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Datierungsverwirrung

Datierungsverwirrung

Auf dem Bild heute blicken wir direkt auf eine festliche Zeremonie: die Enthüllung einer Gedenktafel für den Geologen und Dichter Adolf Pichler an dessen ehemaligem Wohnhaus. Auf der Rückseite des Bildes ist vermerkt: „Kranewitter verliest seine Festrede bei der Enthüllung der Pichlergedenktafel (19.4.1919)“. Der oder die unbekannte Schreiber*in dieser Zeilen hatte überdies spekuliert „100. Geburtstag?“ – Pichler wurde am 1819 geboren. In der Logik von Gedenktagen war dies ein naheliegender Schluss und auch ich fand das im ersten Augenblick nachvollziehbar.

Erst als ich bei der weiterführenden Recherche nach Artikeln zu dem Ereignis rund um das angegebene Datum nicht fündig geworden bin, kamen mir erste Zweifel an der Datierung des Bildes bzw. des Ereignisses. Eine tiefergehende Nachforschung hat mich schließlich auf das richtige Datum gebracht: die Enthüllung fand tatsächlich erst ein Jahr später statt als angegeben, nämlich am 14. November 1920. Anlass war der 20. Todestag Pichlers – Pichler war am 15. November 1900 verstorben. So berichten es übereinstimmend mehrere Zeitungen, etwa hier und hier. Dort findet sich auch eine Beschreibung des Ereignisses, der anwesenden Honoratioren sowie auch der Inhalt der angesprochenen Festrede Franz Kranewitters und anderer Reden dieses Tages. Den Zeitumständen entsprechend fielen diese politisch aus, indem besonders der Patriotismus Pichlers und die geistige Einheit Tirols hervorgehoben wurden.

In einer der Beschreibungen des Ereignisses liest man, dass der erste Teil der Rede Kranewitters eher kalt und teilnahmslos aufgenommen worden ist, die Anwesenden hingegen dem zweiten Teil, in der es um Pichler als Tiroler Dichter ging, begeistert gelauscht hätten. Blickt man auf das Bild, dann scheint mir dieses wohl in der ersten Hälfte der Rede aufgenommen worden zu sein. Beeindruckt hat mich außerdem die Vielfalt der Hüte auf dem Bild, die letztlich auch auf den sozialen Stand der Träger*in hinweisen. Da sind die Honoratioren mit Zylinder, die Studenten mit ihren typischen Kappen, die wenigen Damen, die meist helle und ausladende Hüte tragen, die Exekutivorgane mit ihren Mützen, man sieht Bowler, Boater und Schiebermützen und noch viele mehr.

Die Gedenktafel ist übrigens auch heute noch an dem Haus angebracht, wissen Sie wo sich dieses befindet?

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Ph-1531)

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