Erinnerung an die Brennerbahn – Kuntersweg und Tunnel
Der Kuntersweg gehört zu den bedeutendsten historischen Verkehrswegen Tirols. Als der Haller Kaufmann Heinrich Kunter im Jahr 1314 den Auftrag erhielt, einen Weg durch die enge Eisackschlucht anzulegen, verkürzte er die Verbindung zwischen Bozen und dem Brenner erheblich. Statt des beschwerlichen Umwegs über den Ritten konnten Händler, Pilger und Reisende nun direkt dem Eisack folgen, ein Meilenstein für den Handel und die Entwicklung Bozens.
Der hier gezeigte Kupferstich mit dem Titel „Kuntersweg und Tunnel“ verbindet auf eindrucksvolle Weise zwei Epochen der Verkehrsgeschichte. Während links der historische Kuntersweg entlang des Eisacks verläuft, zeigt die rechte Bildhälfte bereits die moderne Brennerbahn mit einer Dampflokomotive, die aus einem Tunnel fährt. Die Darstellung macht deutlich, wie sich die Verkehrswege im Eisacktal im Laufe der Jahrhunderte wandelten: Aus dem mittelalterlichen Saumweg wurde im 19. Jahrhundert eine der wichtigsten Eisenbahnverbindungen Europas.
Besonders faszinierend finde ich, wie der Künstler die gewaltige Landschaft in Szene setzt. Die steilen Felswände scheinen den Verkehrsweg regelrecht einzuklemmen und lassen erahnen, welche technische Meisterleistung sowohl der Bau des Kunterswegs als auch später der Brennerbahn gewesen sein muss. Wo einst Saumtiere mühsam Waren über den Pass transportierten, rollten ab 1867 die Züge der Brennerbahn durch dieselbe Schlucht.
Der Kupferstich erinnert damit nicht nur an einen einzelnen Ort, sondern erzählt die Geschichte einer jahrhundertelangen Entwicklung. Der Kuntersweg legte den Grundstein für die Bedeutung der Brennerroute als wichtigste Nord-Süd-Verbindung über die Alpen, eine Rolle, die sie bis heute innehat.
(Stadtarchiv/Stadtmuseum Ph-A-24611-25)