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Der Blamierte „Nikolo“

Der blamierte „Nikolo“

24. Dezember, 25. Dezember, 6. Jänner, 7. Jänner. Die Tage, an denen Weihnachten gefeiert wird variieren und ließen sich noch weiter ergänzen. Ebenso variieren die gutmütigen Figuren, die den Kinder die Geschenke bescheren. Im angelsächsischen Raum ist es meist Santa Claus, der in der Nacht von gestern Besuche abstattete. Über die Zusammenhänge zwischen Nikolo, Weihnachtsmann und Santa könnte man wohl zahlreiche ethnologische Bücher schreiben. Wie der untenstehende Bericht von vor 125 Jahren zeigt, waren die Trennlinien schon damals nicht so scharf. Scharf war hingegen etwas, oder jemand anderes…

Folgendes nette Geschichtchen vom „Nikolo“ macht jetzt in den „Christmas Numbers“ aller englischen Zeit­schriften die Runde. Der gute alte „Nikolo“, der in den letzten vierzehn Tagen vor Weihnachten bald hier, bald dort in den mit Kindern geseg­neten Familien auftaucht, um die Wunschzettel der erwartungsvollen Kleinen in Empfang zu nehmen, erschien kürzlich auch in einem sehr vor­nehmen englischen Hause.

Das einzige Kind, ein fünfjähriger Knabe, kannte den guten „Sanct Klaus“ zwar schon seit zwei oder drei Jahren, doch war die Scheu vor dem weißbärtigen Alten immer noch sehr groß und nur stammelnd ver­mochte der kleine Blondkopf seine diversen Wünsche vorzubringen, die in einem Zweirad mit wirk­ licher Laterne und silberner Klingel gipfelten. Mit klopfendem Herzen und weitaufgerissenen Blauaugen starrte Freddy dabei den „Nikolo“ an und folgte verstohlen in einiger Entfernung, als der Alte wieder hinaushumpelte und sich von der hübschen Bonne die Thüren öffnen ließ.

Bald darauf erschien der Papa, der zu Freddy’s Aerger nie zu Hause war, wenn St. Klaus einmal kam, und das erregte Gesicht seines Söhnchens bemerkend, nickte er dem kleinen Manne schmunzelnd zu.

Als man sich dann mit einigen zum Besuch im Hause weilenden Freunden ge­müthlich um das hellflackernde Kammfeuer grup­piert hatte, musste Freddy, auf Papas Schoß sitzend, erzählen, was er sich denn vom „Nikolo“ ausgebeten hätte. Mit blitzenden Augen berichtete der Kleine und schloss mit den triumphierenden Worten: „Und wenn St. Klaus mir das Bicycle nicht bringt, dann erzähle ich allen Leuten, dass er meiner Miss Nellie unten an der Thür einen Kuss gegeben hat!“

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Slg. Günter Sommer, Bd. 46, Nr. 53)

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