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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
An Santifallers Schwelle

An Santifallers Schwelle

stand 1947 ein ungewöhnliches Objekt. Nicht völlig überraschend für die Mayers, wusste man doch um den künstlerischen Beruf des Hausherrn Franz Santifaller. Doch fragten sich die Spaziergänger an der Adresse Mariahilfstraße 7, warum dieser Kopf hier stand. Wurde er entsorgt? Oder benötigte er einen neuen Nachkriegs-Sockel? Wer war die dargestellte Person? Ist das Kunst oder kann das weg?

Den Autor dieser Zeilen hat das Bild im Album Mayer getriggert und ich dachte mir: Diese Skulptur kenne ich doch. Bei der Suche nach „Santifaller“ fand ich noch keine Erlösung in unserer Archivdatenbank. Aber dieser Kopf… einmal gesehen, vergisst man ihn nicht mehr. Und was ist, wenn man ihn schon öfter gesehen hat? Ah, ja… Nachschau halten im intern „Kramuriraum“ genannten Depot für Spezialfälle im Außendepot Feldstraße. Nanu, da steht er ja in voller Pracht:

Warum diese Büste nicht im städtischen Archiv-Datenbanksystem zu finden ist, werde ich noch herausbekommen. Vielleicht wurde sie ja eines Tages an der Schwelle des Stadtarchivs gefunden, wie das gar nicht so selten geschieht, weil der oder die Schenker:in gerne die Verbindung mit dem Objekt nachhaltig auflösen möchte.

Da nach Franz Santifaller erst post 1945 eine kurze Straße in der Höttinger Au benannt wurde, war ich mir relativ sicher dass es hier nicht um Politik ging, auch wenn mich der, sagen wir „kraftvolle“ Stil des Künstlers bei der Abbildung des Chorleiters Monsignore Karl Koch schon irritierte. Aber auch die antifaschistische Kunstszene konnte sich in den 1920er und 1930er-Jahren der Sehsucht nach dem Bild des Idealmenschen nicht ganz entziehen.

Der guten Ordnung halber noch schnell in die im Entstehen begriffene Tiroler NS-Mitgliederdatenbank geschaut kamen dann gleich zwei Karten zum Vorschein:

Diese Karten, die Generationen von Zeithistoriker:innen jahrzehntelang beim Bundesarchiv Berlin erbitten mussten, was im günstigsten Fall mit vier E-mails und zwei Benutzerantragsbögen in bestenfalls drei Monaten erhört wurde, sind nun im Amerika online gestellt worden. Die National Archives würden einem viel Arbeit ersparen, der Index ist aber unbedienbar und die OCR unterirdisch (obiger Stempel Tirol wird praktisch in 50 Prozent der Fälle als Cirol gelesen) und doch kann man alles herunterladen und sich selbst ein Bild machen. Dazu im Herbst einmal mehr.

Folgerichtig befinden sich für das Ehepaar Santifaller auch zwei Entnazifizierungsbögen im Stadtarchiv. Franz legt alles offen, war als bekannter Sozialdemokrat schlecht gelitten und hat währen der NS Zeit so gut wie nichts verkauft. Der Widerstands-Molling schreibt ihm mehrere Persilscheine, außerdem hat Santifaller eine Urkunde dass er mit der Waffe in der Hand bei der Befreiung des Landhauses im Mai 1945 mitgewirkt habe. Mollings Sohn Klaudius lernte dann ein paar Jahre später bei Santifaller die künstlerische Steinbearbeitung.

Über den Abgebildeten hab ich auch noch nicht viel herausgefunden. Muss man ihn kennen? Ein musikalischer Monsignore der offenbar schon 1932 dem Bildhauer vor den Meißel gelaufen ist, wie der dauereklektische K.E. Hirt in seiner Alpen-Biennale Berichterstattung (Secession beim Unterberger) ausführt:

Warum die Skulptur nicht in unserem Archivverzeichnis steht, werde ich noch eruieren. Warum sie an diesem Tag im Jahr 1947 an der Schwelle seines Hauses (heute vom Mariahilfpark ersetzt) gestanden ist eher nicht mehr zu klären.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Niko, Du hast den Tag gerettet! Dieser Zeitungsausschnitt mit dem attischen Attributhagel und den tollsten schmerzhaft geneigten Prunksätzen! Heiter in den Tag.

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