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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Notabilitäten Zu Gast In Igls – Teil IV

Notabilitäten zu Gast in Igls – Teil IV

Wir verlassen für einen Moment die Welt des europäischen Hochadels und landen – beim österreichischen Beamtenadel. Genauer gesagt bei der freiherrlichen Familie Bienerth (ab 1915 Grafen Bienerth-Schmerling). Richard Freiherr von Bienerth (1863-1918) hatte an der Universität Wien Jus studiert und sodann recht erfolgreich die Beamtenlaufbahn eingeschlagen. 1905 war er vom Unterrichtsministerium auf die Regierungsbank gewechselt und am 15. November 1908 hatte ihn dann Kaiser Franz Joseph zum k. k. Ministerpräsidenten ernannt. Aber auch ein Ministerpräsidenten braucht einmal Ferien.

Richard Freiherr von Bienerth (X) bei der Fronleichnamsprozession in Wien. Foto: Privatbesitz.

Im Sommer 1910 verbrachte die Familie Bienerth ihre Sommerfrische in Igls, wo sie eine Villa angemietet hatte. Über ihre Ankunft lesen wir in den Innsbrucker Nachrichten vom 13. Juli 1910:

Die Familie des Ministerpräsi­denten Baron Bienerth kam gestern mittag hier an und ist nach kurzem Aufenthalte, den sie zur Einnahme eines Dejeuners im „Tiroler Hof“ benützte, zum Sommeraufenthalte nach Igls, Villa „Fichtenhof“, weitergefahren. Am hiesigen Bahnhofe wurde die Familie Bienerth von der Frau Statthalter Baronin Spie­gelfeld und ihrer Tochter, Frau Bezirkshauptmann Lill von Lilienbach, den Herren Statt­haltereirat Baer, Baron Sieberer und kais. Rat Heigl erwartet. Der Ministerpräsident selbst wird in einer Woche nach Igls kommen.

Wie erholsam der Aufenthalt für den k. k. Regierungschef tatsächlich war, sei dahingestellt, denn kaum angekommen, machten ihm die Landeshauptleute von Tirol und Vorarlberg ihre Aufwartung. Ende August suchte ihn mehr oder weniger unerwartet der Erzherzog-Thronfolger mit seinem Obersthofmeister auf und blieb gleich mehrere Stunden. Und zwischendurch musste Bienerth für einige Tage nach Wien reisen, um an den Feierlichkeiten zum 80. Geburtstag des Kaisers teilzunehmen …

Selbstverständich verfolgte auch die Lokalpresse aufmerksam das Urlaubsprogramm des k. k. Regierungschefs. So berichteten die Innsbrucker Nachrichten am 26. Juli 1910:

In der kleinen aber exquisiten Kunshausstellung der Tiroler Maler im Rathause von Igls erschien am Sonntag Se. Exzellenz der Herr Ministerpräsident von Bienerth mit Familie und besichtigte die dort ausgestellten Bilder, Holzschnitzereien, Sculpturen etc. Die hohen Herrschaften äußerten sich Herrn Reichert, dem Arrangeur der Ausstellung gegenüber ungemein lobend über die geschmackvolle Zusammenstellung der Bilderserien, ließn sich über verschiedene Bilder erschöpfende Auskunft geben und äußer­ten den Wunsch, einige interessante Objekte der Ausstellung anzukaufen. Nach mehr als ein stündigem Aufenthalte verließen die hohen Herrschaften die Ansstellung. – Gestern abends brachte das Innsbrucker städtische Orchester an­läßlich des heutigen Namenstages der Gemahlin des Ministerpräsidenten dieser vor dem „Fichtenhofe“ ein Ständchen. Die Kapelle trug sechs Musikstücke vor, wofür sie allseits Anerkennung erntete.

Der Ministerpräsident sah sich die Ausstellung noch öfters an, kaufte auch das ein oder andere Bild, besuchte mit seiner Familie am letzten Juli-Wochenende das Igler Waldfest und unternahm einen Ausflug nach Sterzing. Auch einen zweitätigen Ausflug „im Automobil nach […] Bozen, Trient und zum Schlusse in die Dolomiten“ unternahm Bienerth. Am 4. September trat er dann die Heimreise an, während seine Frau Anka und ihre beiden Kinder Rolf und Marie noch einige Tage in Igls blieben. Selbstredend war auch die Abreise des Regierungschefs den Zeitungen eine Notiz wert:

Aus Igls wird uns berichtet: Se. Exzellenz der Ministerpräsident Baron Bienerth verließ gestern unseren Kurort und begab sich mit dem Abendzuge nach Wien. Vor­mittag empfing Se. Exzellenz der Gemeindevorsteher Weidacher und den Kurvorsteher Haußenbichler und nachmittag den Besitzer der Villa Fichtenhof, Gemeinderat Prandstätter, in längerer Abschiedsaudienz. Se. Exzellenz sprach sich ungemein befriedigend über seinen Auf­enthalt, der ihm und seiner Familie äußerst wohltuend und angenehm war, aus, und stellte sein Kommen für nächstes Jahr in sicherste Aussicht. Er behielt sich seine endgültige Ent­scheidung für Weihnachten vor. Seine Familie bleibt noch diese Woche in Igls.

Auch die beiden Kinder des Ministerpräsidenten und seiner Frau verbrachten die Sommerfrische 1910 in Igls. Bild aus: Sport und Salon v. 11. Juli 1908, 5.

(Titelbild: StAI, Bi-g-512, Panorama von Igls gegen Osten, Bleistiftzeichnung von Franz Burger)

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