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Die Klinikkreuzung

Die Klinikkreuzung

Mein Kollege Tobias Rettenbacher und ich hatten offenbar dieselbe Idee mit unseren Beiträgen für diese Tage. Gestern erst hat er dasselbe Gebiet in einem Beitrag gezeigt. Heute gehen wir stattdessen in die Luft und sehen uns die Klinikkreuzung aus der Luft an. Zu entdecken gibt es indes auch hier jede Menge. Schon damals (unsere Datenbank spuckt das Jahr 1966 zu diesem Bild aus) gab es an dieser Kreuzung regen Verkehr, der sich allerdings noch ohne Ampel zu regeln schien. Das Klinikareal ist noch deutlich grüner und anders bebaut. Auch ist hier die Tankstelle tatsächlich zu erkennen, von der es bzw. eben nicht schon einen Beitrag gegeben hat.

(KR-NE-4331)

Dieser Beitrag hat 9 Kommentare
    1. Nunmehr funktioniert der Link, leider gab es offenbar eine Planänderung bei der Reihenfolge der Veröffentlichung unserer Beiträge.

  1. Geduldig auf den verlinkten, aber nicht vorhandenen Beitrag wartend, delektiere ich mich erst ein mal am vorhandenen Luftbild. wie oft bin ich über diese Kreuzung gefahren, gegangen…

    Am Klinikareal war damals zum Großteil noch die alte Pavillonform vorherrschend, an der Anichstraße die Frauenklinik und rechts quer angebaut die Augenklinik. dahinter die letzten Tage der Chirurgie Gebäude. DasHaus der Klinikverwaltung wird anscheinend grade fertig.

    Von der Tankstelle sieht man nur die Zapfsäulen.

    Schön die „Wildnis“ rund um die UB, die Universitätsbibliothek.

    Ganz rechts, gegenüber der UB, das Sanatorium, der sogenannte „Zahlstock“. Kennt noch kemand den Begriff? Links davon die ebenerdigen Ansätze zur späteren Hypobank.

    Große Baulücken noch bei der Einfahrt zur Walli Garage, und gegenüber, wo später ein Lehrlingsheim hin kam.

    1. Zahlstock: Ich erinnere mich an die Diskussionen im Stadtarchiv, als Frau Prof. Christiane Weber vom Institut für Architektur zu ihren Aufsatz „Die Bauten der Medizinischen Universität, …“, 2019 im Rahmen der 350-Jahr-Feier der Uni Innsbruck zum Thema Zahlstock dort fachliche Informationen einholen wollte, nachdem das Gebäude an der Innstraße immer mit diesem Begriff identifiziert wurde. Tatsächlich wusste im Stadtarchiv niemend mit dem Begriff „Zahlstock“ etwas anzufangen. In ihrem ursprünglichen Text hieß es noch „Ein Jahr später wurde die städtische Pflegeanstalt, das Siechenhaus oder der sogenannte ‚Zahlstock‘ fertig gestellt. Als für die Pflegeabteilung 1909 eine eigene städtische Einrichtung am Innrain gebaut wurde, blieb der Name ‚Zahlstock'“. Im dann tatsächlich erschienen Sammelband „Die Topographie des Wissens“ blieb der Satz: „Ein Jahr später wurde die städtische Pflegeanstalt, auch Siechenhaus genannt fertig gestellt.“ Der Begriff „Zahlstock“ wurde einfach weggelassen. Tatsächlich war das wohl der Gebäudetrakt, in dem die privatversicherten Patienten untergebracht wurden.

  2. Die Institution des Zahlstocks geht ursprünglich auf ein Dekret von Kaiserin Maria Theresia aus dem Jahr 1745 zurück. Das Neue Wiener Journal vom 8. September 1904 berichtet über die Geschichte des Zahlstocks:

