach dem Umbau Mitte 1957 auf der Westseite, hier wird zu diesem Zweck noch das östliche Gleis der kurzen Ausweiche verwendet.
Fix ist, dass dieser vermeintliche Zug nicht nach Hall fahren hätte können, weil er viel zu lang für die Ausweichen auf der eingleisigen Strecke gewesen wäre, entgegenkommende andere 4er-Züge hätten an so einem Monsterwurm nicht vorbeifahren können. Fünfwagenzüge waren auf Linie 4 das Maximum.
Der mutmaßliche Zug auf diesem Foto wäre mit 64,6 m Länge – und das auf der damals noch viel mehr als heute unterdimensionierten und minimalistischen Infrastruktur – sogar um 8,8 m länger gewesen als die heute längsten Innsbrucker Straßenbahnzüge, die Doppeltraktionen der Linie 5 und zukünftig auch der Linie 2. Diese sind „nur“ 55,8 m lang, sind damit aber bereits die längsten Straßenbahnzüge Österreichs. Rechtlich dürften Straßenbahnzüge in Österreich bis zu 75 m lang sein.
Wie auch bereits früher schon an anderer Stelle angemerkt, waren zur Zeit des Beiwagenbetriebs diese winzigen Beiwagen der Serie 101-141, die ja noch aus der Dampftramzeit stammten, immer paarweise fix gekuppelt und bildeten eine Einheit, wenn auch mit jeweils zwei Fuhrparknummern. Für andere, größere Beiwagenserien galt das nicht, die traten auch einzeln auf, die längsten davon hatten beinahe das Fassungsvermögen von zwei dieser Miniwägelchen. In diesem Ausweichgleis konnten drei dieser Beiwagenpaare bereitgestellt werden, die dort von verschiedenen Linien kurz vor Zeiten mit erhöhtem Fahrgastaufkommen mitgenommen wurden. Der Beiwagennachschub erreichte den Südtiroler Platz mittels Verschubtriebwagen plus ein bis zwei Beiwagenpaaren über die Leopoldstraße vom Bergiselbahnhof; solche Verschubzüge sahen etwa so aus – hier sehen wir allerdings nur Verschub für die Linie 6: https://postimg.cc/344TDNP4 (Foto: W. Schröter, April 1981, Bearbeitung und Slg. Manni Schneiderbauer).
Am Artikelfoto holt sich ein 4er-Zug, der zuvor mit zwei Beiwagen am Südtiroler Platz angekommen ist, ein weiteres Beiwagenpaar ab, um wie von Frau Stepanek bereits erwähnt als Fünfwagenzug nach Hall zu fahren.
Es sei – nur der Vollständigkeit halber! – noch erwähnt, daß es in der 3.Junidekade 1956 an einem Mittwoch einen starken Schneefall bis in die Stadt herab gegeben hat. Im Schatten lag mittags noch Schnee –
nachdem am Montag, also 2 Tage davor, noch Temperaturen um die 30° geherrscht hatten.
Das wäre zur Zeit des höchsten Sonnenstandes gewesen
Was sagt der Schatten unter dem Dach des Uhrturmgebäudes zu einem vermutlichen Datum? (O mei, da müßte man wohl Länge und Breite samt Tiefe zwecks Berechnung wissen…)
Die Bäume waren echte Tiroler Zirben. Trotz der Tallage gediehen sie prächtig. Bis halt wieder der Motorsägenfinger juckte.
Zum Motorsägenfinger: dem Dreibaumwäldchen und seinem grünen Umfeld wurde offenbar quadratmeterweise der Garaus gemacht, hier zum Vergleich ein Foto von 1969: https://postimg.cc/cvGNRLj6
Da existierte das zweite Gleis noch und links davon doch noch deutlich mehr Grünfläche.
Die Neugestaltung des Südtiroler Platzes 2003-2005 war das letzte Tiefbau-Großprojekt in Innsbruck nach altem Muster: der motorisierte Individualverkehr musste genug Platz haben, Flaschenhälse durfte es füt Autos keinesfalls geben, alles andere drumherum musste sich daran orientieren. Furchtbar. Deshalb gibt es keine Bäume, kein Grün und keine Radwege. Das ändert sich aber in absehbarer Zeit.
„Das ändert sich aber in absehbarer Zeit.“ Oh! Kann ich als Einzelperson, die sich aber am Bahnhofplatz auskennt („Des Lebens nicht mehr sicher“ 🙂 ) die Überlegung anregen, ob man die Ampel am mittleren Zebrastreifen, der Richtung Bahnhof Halle führt, nicht auflassen? Wieviele Züge und Busse schon versäumt wurden, während man auf das rote Signal starren mußte, möchte ich wissen. Und entgegen Niko Hofingers Autoverfolgungsangst funktioniert die Anhaltepflicht bei Zebrastreifen mittlerweile hervorragend. Fast zu gut, man könnte schon von vorauseilendem Anhaltewillen sprechen.