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Im Frühtau Zu Wilten

Im Frühtau zu Wilten

Fast wirkt es, als hätte der Fotograf kurz vor dem Auslösen mit seinem Rucksack versehentlich am Stativ gedreht und statt des beliebten Motivs „Innsbruck vom Viller Berg Richtung Norden“ diesen morgendlichen April-Blick ins Nichts abgelichtet, auf dem außer den gestreiften Fluren der Wiltener Felder und einer abgeschnittenen Ansicht des Klosters nicht viel zu sehen ist.

Vielleicht hat sich der Bildautor allerdings auch gedacht, jetzt mache ich noch schnell ein Foto, bevor die mir Wilten völlig zubauen. Damals alles noch Dorfgemeinde, mit den feurigen Entwicklungsbefürwortern Rudolf Tschamler und August Neuhauser an der Spitze ihrer Verwaltung.
Aber ein paar Sachen sieht das geschulte Auge doch in dieser Aufnahme, die eine zeitliche Zuordnung erlauben. Die Staatsbahn ins Oberland ist errichtet. Südlich derselben steht buchstäblich kein einziges Haus und das Rätsel wieso dort heute die Feldstraße verläuft, kann als gelöst betrachtet werden. Die wichtigste Staubstraßenverbindung im Bild ist jene vom Kloster zum neuen Westfriedhof. Hier dürften gerade die beiden südlichen Grabfelder angelegt worden sein, die 1890 fertig gestellt wurden und bis heute den jüdischen und den protestantischen Teil vom katholischen Gottesacker trennen.

Spannend wird es bei der Andreas-Hofer-Straße, die gerade im Werden ist. Von den drei südlichsten Gebäuden steht heute keines mehr, das spätere Hotel Veldidena und die beiden Eisenbahnerblöcke sind noch Pioniere auf weiter Flur. Nördlich der Fischergasse, in der man das Gasthaus Templ gut erkennt (links davor ein rätselhaftes Wirtschaftsgebäude, das eventuell zur Glasfabrik gehören könnte), ist der Baufortschritt schon weiter gediehen. Den Abschluss des Panoramas bildet ganz rechts die Landes-Gebärklinik (heute unser Landesarchiv). Die etwas südlich davor stehenden hellen Blöcke sind auch längst nicht mehr Teil der städtischen Häuserwelt.

(Stadtarchiv Innsbruck, Ph-7902)

Dieser Beitrag hat 8 Kommentare
  1. Im Bereich Innrain/Völserstraße steht erst ein einzelnes Wohnhaus, der Perspektive nach eines der erst kürzlich abgebildeten Altbauten im Anschluß an die Rechengasse, damals also schon in Wilten. Weit draußen die Hutergründe mit dem schon berätselten hohen Schlot.

    Der Wiltener Friedhof ist noch nicht einmal zur Hälfte belegt, die Erweiterung aber schon vorgesehen.

    Vielleicht auch eine Zeitmarke: Der alte hölzerne Flurwächterturm links vom linken Turm der Basilika, ist auch zu sehen. er erscheint mir da noch wesentlich höher zu sein als auf dem Foto um 1902 http://innsbruck-erinnert.at/der-turm-des-waechters/.

    Vielleicht 1899?

  2. Der Westfriedhof wurde 1889 erweitert und im Dezember des gleichen Jahres eingeweiht. Wenn die von Herrn Auer erwähnten Pläne von 1890 stimmen (ich könnte mir vorstellen, daß man unmittelbar bevorstehende Bebauungen vorausgreifend gleich eingezeichnet hat?), dann haben wir eine aufs Jahr genaue Datierung.

    Das Wirtschaftsgebäude wstlich vom Templwirt hat m.M. nichts mit der Glasfabrik zu tun, die Grundstücke sind zu weit auseinander, als daß das Gebäude praktisch gelegen wäre. Aber die Existenz eines großen landwirtschaftlichen Gebäudes am Rande großer landwirtschaftlicher Flächen halte ich jetzt wieder nicht für rätselhaft. Es ist aber relativ neu gewesen, auf Fotos um 1870 ist es noch nicht zu sehen.

  3. Im letzten Absatz steht:
    „Die etwas südlich davor stehenden hellen Blöcke sind auch längst nicht mehr Teil der städtischen Häuserwelt.“
    Das scheint nur teilweise richtig zu sein. Das Haus Franz-Fischer-Straße 7 Ecke Tschamlerstraße besteht als letzter Altbestand dieser Blöcke bis heute.

  4. Zur Geschichte des mysteriösen Wirtschaftsgebäudes findet sich im Vorarlberger Volksblatt vom 27. März 1904 folgende Erklärung:

    „Abbruch eines großen Ökonomiegebäudes.) Im Jahre
    1874 führte Herr Anton Eller (Templwirt) in
    Wilten neben seinem Garten ein großartiges, allen
    Anforderungen der Landwirtschaft entsprechendes
    Futterhaus mit Pferde- und Kuhstall auf. Eller
    war seinerzeit der größte Bauer von Wilten,
    welcher stets 20-30 Kühe- und 10-12. Pferde
    im Stalle hatte. Dieser schöne Stall wird gegen-
    wärtig abgebrochen, um an dessen Stelle zwei
    große Zinshäuser aufzuführen. Es ist nun ein-
    mal mit der Landwirtschaft überall schlecht be-
    stellt. Die Klage über Dientboten und Steuern
    nimmt kein Ende mehr und jeder sucht seinen
    Boden besser zu verwerten, was in der Nähe
    aufstrebender Städte um so leichter fällt. Wo
    man noch vor zehn Jahren hier über blühende
    Wiesen und zwischen üppigem Getreide sich er-
    gehen konnte, stehen heute stattliche Häuserreihen
    mit schönen Läden und Auslagen. Leider ver-
    schwindet damit das Ländliche und mit ihm die
    gesunde Luft und für Kranke und Schwächliche
    die Gelegenheit, sich derselben teilhaftig zu machen.“

  5. Der Gebäudebestand entspricht ungefähr dem Plan von Freytag & Bernd von 1893. Mein Tip ist daher 1892/93. Der Tschamlerplan stammt übrigens ebenfalls von 1893, auch wenn dort der Häuserbestand zumindest statistisch auf 1890 datiert wurde. Zum Wirtschaftsgebäude neben dem Templwirt: auch ich glaube, dass es nichts mit der Glasfabrik zu tun hat, deren Gebäude standen alle westlich der Andreas-Hofer-Straße, am Foto oberhalb des hellen Gebäudes Ecke Fischerstraße / Andreas-Hofer-Straße, das ebenfalls zu derselben Zeit fertiggestellt wurde.

  6. Wenn man das Bild entsprechend vergrößert, sind u.a. die Häuser Andreas-Hofer-Straße 21 und 25 zu erkennen. Laut diesem Bericht über die Neubautätigkeit in Wilten wurden diese beiden Häuser 1891 erbaut, was auf eine Datierung nach 1891 hindeuten würde:
    https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ibn&datum=18911030&seite=7&zoom=33&query=%22neubau%2Bwilten%22~10&ref=anno-search

    1891 wurde in der Andreas-Hofer-Straße an 14 neuen Häusern gebaut.

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