Ein Mord am Bergisel (I.)
Am 11. August 1910 wurde in der Sillschlucht die Leiche eines Mannes entdeckt. Rasch wurde festgestellt, dass es sich dabei um den bereits seit Ende Juli vermissten Simon Feuerstein handelte, ein 50-jähriger Kaufmann aus Odessa, auf der Durchreise in die Schweiz. Auch die Todesursache war bald ermittelt – eine Schusswunde. Während anfänglich spekuliert wurde, ob er vielleicht das Opfer einer verirrten Kugel vom nahen Schießstand war, stand bald fest, dass es sich um einen Mord handelte. Kurz nach dem Fund der Leiche tauchte ein Armeerevolver in einem Abort auf, der als die Tatwaffe identifiziert wurde. Obwohl sich in der Jacke des Ermordeten Aktienpapiere im Wert von 4.000 Franken (ca. 50.000 Euro) befanden, fehlten seine goldene Uhr mit Kette. Eine Innentasche war ebenfalls aufgeschnitten worden. Ein Raubmord, wenn auch kein sonderlich geschickter, wurde also vermutet.
Wenige Tage später wurde bereits ein Tatverdächtiger verhaftet, dem die Tatwaffe zugeordnet werden konnte. Es handelte sich um einen Zugführer des 4. Kaiserjäger-Regiments, der sich gerade auf Manöver befand.
Die Berichterstattung anno 1910 war deutlich weniger um Datenschutz besorgt als es heute üblich wäre. Kurz nach seiner Verhaftung wurde nicht nur der volle Name des Verdächtigen veröffentlicht, Johann Lan(n)thaler, sondern auch ein Portrait von ihm, welches, wie hilfreich erklärt wurde, nach einer neuen Photographie angefertigt wurde. Freilich mag einem an der Privatsphäre eines Raubmörders nicht viel gelegen sein, aber man bedenke, dass Lannthaler zu diesem Zeitpunkt nicht einmal angeklagt, geschweige denn verurteilt war.

(Signatur Ph-35224)