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Der Turm Des Wächters

Der Turm des Wächters

In manchen Bildern kann man sich verlieren, wenn man ein faible für die Innsbrucker Stadtgeschichte hat. Zunächst erscheint diese Ansicht von Wilten nicht besonders spektakulär, aber die Perspektive erlaubt es, tiefer in das Werden des Stadtteils hineinzulugen als es bei den klassischen Totalen vom Bergisel möglich ist.

Es gibt, so wurde es dem Schreiber dieser Zeilen zugetragen, kleine Gruppen von Männern im besten Alter, die sich, so bald ein neues Foto der nur vermeintlich immer selben Häuserzeilen dieses Stadtteils finden läßt, konspirative emails schreiben und dabei natürlich versuchen, schneller als die anderen Teilnehmer alles zu benennen, was auf so einem Bild zu erkennen ist. Es beginnt stets mit der Datierung: Wann kann, nein, wann muss das sein?

Die Datierungsaufgabe wird mit Eingrenzungen gemeistert. Keine Stubaitalbahn – also vor 1904, eher vor 1903. Das strahlende neue Gebäude in der Bildmitte, was ist das und wann wurde das gebaut? Das k.u.k Lebensmitteldepot? Nie gehört. Was hat man als Vergleichsbild in der Sammlung und schnell zur Hand? Rasch werden Daten abgeglichen, Nachfragen bei befreundeten Archiven getätigt, Theorien schnell geäußert, einfach um sicher der erste zu sein, dem das eingefallen ist.

Der eigentliche Star dieses Bildes ist aber der Turm. Was kann ein gut sieben Meter hoher, schwarzer und kantiger Holzturm im Nirgendwo für eine Funktion gehabt haben? Oder wurde hier die Landung eines unbekannten Flugobjekts eingefangen?

Die Auflösung ergab sich aus den Vergleichsbildern. Hier, mitten in der unaufhaltsamen Moderne, neben der staatlichen Lebensmittelversorgung, die gerade ein Industriezonen.Depot in die Wiese gestellt hat, wacht noch immer der Wiltener Flurwächter. Die reichen Erträge der Felder des Stiftes waren den stets hungrigen InnsbruckerInnen der Jahrhundertwende natürlich bekannt. Zentral positioniert schien der Wachturm dagegen zu halten: Wir sehen alles.

Wenige Jahre später hatte der Turm ausgedient. Es gab keinen nennenswerten Felder mehr zu bewachen. Die bald hinter dem Depot errichtete Baufirma Hofer & Erhart dominierte noch bis in die 1930er das Bild der Stadt, wenn man von Süden den ersten Blick über die Ferrariwiese über Innsbruck erhaschte. Das bäuerliche Wilten war Teil der Großstadt geworden.

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