Glockenweihe in Pradl, Teil 1
Im November 1923 erhielt die Pradler Pfarrkirche fünf neue Kirchenglocken, die in der Glockengießerei Hahn und Adler in Reutte gegossen wurden. Die Feierlichkeiten – von der Abholung der Glocken vom Westbahnhof, bis zur Weihe der Glocken vor der Pradler Kirche – fanden zwischen dem 10. und dem 12. November 1923 statt. Die Glockenweihe am Pfarrplatz führte der Abt von Stift Wilten, Heinrich Schuler, durch.

Die Innsbrucker Nachrichten berichteten am 13. November ausführlich über das Ereignis, das wohl ganz Pradl drei Tage lang auf Trab gehalten hat: „Gleich vielen anderen Tiroler Gemeinden hat nun auch Pradl sein dem Krieg geopfertes Kirchengeläute durch den Guß neuer Glocken wieder ergänzt. Nach altem Tiroler Brauch war die Einholung, der Empfang und die Weihe der neuen Glocken ein Fest für die ganze Bevölkerung. Ganz Pradl zeigte sich schon am Samstag im Festschmuck: die meisten Häuser trugen Girlanden aus Tannengrün, Fähnchen und Inschriften, die Pradlerbrücke beim „Goldenen Schiff“ war besonders reich mit Flaggengirlanden und Taxenketten geziert und auch der Kirchplatz, insbesondere die Kirche und sogar der hohe Kirchturm prangten in buntem Festkleid. Die ganze Bevölkerung hat durch Spenden oder Materialbeihilfe zu dieser reichen Dekorierung beigetragen, besonders anerkennenswerte Verdienste darum haben sich Tischlermeister Müller, Schlossermeister Boit und Gärtner Mieke (vom Hörtlnagelhof) erworben. Am Samstag, den 10. d. M., nachmittags, wurden die fünf neuen Glocken vom Westbahnhof abgeholt, auf vier reichgeschmückten Wagen zum Stift Wilten gebracht und von dort durch die Leopoldstraße, Hauptbahnhof, Margarethenplatz, Maria Theresienstraße, Universitätsstraße, Dreiheilgen zur Pradlerbrücke geführt, wo die Glocken offiziell vom Glockenkomitee empfangen wurden. Den Zug begleitete die Peter-Mayr-Musik mit ihren Klängen, an der Brücke übernahm der Obmann des Glockenkomitees Degasperi den Glockentransport, dem acht weißgekleidete Mädchen in sinnigen Gedichten namens der Bevölkerung den Willkommengruß boten. Die Glocken wurden dann durch jene Pradlerstraßen geführt, in denen die Wohnungen der Glockenpatinnen, der Damen Rhomberg, Epp, Wörle, Vonstadl und Plattner gelegen sind und fanden dann auf dem Kirchplatz ihre vorläufige Aufstellung.“
Der zweite Teil des Beitrags wird am 25. Juli 1926 veröffentlicht.
(Stadtarchiv Innsbruck, KR-PL-K-4, KR-PL-K-6)
Nur so ganz schnell für Pradler: Der Tischlermeister Müller war in der Pradlerstraße 11, er war seinerzeit hauptsächlich zuständig für Särge. Beim Schlossermeister Boit handelt es sich um einen Abschreibfehler (kann auch den Damen des Stadtarchivs passieren) – er hieß Foit – und die Familie Mieke war zu meiner Pradler Zeit unsere Haus- und Friedhofsgärtnerei, er lernte sein Handwerk also am Hörtnaglhof! Interessant – gell, Frau Stepanek.