Innsbruck Ahoi!
Praktisch in letzter Minute kam auch unsere Stadt zu ihrem Lloyd-Dampfer. Der 1833 in Triest gegründete Österreichische Llyod war das größte und bekannteste Schifffahrtsunternehmen der Habsburgermonarchie. Seine Flotte war beachtlich, 1910 umfasste sie 63 Schiffe.
Seit der Jahrhundertwende waren einige Schiffe nach österreichischen Städten benannt worden. So standen etwa Salzburg (1903), Bregenz (1908), Brünn (1908), Meran (1909), Sarajewo (1910) und Gablonz (1912) Pate. Da durfte Innsbruck natürlich nicht fehlen. Dementsprechend hatte sich der Gemeinderat darum bemüht, dass ein neuer Llyod-Dampfer den Namen Innsbruck erhielt, zumal man sich eine hohen Werbeeffekt davon versprach. So heißt es in einem Schreiben der Städtischen Verkehrssektion vom 11. Mai 1914: „Der Dampfer ‚Innsbruck‘ des österreichischen Llyod wird den Namen unserer Vaterstadt über alle Meere in fremde Länder tragen und bekannt machen.“
Zwei Tage zuvor, am 9. Mai 1914, war die Innsbruck am Schiffswerft San Rocco in Triest vom Stapel gelaufen. Wie die Moderne illustrierte Zeitung für Reise und Sport berichtet, war sie „ein Schiff von 11.000 Tonnen Deplacement und 4600 Pferdekräften. Es ist der zweite von vier Dampfern gleicher Type, die für Rechnung des Oesterreichischen Lloyd gebaut werden und die bestimmt sind, den Fracht-, Post- und Passagierverkehr zwischen Triest—Shanghai, bezw. Triest—Bombay zu vermitteln. Die Wohnräume für die Passagiere 1. Klasse sind in der Mitte des Schiffes angeordnet und bieten insgesamt 133 Reisenden bequemste Unterkunft. Es sind, abgesehen von Familienkabinen zu drei Betten, nur ein- und zweibettige Kabinen ohne Oberbetten vorhanden. Sämtliche Betten sind bodenständig. Die Kabinen sind mit eleganten Porzellan-Waschtischen mit direktemWasser-Zu und -Abfluss ausgestattet, was eine Neuheit in unserer Handelsmarine bedeutet. Ferner sind Spezialkabinen mit dazugehörigen Bade- und Toiletteräumen vorhanden.“

Auch wenn – mitbedingt durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges – noch zwei Jahre vergehen sollte, bis der Dampfer wirklich in See stechen konnte, befasste sich die Städtischen Verkehrssektion bereits Ende April 1914 mit der Frage, wie sich die Stadt beim Österreichischen Llyod für diese Ehre bedanken könne. Es sei üblich, diesen Dank „durch die Widmung eines Bilderschmuckes für den betreffenden Dampfer“ auszudrücken, „wodurch ja wiederum der betreffenden Stadt Nutzen und Reklame erwächst.“ Daher wurde an den Gemeinderat der Antrag gestellt, für den Dampfer fünf Gemälde zu beauftragen. Als Motive regte die Verkehrssektion an:
- Innsbruck gegen Norden mit Massiv der Nordkette.
- Innsbruck gegen Süden mit Waldrast[spitze] im Hintergrund
- Igls mit Habicht
- Stubai mit einem Gletscherbild
- Partie aus Alt-Innsbruck mit goldenem Dachl und Stadtturm.
Der Gemeinderat gab dem Antrag statt und stellte, wie von der Verkehrssektion beantragt, bis zu 4.000 Kronen für diesen Zweck zur Verfügung. Gleichzeitig machten es die Stadtväter zur Bedingung, dass mit der Ausführung ausschließlich Tiroler Künstler beauftragt werden sollten. So erhielt etwa Hans Kramer (1884-1916) den Auftrag für das Bild „Innsbruck nach Norden“ und Professor Edgar Meyer (1853-1925) jenen für das Bild „Innsbruck mit Serles“. Im Jahr 1916 beglich die Stadt die letzten Honorarforderungen der Künstler. Nur zwei Jahre später war der Krieg jedoch verloren, die Monarchie zerbrochen, Österreich ein Binnenland und der Traum von Tourismuswerbung auf hoher See ausgeträumt.
StAI, Coml 1916 Akt Österr. Llyod Dampfer. Titelfoto: Moderne illustrierte Zeitung für Reise und Sport, Nr. 32 (1914), 32.
Mit ihren eng zusammenstehenden kreisrunden Augen und der langen „Nase“ des Schiffsbugs schaut „unsere“ INNSBRUCK aber schon ein bißchen verdattert drein – finden Sie nicht?
Liebe Frau Stepanek,
so furchbar lang ist die Nase gar nicht, da täuscht die Perspektive – schließlich befindet sich der Betrachter einige Meter unter Wasser. In Wirklichkeit dürfte der Vorsteven, dem Geist und der Technik der Zeit entsprechend, fast senkrecht gewesen sein. Die gestalterischen Möglichkeiten mit vernieteten Stahlplatten waren damals noch recht eingeschränkt. Bis man sowas in diesem Maßstab zuverlässig schweißen konnte, hat’s noch 20-30 Jahre gedauert.
Die Äuglein sind natürlich keine, sondern nennen sich ganz hochoffiziell Ankerklüsen. Dass sie so furchtbar glubsch aussehen, liegt daran, dass sie, um von den Ankerketten nicht schauerlich ausgefranst zu werden, massiv verstärkt waren.
Der an Steuerbord über die Bordwand hängende Stock- oder (ganz fürnehm) Admiralitätsanker dient nur dazu, das Schinaggl beim Stapellauf aufzustoppen, damit es sich nicht ins andere Ende des Hafenbeckens bohrt. Das hätte das Publikum auf den billigen Plätzen natürlich schrecklich gefreut, in der Hoffnung auf solche Sensationen waren Stapelläufe beliebte Ereignisse: Wenn man ein paar zigtausend Tonnen ins Rutschen brachte, ging gern einmal etwas schauerlich schief.