Von Venedig nach Augsburg
Bevor portugiesische Seefahrer den Weg nach Indien über das Kap der Guten Hoffnungen erkundeten, wurden die begehrten Waren des indischen Subkontinents und der indonesischen auf verschiedenen Wegen nach Ägypten und die Häfen der Levante transportiert. Von dort brachten venezianische Händler sie in ihre Heimatstadt, ehe sie dann in Europa verteilt wurden.
Ein bedeutender Weg führte dabei von der Markusrepublik über die Alpenpässe und damit auch über Innsbruck. In diesen Zeiten, bevor es so etwas wie freien Personen- und Warenverkehr gab, genossen verschiedene Händler unterschiedliche Privilegien, die sie von bestimmten Zöllen und anderen Handelsbeschränkungen befreien konnten. Bürger einer bedeutenden freien Reichsstadt wie Augsburg, genossen dabei mehr solcher Vorteile als andere. Zwei solcher Händler waren Jörg Aerb und Paul Müller, die 1461 aus Venedig zurückkehrten, sie hatten kurzlich etlich Kaufmanschaft zu Venedig […] erkauft. Der Begriff „Kaufmannschaft“ bezeichnete dabei im damaligen Sprachgebrauch je nach Kontext, wie hier, auch die Waren der Kaufleute. Die Kaufmänner wollten die Waren anhaim zurück nach Augsburg bringen, wurden aber in Innsbruck aufgehalten, da sie nicht zur Zufriedenheit der Innsbrucker Behörden nachweisen konnten, dass sie Augsburger Bürger waren. In der Urkundensammlung des Stadtarchivs findet sich das Schreiben der Ratgeber der Statt Augsburg an den ersamen und wysen Burgermaister und Rat der Statt Inspruck mit welchem der Augsburger Stadtrat die Identität ihrer beiden Bürger bestätigte.
(Signatur U-378)