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8 Monate Anno 1902 (49)

8 Monate anno 1902 (49)

Die Rückkehr zu Maries Tagebuch von 1902 erfolgt gleich zu etwas Bekannten, was es erleichtert, den Faden nach so langer Zeit wieder aufzunehmen: In Judenstein waren wir schon einmal, im Juni 1902 bzw. Jänner 2022 (Beitrag 28). „Wenn ich einmal mehr Zeit habe,“ schrieb Marie damals über die dortige Kirche, „werde ich sie eingehender besichtigen.“ Nun, im September, war diese Zeit gekommen, wenngleich nur für „einen kleinen Sprung„. Lange genug jedoch, um auf bauliche Veränderungen der Kirche einzugehen. Das heutige Titelbild dürfte die Kirche so zeigen, wie Marie sie 1902 vor sich sah; untenstehend ein früheres Vergleichsbild, das sowohl Kirche als auch Gasthaus noch vor dem Umbau zeigt (wer findet die Unterschiede? ;):

Die heutigen Tagebucheinträge veranschaulicht auch die Bedeutung Beistriche korrekt zu setzen und zu lesen. Eine Sonnenkapelle findet man in unserer Datenbank vergeblich. Kein Wunder, schließlich fuhr Herr Wollek auch nicht „zur Sonnenkapelle nach Innsbruck“ sondern wurde lediglich zu selbiger begleitet, wie Marie ganz richtig schrieb. Wem es Spaß macht, wird aus den Zeitungen herauslesen können, dass sich dort durchaus die eine oder andere berichtenswerte Episode zugetragen hat. Ich wünsche einen schönen Sonntag!

18. Sept. Donnerstag. Heute früh kam Herr Hauck, da jedoch eine Partie nach Rinn projektiert war, fuhr er wieder retour. Wir brachen so gegen 1/2 9 auf, giengen nach Judenstein, machten einen kleinen Sprung in die Kirche, wo um das hl. Märtyrerkind in einem neuen Schrein sich befindet. Außen an der Kirche ist ein neues Portal hinzugebaut, sehr schön u. erhabend. Bald waren wir in Rinn, wo wir bei der „Archen“ vortrefflich neunerten, dann dem Fahrweg entlang heimkehrten. Dort erwarteten uns l. Frau Mutter, Martha, Jörgl; Madeleine war so wie so da, also gab es eine nette Familientafel. Nachmittags nähte ich an der neuen blauen Blouse; Onkel Nicolaus u. Herr Wollek giengen dem Inn entlang von Volders herauf; Martha und ich spielten abends Poggia in Blumenstein, dann hatten wir den köstlichen Einfall, mit der Holzkugel Ball zu werfen. Nach dem Nachtessen verabschiedeten sich unsere Gäste.

19. Sept. [1902] Freitag. Vormittags Jagdtag mit Herrn Hauck und Wollek; nachmittags Mandolinestunde bei Herrn Fabiani. Nachmittags giengen die Herren nach Volders, gestern war l. O. N. fischen.

20. Sept. 1902, Samstag. Vormittags waren wir den Herren die Hunde auslassen am „Saurucken“. Nach dem Mittagstisch trank Herr Wollek noch bei uns Kaffee, dann fuhr er, begleitet von uns 3 bis zur Sonnenkapelle, nach Innsbruck. Madeleine war die letzten Tage herüber.

21. Sept; [1902] Sonntag. Schönes Wetter, ich war beim Gottesdienst in Hall. Nacher traf ich Martha, welche uns ein wenig begleitete. Gestern (war) sind meine Geschwister u. Mama von der Villa fortgezogen; am Freitag vormittags erwiderten wir ihren Besuch, den sie uns am Abend tagsvorher gemacht. Nachmittags las ich im Buch der „Hl. Elisabeth“.

Text: Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Cod-2072-1 (Transkription: Katharina Schilling)

Bild: Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, KR-PL-1053 und Ph-16363 (beide undatiert).

Hier geht es: Zum nächsten Eintrag (falls schon vorhanden), zum vorhergehenden Eintrag und zurück an den Beginn des Tagebuchs.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Die Sonnenkapelle befindet sich ca. 100m östlich nach der Autobahnauffahrt auf der L9 Richtung Osten und dann ca. 50m südlich davon am Hang. Bis zum Autobahnbau in den 60ern führte an dieser Kapelle die Straße nach Tulfes vorbei. Kurz danach zweigte der Weg nach Taschenlehen, Villa Andelklaus und die Siedlung Haller Innbrücke ab.

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