    „Eine Frau, eine Mutter auf dem österreichischen Kaiser-
    thron hat eine bedeutsame Reform im Findelhauswesen vollzogen,
    eine Reform, die jenen verschämten, geheimnißvollen Müttern zu-
    gute kommen sollte, die bisher das Findelhaus gemieden, ihre Kinder
    aber vor den Thoren desselben geopfert hatten. Maria
    Theresia gab im Jahre 1745 ein Hofkanzleidecret hinaus
    für jene unglücklichen Mütter, es wurde der »Zahlstock« im
    Wiener Findelhaus geschaffen. Daß derselbe auch Abenteurerinnen
    zugute kommen konnte, das focht die Kaiserin nicht an: »Auch
    sie sind Mütter.« Daß das Findelhaus erst jetzt,
    durch ihre Reform, auch den »höheren« Gesellschafts-
    schichten dienstbar wurde, das war wohl die Absicht ihrer Rath-
    geber. Aber sagen durfte man es ihr nicht. Der Gedanke, der
    in ihrem Hofdecret lebte, war: Das unchristliche Kinderweglegen sollte
    aufhören, das Kindermorden hintangehalten
    werden. Jede Frau mußte auf dem Zahlstock gegen Entgelt
    aufgenommen werden. Sie konnte wo immer herkommen.
    Niemand durfte sie uach ihrem Namen fragen oder nach dem-
    selben forschen. Sie konnte tiefverschleiert am Tage oder im
    Dunkel der Nacht kommen, und selbst wenn sie erkannt würde,
    dürfe niemand ihren Namen in das Gebärbuch eintragen. Den
    Namen ihres Kindes hatte sie allein zu bestimmen. Die strengste
    Wahrung des Geheimnisses war diesen Frauen durch die kaiserliche
    Entschließung Maria Theresias verbürgt. Alle Folgen ihres
    Falles wurden hinweggetilgt. Das Kind aber wurde versorgt
    und in einem Waisenhause erzogen, wenn die Mutter in der
    Lage war, dreihundert Gulden für diesen Zweck zu erlegen.
    Das war vom Standpunkt der damaligen Gesittung eine
    soziale That. Und der Zahlstock tat seine Schuldigkeit. Die
    an den Thoren des Hauses ausgesetzten Kinder wurden eine
    immer seltenere Erscheinung, und in ganz Wien nahm die un-
    christliche Sitte ab, reichen Leuten Kinder vor die Thür zu
    legen. Und so groß ist die Macht ienes Hofdecretes, daß auch
    heute noch auf dem Zahlstock des Findelhauses geborene Kinder
    um den Betrag von dreihundert Gulden »versorgt« werden
    können. Und auch das gesetzlich gewährleistete Geheimniß, das
    iiber dem Zahlstock liegt, ist heute noch so unantastbar wie
    Anno 1745.
    Was die Kaiserin Maria Theresia in Wien gethan, das
    ahmten alle Kronländer nach. Ueberall, wo es eine Findelanstalt
    gab, gründete die Landesregierung unter dem Schutze jenes Hof-
    decretes auch einen Zahlstock. Die tiefverschleierten Damen haben
    ihre Zufluchtsstätten überall erhalten und sie haben sie redlich
    benützt. Mehr als man weiß, mehr als man ahnt. Und es fehlt
    darüber jegliches Document. Ungezählte Liebesromane haben in
    diesen Zahlstöcken geendet, über tausendfältige Menschenschicksale
    wurde in denselben für immer der Schleier des Geheimnisses ge-
    breitet, denn selbst den dort geborenen Kindern ist es verwehrt
    und unmöglich gemacht, nach ihren Eltern zu forschen. Sie sind
    entrechtet. Ihre Eltern haben sich unter der Autorität des Staates
    losgekauft von ihren elementarsten Menschenpflichten, und es
    bleibt ihrem freien Ermessen überlassen, dieselben etwa später ein-
    mal wieder zu erfüllen.“

  3. Im 20. Jahrhundert war der Zahlstock eines Krankenhauses die Abteilung für die Privatpatienten. Wie man in den Zeitungsarchiven nachlesen kann waren hier z.B. hohe Geistliche wie Bischof Sigismund Waitz in Behandlung.

    1921 wurden die Gebühren im Zahlstock des Krankenhauses erhöht:
    „Die täglichen Verpflegsgebühren im städtischen Sanatorium
    (Zahlstock) wurden für Inländer auf 500, 550 und 600
    Kronen, je nach Lage der Zimmer, angesetzt, und zwar
    für Neuaufnahmen ab 1. September, für schon dort Be­-
    findliche ab 15. September. Von Ausländern werden
    verlangt: 25 Lire, 60 Mark, 60 tschech. Kronen, 250 un-
    garische Kronen oder 50 Dinar.“

  4. Zahlstock. Was so eine leichthin geschriebene Randbemerkung auslöst.

    Immerhin weiß ich jetzt dank anderer Kommentare, dass es sich um eine altehrwürdige kaiserösterreichische Einrichtung und Bezeichnung handelt, ich hielt es für lokalen Innsbrucker Wortwitz.

    Speziell zum Gebäude fällt mir noch ein, daß es am Zahlstock einmal einen Unfall mit einer Baustelle gegeben hat. Ein Teil der Mauerkrone oder Fassade löste ich bei Umbauarbeiten und krachte auf die Straße. Ein Passant, der mit seiner unverletzt gebliebenen Enkelin unterwegs war, wurde (tödlich?) getroffen.

  5. Vielen Dank für die Hinweise zum Zahlstock – mir war zwar die Institution bekannt, nicht aber deren Umsetzung in Innsbruck.

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