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Zur Erinnerung An Michael Mayr

Zur Erinnerung an Michael Mayr

Morgen vor 100 Jahren jährt sich der Todestag des Historikers und Politikers Michael Mayr (1864-1922). Er war der erste Bundeskanzler der Republik Österreich nach Inkrafttreten des Bundesverfassung-Gesetzes im November 1920. Seine Amtszeit in dieser Funktion war allerdings nur kurz und endete bereits im darauffolgenden Sommer. Knapp ein Jahr später verstarb er am 21. Mai 1922 in Waldneukirchen in Oberösterreich. Sein Grabmal befindet sich in Innsbruck (siehe dazu den Beitrag von Joachim Bürgschwentner).

Die Verbindung von Michael Mayr zu Innsbruck reicht schon in die Zeit um die Jahrhundertwende zurück. Denn nach seinem Studium der Geschichte in Wien wechselte er 1892 als Konzipient ins Statthaltereiarchiv in Innsbruck (heute Tiroler Landesarchiv). Im Jahr 1897 wurde er, als Nachfolger von David Schönherr, sogar zum Direktor des Statthaltereiarchivs bestellt. Als solcher baute er das Archiv durch Akteneinziehung zu einem der größten Archive der Monarchie aus und versuchte die Quellen aus dem Archiv durch neue Publikationsreihen einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Innsbrucker Nachrichten, 17. März 1897.

Durch seine Förderer, die Professoren Josef Hirn und Ludwig Pastor, trat er auch in Verbindung zur Universität Innsbruck. Nach dem Abgang Hirns nach Wien 1899 bewarb er sich für dessen Nachfolge. Allerdings lehnte die Fakultät seine Berufung auf eine Professur ab, da seine überwiegend liberalen Kollegen ihm eine Vermischung von konservativ-katholischen weltanschaulichen Positionen und seiner wissenschaftlichen Tätigkeit vorwarfen. Es war dies die Zeit der großen Auseinandersetzungen dieser Art, in der die Rolle der Religion für die Wissenschaft heftig diskutiert wurde. Wenig später gipfelten diese Debatten in dem Skandal um Ludwig Wahrmund an der Universität Innsbruck – das ist aber eine andere Geschichte und wäre wohl einen eigenen Beitrag wert.

Michael Mayr trat auch regelmäßig als öffentlicher Redner auf, hier im Rahmen der Vorträge des deutschen Sprachvereins. Innsbrucker Nachrichten, 25. Februar 1896.

Mayr wurde schließlich nur zum außerordentlichen Professor ernannt. In der historischen Forschung wird diese Zurücksetzung durchaus auch als eine Ursache genannt, warum sich Mayr in der Folge stärker politisch engagierte. Als weiterer Grund wird Mayrs Unzufriedenheit mit der Archivsituation in der Monarchie genannt. So kandidierte er bei den Reichsratswahlen 1907 als Kandidat der Konservativen und errang prompt ein Mandat, wechselte aber unmittelbar nach der Wahl zum christlichsozialen Parlamentsklub. Die Altkonservativen verhinderten mit einem Boykottaufruf daher auch seine Wiederwahl 1911. Im Jahr 1908 zog Mayr auch in den Tiroler Landtag ein, bekannt ist dort vor allem sein Einsatz für den Neubau der Universität und sein Engagement für eine finanzielle und soziale Besserstellung der Lehrer und Beamten.

Die große politische Stunde Mayrs kam jedoch erst nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Zusammenbruch der Monarchie. Sowohl auf der Ebene des Landes Tirol, wo er sich besonders für die Sonderrechte der Länder gegenüber Wien einsetzte, als auch auch Bundesebene war er vielfältig politisch aktiv. Im März 1919 wurde er in die konstituierende Nationalversammlung entsandt. In der Folge trat er vor allem im Rahmen der Verfassungsdiskussion auf. Als seine besondere Leistung wird hier stets seine ausgleichende Haltung zwischen Länder- und Bundesinteressen genannt, sodass das Bundesverfassungs-Gesetz nach zahlreichen Verhandlungen unter der Führung von Mayr im Oktober 1920 verabschiedet werden konnte. Michael Mayr wurde anschließend zum ersten Bundeskanzler ernannt.

Als Bundeskanzler war ihm indes weniger Glück beschieden. Wegen der drückenden wirtschaftlichen Lage verhandelte Mayr mit den Siegermächten um Kredite und Wirtschaftshilfen. Diese machten die Gewährung solcher Kredite aber davon abhängig, dass die Anschlussbestrebungen Östereichs an das Deutsche Reich aufgegeben wurden. In mehreren Ländern waren zu dieser Zeit nämlich Volksabstimmungen über einen Anschluss an das Deutsche Reich angesetzt. Als Mayr im Frühjahr 1921 sein weiteres politisches Schicksal mit der Absage der Volksabstimmung in der Steiermark verband, der Landtag in Graz aber an der angesetzten Volksabstimmung festhielt, trat Mayr am 1. Juni 1921 zurück. Eine angestrebte Rückkehr in die Politik wurde durch seinen plötzlichen Tod am 21. Mai 1922 verhindert.

(Titelbild: Auschnitt aus Das Interessante Blatt, 25. November 1921, Michael Mayr als neuer Bundeskanzler)

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