Brandeinsatz mit Hindernissen
Lichterloh brannte in der Nacht vom 1. auf den 2. Februar 1971 die Rumer Alm. Wie die Tiroler Tageszeitung berichtete, „bot sich im Wald über dem Rechenhof ein schaurig-schönes Schauspiel: Kirchturmhoch schossen Feuergarben in den von Schneewolken bedeckten Himmel, der von der Glut des Brandes puprurn und orange strahlte. Es hatte bereits am Nachmittag geregnet, am Abend hatte Schneefall eingesetzt, so daß die von einem stürmischen Wind Hunderte Meter weit in den Wald getragenen Funkengarben zischend verloschen und so keinen Schaden anrichten konnten.“
Nur die günstige Witterung verhinderte einen Waldbrand, denn die Anfahrt war für die Einsatzkräfte lange und schwierig, zumal die „Zufahrt zum Brandobjekt […] durch fast zwei Dutzend Autos von Neugierigen behindert [wurde], die rücksichtslos den schmalen Weg blockierten. Die Neugierigen waren zum Teil mit ihren Wagen auf dem vereisten Weg steckengeblieben; ein Tankwagen der Berufsfeuerwehr wäre beim Ausweichen um ein Haar über den Wegrand geraten und abgestürzt. Er mußte schon über dem Abgrund hängend, das Wasser ablassen und per Funk um einen Kranwagen der Feuerwehr rufen, der ihm wieder auf die Fahrbahn half“, so die TT.

Auch für die Besatzung des Tanklöschfahrzeugs der Freiwilligen Feuerwehr Mühlau gestaltete sich die Anfahrt zur Einsatzstelle recht abenteuerlich, denn „beim bereits sehr in die Jahre gekommenen Opel-Blitz-Tanker mit 2.500 l. Löschwasser sprang auf der holprigen Strecke ständig der Gang heraus. Auf dem steilen Weg kam es daher öfters zum Stilstand des Fahrzeugs und mehrfach musste neu anbgefahren werden, was, der Steigung und dem Baujahr des Fahrzeugs geschuldet, auch nicht einfach gewesen sein dürfte. […] Nachdem das Vehikel endlich wieder Fahrt aufgenommen hatte, musste der Beifahrer den Ganghebel mit hohem Krafdtaufwand festhalten, damit der Gang nicht mehr herausspringen konnte, und dies, während der Fahrer konzentriert mit beiden Händen am Lenkrad das Fahrzeug die rutschige Strecke bis zur Rumer Alm steuerte“, heißt es dazu in der Festschrift 150 Jahre Feuerwehr Mühlau (Innsbruck 2024). 40 schweißtreibende Minuten nach der Alarmierung erreichten das Leichte Löschfahrzeug (LLF, Ford Transit) und das TLF der Mühlauer Feuerwehr schließlich den Brandplatz. Noch schlechter erging es dem Opel-Blitz-Tanker der Feuerwehr Hötting. Er erlitt auf der Anfahrt einen Achsbruch und musste anschließend ausgeschieden werden …

Im Einsatzbericht der Berufsfeuerwehr Innsbruck werden diese erschwerten Bedingungen übrigens mit keinem Wort erwähnt (einzig die Nachalalarmierung des kleinen Kranwagens gegen 2 Uhr morgens deutet auf die Hilfeleistung für das oben erwähnte TLF 4000 der Berufsfeuerwehr hin). Die anderen Einsatzfahrzeuge machten die Missgeschicke aber mehr als wett. So benötigte das Kommandofahrzeug 2 (Land Rover) von der Hauptfeuerwache bis zur Einsatzstelle lediglich 23 Minuten, das TLFH-3 2000/200 und das TLF-7 4000 bewältigten die anspruchsvolle Strecke immerhin in rund 40 Minuten. Dennoch war die Alm nicht mehr zu retten. Die ebenfalls alarmierte FF Rum und die Berufsfeuerwehr konnten nur mehr die Trümmer löschen.

Wie die TT berichtete, konnte die „Ursache des Brandes […] nicht gefunden werden. Von Gewicht ist die Aussage von Brandrat Moser der Berufsfeuerwehr Innsbruck, der mit dem Kommandowagen als erster an der Brandstelle eintraf. Die geschulten Männer der Feuerwehr untersuchten sofort den frisch gefallenen Schnee um die Almhütte: Er war makellos und wies keine Fußspuren auf, so daß sich der von verschiedenen Seiten geäßerte Verdacht der Brandstiftung als haltlos erweisen dürfte. Nicht ausgeschlossen werden kann dagegen ein Glimmbrand, der infolge Überheizung entstanden sein könnte, wobei es ohne weiteres möglich wäre, daß er erst sechs bis sieben Stunden nach Entstehung in voller Stärke ausbricht.“
Vielen Dank an die FF Rum für die Unterstützung bei den Recherchen!
(StAI, Archiv der Feuerwehr Innsbruck, Fotosammlung der BFI bzw. BFI-NE-172-09 & -17)