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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Ein Kleines Alt-Neu-Jahrs-Rätsel

Ein kleines Alt-Neu-Jahrs-Rätsel

Ich dachte mir, für alle, die in de letzten Minuten des alten oder den ersten Minuten des neuen Jahres nichts besseres zu tun haben, kann es nichts besseres geben als ein kleines Rätsel. Die W-Fragen sind nicht das Rätsel; falls Sie die auch gerne selbst beantworten wollen, schnell, die Augen zu, denn die handle ich als erstes rucki-zucki ab.

Es handelt sich hierbei, dem Tage entsprechend, wieder einmal um eine Neujahrsentschuldigungskarte und zwar aus dem Jahr 1849, wie man der Fahne rechts unten entnehmen kann. Das vom Tiroler Adler oben und Innsbrucker Stadtwappen unten begleitete, gerahmte Herzstück der Karte bildet eine wohlbekannte weihnachtliche Szene: Der Engel erscheint den Hirten am Feld. Sollte die Umschrift im Strahlenkranz auf Nummer Sicher gehen, dass auch die weniger bibelfesten Betrachter:innen das Bild richtig lesen konnten?

Mit dieser Frage nähere ich mich dem eigentlichen Rätsel an. „Bibelfest“ und „richtig lesen“ sind da wichtige Stichworte. Wobei „bibelfest“ nicht ganz korrekt ist, „versiert in christlicher Symbolik“ trifft es besser. Lange Rede, kurzer Sinn, es geht um die beiden Personen links und rechts des Bilderrahmens. In unserer Datenbank steht dazu: „Links: Hl. Barbara (?) Rechts: Philomena Patronin der Kinder und der werdenden Mütter“.

Ich bin da sicher kein Experte, aber: Barbara? Da scheint mir das Fragezeichen doch sehr berechtigt, denn ich kenne Barbara eigentlich nur mit Turm oder Schwert. (Nach kurzem googeln hätte ich einen Alternativvorschlag, will aber das Rätsel nicht gleich wieder zunichte machen). Und als nicht-Experte gestehe ich, dass ich vor der Beschäftigung mit dieser Neujahrsentschuldigungskarte weder wusste, für wen Philomena Schutzheilige ist, noch, was ihre Attribute sind. Insofern, noch vor jeglichem googeln, sowieso nichts als ein einziges Fragezeichen für mich.

Lange Rede kurzer Sinn, sprich Rätselfrage: Haben Sie eine Idee, wer die Heiligen links und rechts sind und warum gerade sie für diese Neujahrsentschuldigungskarte gewählt wurden?

(Stadtarchiv Innsbruck, Bi-K-1-1849)

Dieser Beitrag hat 6 Kommentare
  1. Nur eine halbe Antwort:Verlag St Peter, Salzburg
    Links Johannes – Apostel, Evangelist. Attribute „Kelch“ und „Schrift“.(„Who’s who in der Heiligenschar“, 1998 by Verlag St Peter , 5010 Salzburg)
    Aber die heilige Dame? Außer ihrem Gewand und den langen Haaren (mmit Haarreif, also „gebändigt“) hat sie so gar keine Attribute. Was steht bei „Haar“? Maria Magdalena. Ergäbe insoferne Sinn, als ja sowohl Maria von Magdala als auch Johannes … unterm Kreuz standen… aber warum hier als Paar – hat denn keiner Theologie belegt????

    1. Ein vielleicht nicht unwichtiger Hinweis: Die Heilige ist barfuß – also eine Büßerin. Sie trägt langes offenes Haar, welches aber jetzt „gebändigt“ erscheint (durch einen Haarreif)
      (Meine Nonna sagte stets: „Santa Maria Maddalena – coi cavei zo per la schena“ . Das ist alter Trentiner Dialekt. Heut reden sie eher „nach der Schreibe“. Also „Heilige Maria Magdalena – mit die Haar übern Buggl oi“ wäre die Übersetzung in die „hiesige“ Mundart.)
      Also, auch unter diesem Aspekt würde „Maria Magdalena“ passen. Denn verheiratet ist die Dame nicht. Sonst wäre ihr langes Haar „ordentlich“ frisiert.
      (Bei Kaiserinnen, speziell wenn sie Elisabeth hießen, galten selbstredend andere Sitten und Gebräuche)

  2. Ich glaube, dass die Angaben in der Datenbank stimmen. Die hl. Barbara wird zwar sehr oft mit Turm und Schwert dargestellt, aber auch Hostienkelch, Märtyrerpalme, Kanonenrohr, Krone oder Fackel gehören zu ihren Attributen.

    Für die hl. Philomena gelten Anker, Geißel, Pfeil(e), Lilie oder Märtyrerpalme als Beigaben. Die vier Letzteren fehlen hier allerdings, dafür gibt es einen nicht übersehbaren Anker, der von ihrem Ellenbogen bis zum Boden reicht.

    Der Anker dient zwar noch anderen Heiligen (Klemens von Rom, Johannes von Nepomuk, Nikolaus, …) als Attribut, einen männlichen Heiligen kann man hier jedoch ausschließen. Im Zusammenhang mit der Zuschreibung der Heiligen als Patronin von Kindern und werdenden Müttern und dem zentralen Bild dieser Entschuldigungskarte, der Verkündigung von Christi Geburt an die Hirten, denke ich, dass es sich bei der rechten Darstellung um die hl. Philomena handelt.

    1. Dass diese Neujahrsentschuldigungskarte für das Jahr 1849 entworfen wurde ist vermutlich kein Zufall. Die Philomena-Verehrung begann ca. 1840 und erreichte in der 2. Hälfte des 19. Jhds. ihren Höhepunkt. Damit hätte ich (für mich!) einen weiteren Grund gefunden, der für die Philomena-Darstellung ausschlaggebend gewesen sein könnte.

      Aber Herr Bürgschwentner wollte ja auch eine Erklärung für die Anwesenheit der hl. Barbara. Dazu habe ich nicht einmal eine Vermutung. Eine ganze Weile gesucht, doch weder einen Zusammenhang mit Philomena noch mit der Hirten-Szene bzw. mit Christi Geburt gefunden.
      Der erwähnte Alternativvorschlag würde mich allerdings schon interessieren 😉

    2. Liebe Frau Stolz! Herzlichen Dank für Ihre Ausführungen. „Nicht übersehbar“ liegt im Auge des Betrachters. Ich gestehe, bis Sie das geschrieben haben, habe ich den Anker tatsächlich nicht gesehen. Für mich sag es aus wie eine Art Krückstock, die Zacken hatte ich als Teil des Gewandes wahrgenommen. Aber ja, klar, wenn man den unübersehbaren Anker sieht, ist auch klar, wie man auf die Heilige Philomena kommt. 🙂

  3. Ja, die war mir nicht geläufig und samt Attributen nicht erwähnt. Zumindest in den kleinen Broschüren. Erst bei Otto Wimmer/Hartmann Melzer „Lexikon der Namen und Heiligen“ habe ich sie gefunden.

    Kein Wunder, schrieb man doch die 1802 in den Katakomben aufgefundenen Gebeine eines jungen Mädchens „Filumena“ einer Märtyrerin zu… und zwar aufgrund angeblicher Privatoffenbarungen einer Nonne in Neapel (und wissenschaftlich unhaltbarer Erklärungen) sei die phantastische Passio der Heiligen bloß erfunden worden.
    Der Kult wurde 1838 genehmigt.
    Ernste Zweifel am Martyrium wurden bereits 1880 laut.
    1961 hat die Ritenkongregation das Fest (11.August) wieder aufgehoben.

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