Einblicke in die Restaurationswerkstatt
Heute möchte ich Ihnen einen Einblick in die Restauration geben, die bei manchen Archivalien vorgenommen werden muss. Vorweg: Ich bin keine ausgebildete Restauratorin. Momentan mache ich im Stadtarchiv eine Lehre als Archiv-, Bibliotheks- und Informationsassistenz. Da wir keine eigene Restaurationswerkstatt haben und einige von unseren Akten ein wenig Aufmerksamkeit erfordern, darf ich aktuell einen Teil meiner Arbeitszeit im Tiroler Landesarchiv verbringen und bekomme dort wertvolle Einblicke in das Restaurationshandwerk.
Es gibt verschiedene Gründe, warum Papier oder auch Pergament seinen Weg in die Werkstätte findet. Und je nachdem ist auch der Arbeitsaufwand unterschiedlich hoch. Zum Einen kann es leicht vorkommen, dass Papier Risse bekommt. Dies ist vor allem bei Karten und Plänen oft der Fall. Um zu verhindern, dass sie bei der Nutzung noch weiter einreißen, werden sie mit säurefreiem und archivtauglichem Klebeband geklebt. Auf keinen Fall darf für solche Arbeiten Tixo verwendet werden, da dieser Weichmacher beinhaltet, die das Papier beschädigen. Außerdem sollen heutzutage alle restauratorischen Maßnahmen reversibel sein, für den Fall, dass in Zukunft noch geeignetere Möglichkeiten entwickelt werden, die Materialien zu erhalten. Deshalb lassen sich manche dieser Klebebänder zum Beispiel mit Hitze wieder rückstandslos entfernen.
Wenn Stellen im Papier fehlen, können diese ausgebessert werden, indem man sie mit neuen Papierfasern vervollständigt. Diesen Prozess nennt man auch „anfasern“. Dafür wird das Papier nass gemacht und auf ein engmaschiges Netz auf ein spezielles Gerät gelegt. Die Ränder werden abgedeckt, in die Fehlstellen wird eine Art Zellulosebrei (Zellulose in Wasser) gegossen und die Maschine saugt die Fasern von unten an, sodass sie nur in dem Bereich liegen bleiben, in dem kein Papier vorhanden war. Anschließend werden die Seiten luftgetrocknet. Normalerweise werden dafür hellere Fasern verwendet, als das Originalpapier, damit der Unterschied sichtbar bleibt.
Es kann auch vorkommen, das Buchbindungen mit der Zeit beschädigt wurden und repariert oder sogar neu gemacht werden müssen. Oder aber sie werden bewusst aufgelöst, damit das Papier, das in der Bindung war, restauriert werden kann. Anschließend bekommt es einen neuen Einband.
Meine Aufgabe in der Werkstatt ist aktuell die Schimmelentfernung. Bei einem Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg wurde das Rathaus getroffen, in dem damals auch das Stadtarchiv untergebracht war. Der darauffolgende Brand richtete große Zerstörung bei den Beständen an. Laut meinen Kolleg*innen zog der damalige Stadtarchivdirektor Franz-Heinz Hye noch Jahre nach dem Ereignis Akten aus dem Schutt. Die Akten die ich momentan bearbeite, tragen davon Brandränder und sogen sich anschließen mit Löschwasser voll. Deshalb entwickelte sich dort Schimmel.
Sobald Schimmel einmal im Papier entstanden ist, lässt sich dieser nicht entfernen, sondern nur desinfizieren. Die Spuren, die er dort hinterlassen hat (watteartige Papierstruktur, Flecken und Fehlstellen) lassen sich nicht mehr rückgängig machen. Stattdessen kann man aber sämtliche Sporen entfernen, damit er sich nicht weiter ausbreiten kann. Dies geschieht durch das Abbürsten der einzelnen Seiten auf einer Sicherheitswerkbank. Letztere dient dazu, die Sporen abzusaugen und zu verhindern, dass sie in die Atemwege gelangen. Anschließend werden die Seiten einzeln auf Netze gelegt, und eine halbe Stunde lang mit 70 prozentigem Alkohol getränkt. So wird der Schimmel abgetötet. Zum Schluss werden die Seiten in Wasser „geschwemmt“. Dabei kann Dreck, der sich über die Jahre angesammelt hat, rausgewaschen werden und das Papier wird wieder etwas heller als vor der Reinigung.
Es mag überraschend klingen, dass es möglich ist, Papier in Wasser und Alkohol einzulegen, ohne es zu beschädigen oder die Tinte zu verwischen. Dazu muss erwähnt werden, dass das nicht mit jeder Art von Papier möglich ist. Das heutige Druckerpapier wäre dafür nicht geeignet. Mit Büttenpapier ist das aber kein Problem und um sicherzustellen, dass die Tinte nicht verwischt, wird dies vorher an einer kleinen Stelle mit einem nassen Wattestäbchen getestet.