Nachmittelalterliche Hexenverbrennung
Ich dachte bisher Hexenverbrennungen wären längst „out“, aber tata: Ich habe doch noch ein Foto von einer Hexe auf dem Scheiterhaufen gefunden. Zum Glück handelt es sich dabei nicht wirklich um eine Frau sondern um eine Puppe aus Stoff. Sie sitzt auf einem überraschend hohen Scheiterhaufen, der vermutlich nur mit Hilfsmitteln aufgeschichtet werden konnte. Zweck dieser Übung war laut unserer Datenbank ein Sonnwendfeuer im Jahr 1932. Die Aufnahme stammt vom 14. Februar, dem Tag, der später als Valentinstag gefeiert wird. Ein klein wenig ironisch. Doch bei diesen Angaben kann etwas nicht stimmen. Wenn es ein Sonnwendfeuer wäre, müsste es auf die Sommer- oder Wintersonnenwende datiert sein. Die finden aber im Juni und Dezember statt und nicht im Februar.
Auch wenn mir der Brauch der Sonnwendfeuer geläufig ist, habe ich bisher nicht erlebt, dass auch eine „Hexe“ darin verbrannt wird. Handelt es sich dabei um eine Sonnwendtradition (nach einer flüchtigen Google-Suche scheint dies durchaus in manchen Regionen üblich zu sein) oder stammt unser Foto doch von einem Feuer, das rund um den Fasching gemacht wurde? Vorschläge zum Standort unserer Fotografie sind übrigens auch herzlich willkommen.
(Stadtarchiv/ Stadtmuseum Innsbruck, Ph-26601)
Ist das Innsbruck? Sicher nicht. Ein Fasnachtsfeuer genannter allemannischer Brauch, also Baden, Schweiz und Vorarlberg. Das Sunnwändfüürr bezieht sich auf die im Februar schon deutlich stärker scheinende Sonne, die den Vorfrühling einleitet. Eine physisch und psychisch weitaus deutlicher auf die Menschen wirkende Erscheinung als das mehr oder minder mathematische Feststellen der Wende zwischen zu-und abnehmender Taglänge, die man bis in den August hinein nicht so deutlich wahrnimmt.
In der Hexe oder manchmal auch eine geschlechtslose Puppe war manchmal Schießpulver verborgen, Beim mit der Fasnacht nicht so direkt verwandten Sechseläuten (Saxilütte) in Zürich kommt der Dauer, bis es den „Bög“ zerreißt, sogar stadtprophetische Bedeutung zu.
Zum „Gottseidank nur eine Puppe“ sei bemerkt, dass man da nach wie vor eine Frau darstellt.
Richtig, Herr Hirsch – eindeutig alemannischer Brauch. Und auch jener emporgehobener Herr, welchem die Ehre zuteil wurde, den Hut schwenken zu dürfen, ist eindeutig ein Alemanne. Ein Vorarlberger, tät i amol säga. Künnt abr oo – ja, schließlich ist auch das Außerfern von Alemannen besiedelt worden, und da gebe es, oder habe es gegeben, auch in Musau und in Pinswang diesen guten alten altväterischen Brauch (zumindest lt. Haider „Tiroler Brauch im Jahreslauf“).
Welch ein unterschwelliger Haß hinter dieser Lustbarkeit steckt – oder von welchen gesellschaftlichen Zwängen mann sich wenigstens an einem Tag im Jahr befreien möchte, das können, fürchte ich, nicht einmal PsychologInnen uns schlüssig erklären…
Hat hier jemand „Straßenbahnschienen“ gesagt? ( ◉_◉ )
Nein, das schwirrte nur seit gestern irgendwo im Innenleben des Tablets herum und kam dann lustigerweise (ist ja ein Fasnachtsbeitrag im August) irgendwo im alemannischen Kulturkreis wieder ans Tageslicht. Hohere Gewalt also – aber ich fürchte, in dieser Hexenverbrennungsmetropole existiert (e) noch gar keine Straßenbahn.
(Und hoffentlich kommt jetzt nicht wieder etwas doppelt daher – beim Fasnachtsbeitrag im August)
Nachtrag:
Sehe ich recht? Steht am Boden herunten – unterm Hutschwenker – ein Moatle mit langen dunklen Zöpfen? Gehört das zum Brauch – oder ist das eine optische Täuschung?
In Vorarlberg heißt der Brauch „Funken abbrennen“. Am Funkensonntag, das ist der erste Sonntag nach dem Aschermittwoch, wird der Tage vorher aufgeschichtete Funken angezündet. In manchen Gemeinden auch bereits am Samstag. Ich vermute mal, damit die Funkenzunft-Angehörigen nicht alleine vor ihrem Werk stehen und die Schaulustigen die Möglichkeit haben, mehrere Funken zu besuchen.
Tradition dabei haben die „Funkaküachle“, in Fett herausgebackene Germteig-Krapferl. Die sind, weil süß, besonders bei Kindern beliebt.
Die hochgestellte Kabelrolle wird zum Aufbau dieses Funkens nicht gereicht haben. Für’s Foto hat man die erforderliche Leiter wohl vorsorglich entfernt.
Kann eigentlich jemand den Schriftzug unter dem 3-er-Fenster lesen? Ich bin damit gescheitert. Martha? Maria? Matt? Mathoi? Und ganz links an der Wand dieses Hauses, halb vom Geäst des Funkens verdeckt, glaube ich die Olympischen Ringe zu erkennen – oder doch eine Weintraube – oder überhaupt eine optische Täuschung …