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Ansichtssache

Ansichtssache

Nicht weniger als 249 druckgraphische Veduten von Innsbruck sind bislang bekannt, darunter auch der oben abgebildete Kupferstich von Johann Stridbeck jr. aus dem um 1700 in Augsburg gedruckten Werk Curioses Staats und Kriegs Theatrum: Dermalige Begebenheiten im Tyrol durch Unterschiedliche Geographische, Hydrographische, Topographische, Chronologische Genealogische, Historische etc. Carten, Abrisse und Tabellen Erläutert und zu Bequemen Gebrauch Ausgefertiget.

Auch wenn die Bergkulisse im Süden Innsbrucks recht frei wiedergegeben wurde und auch sonst die Topographie hie und da nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt, so besticht die Ansicht doch durch ihre Liebe zum Detail. Wenig verwunderlich also, dass sie öfters reproduziert und auch als Einzelblatt zum Verkauf gelangte. Dass Stridbeck dabei die bekannte, rund 50 Jahre zuvor von Matthäus Merian gestochene Innsbruck-Vedute, weitestgehend kopierte, tat dem Erfolg offenbar keinen Abbruch, zumal er die Ansicht insofern aktualisierte, als er die 1647/48 erbaute Landschaftliche Pfarrkirche Mariahilf berücksichtigte. Und dieses Detail macht Stridbecks Stadtansicht so besonders, handeltes sich dabei doch um die erste Darstellung der Mariahilf-Kirche in einer Druckgraphik.

Es ließe sich natürlich noch viel mehr über diese Stadtansicht schreiben, von den 248 anderen nicht zu reden, aber da gibt es berufernere Autoren als mich. Zum Beispiel Peter Adelsberger. Vor wenigen Tagen ist seine monumentale Publikation über die Innsbrucker Stadtansichten erschienen: Die Stadtvedute Innsbrucks in der Druckgraphik. Katalog der druckgraphischen Gesamtansichten von Innsbruck von 1470 bis 1980, Veröffentlichungen des Innsbrucker Stadtarchivs, Neue Folge 75, Innsbruck 2022.

Absolute Pflichtlektüre 🙂

Dieser Beitrag hat 8 Kommentare
  1. Auch wenn die Zeichnung der Berge keine Wanderkarte ersetzen kann, der prägnante, uns garnicht mehr auffallende Gupf des Patscher Kofls wurde als Landmarke so wichtig genommen, dass man ihn doch halbwegs deutlich dargestellt hat. Dafür hat man Patsch als Platz bezeichnet.
    Weitere Vermut- und Verwunderungen: Die Jesuitenkirche mit vollem Getürm späterer Jahrhunderte ist geradezu visionär. Links davon wird man den Zwiebelturm der Servitinnen erkennen können. Die Dreiheiligenkirche wurde sparsam auf den Sebastian reduziert oder eine andere Kirche ist gemeint. Der Turm wäre sowieso auf der falschen Seite. Mit 8 bezeichnet wurde die Plattnerei in der Vorstadt, man könnte sie für eine Kirche halten. Die Suche nach der Nummer 7, die als Liebfrauenkirche eigentlich in Wilten sein sollte, hab ich aufgegeben.

      1. An anderer Stelle liest man, dass die Kirche der Servitinen bzw. der Regelfrauen wohl als ‚Maria Opferung‘ bezeichnet wurde. Vielleicht war die Nummerierung im Bild tatsächlich falsch, oder von mir falsch entziffert.

        1. Die Ziffer 7 ist schon richtig gelesen, ich hab sie – zu faul, die Brille aufzusetzen – für eine aus dem Turm flatternde Fahne gehalten, was ja nichts sonderbares wäre und außerdem in Wilten gesucht.
          Wilten gehört, wie wir wissen, als damals eigenständiges Bauerndorf nicht zu Innsbruck, seine Erwähnung auf der (halb Merian)karte ist eher ein für die Wegweisung zum Brenner dienendes praktisches Detail.

    1. Nr. 7 ist sicher der Turm des Servitinnen Klosters. Links davon im Hintergrund die Dreiheiligenkirche als S. Sebastian (Sebastian ist der erste der drei Pestheiligen – neben Pirmin und Rochus), dann die alte Pradlerkirche (eingeweiht 1678 – abgerissen 1941) und schließlich die Amraser Kirche.
      Schaut also so aus, als ob die Pradlerkirche auch von Stridbeck ‚nachgetragen‘ wurde und es sich wahrscheinlich auch um deren erste Darstellung in einer Druckgraphik handelt (??).

      1. Dann fehlt dort nur mehr die Siebenkapellenkirche gleich neben dem auch nur angedeuteten Zeughaus. Ohne Turm fiel sie im Hintergrund wohl zuwenig auf um hier Berücksichtigung zu finden.

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