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Vorher-Nachher

Vorher-Nachher

Die Geschichte des sogenannten Ettl-Hauses in der Pfarrgasse reicht bis in das 15. Jahrhundert zurück. Die Innsbrucker Nachrichteten bezeichneten es bereits 1867 als „vielleicht eines der ältesten und interessantesten“ Häuser der Landeshauptstadt. Wie es in dem namentlich nicht gezeichneten Beitrag unter Berufung auf Johann Jakob Staffler (1783-1868) heißt, „stand auf diesem Platze das St. Jakobs-Kirchlein in der Au anno 1200, das als erste Pfarrkirche verwendet wurde, und wovon noch die Abbildung in färbigem Holz eingelegt, in der Kapelle zu sehen ist. Später wurde auf derselben Stelle das gegenwärtige Haus erbaut, und die Kapelle in den I. Stock übertragen. Die Kapelle (Patron St. Jakob) existirt jetzt noch in vollkommen guten Zustand, ist im altdeutschen Stiel erbaut, mit schönen Oel-Freskogemälden geschmückt, mit den 12 Aposteln und Kreuzweg, mit einem hübschen altdeutschen Flügel-Altar und Schnitzwerken geziert. Die Wände, circa 5 Schuh hoch, sowie die Kirchenstühle sind mit schönen färbigen Holzmosaiken überzogen mit der Jahrzahl 1575. Laut Einweihungsurkunde wurde die Kapelle 1582 vom Weihbischof Johann Naß (Nasus) eingeweiht, mehrere Reliquien im Altar eingelegt und Ablässe darauf verliehen, und ist eine vollkommen eingeweihte Kirche, um deren Bewilligung, zum Messe lesen nicht nachgesucht werden darf. Der ganze Bau, die festen Gewölbe mit stark vorspringenden Rippen beurkunden ein ziemlich hohes Alter dieses Hauses.“

Im Laufe der Zeit zählten u.a. das Stift Brixen, Herzog Siegmund von Tirol und ab 1637 die Freiherrn von Zech zu den Besitzern dieses Hauses. Im Frühjahr 1817 erwarb schließlich der aus Oberösterreich stammende Handelsmann Mathias Ettel (gest. 1861) diese Liegenschaft. Seine Söhne Leopold und Ludwig (gest. 1879) betrieben im Haus eine Wachshandlung. Nach Leopolds Tod im Jahr 1889 ging das Haus in den Besitz des Pfarrkirchenfonds von St. Jakob über.

In den Jahren 1976/77 wurde das Ettl-Haus unter der Leitung des Architekten Ekkehard Hörmann umfassend saniert. Bundesdenkmalamt, Stadtbauamt und Altstadtreferat waren in die Arbeiten eingebunden und trugen ihren Teil dazu bei, dass bei der Revitalisierung die historische Bausubstanz erhalten bzw. wiederhergestellt wurde. Dieses beispielhafte Projekt wurde 1984 beim „Europa-Nostra“-Wettbewerb für den Schutz des architektonischen und landschaftlichen Erbes in Europa mit einem Diplom ausgezeichnet.

Oben: Blick in den Eingangsflur vor der Restaurierung. Unten: Der Flur nach der Restaurierung mit den „freigelegte[n] Türen mit Türrahmung aus Nagelflur.“
Die Renovierung erfolgte mit viel Liebe zum Detail, wie auch diese Vorher-Nachher-Aufnahmen eines Renaissance-Türstocks zeigen.

(StAI, Bestand SOG)

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Das Projekt wurde zu Recht mit diesem Diplom ausgezeichnet – eine mehr als gelungene, behutsam durchgeführte Sanierung/Revitalisierung! Geschieht leider nicht immer mit so viel Know How und Fingerspitzengefühl. Danke für die Vergleichsbilder!

    Und mit dem im Ettl-Haus beheimateten Geschäft der „Tiroler Wachszieher und Lebzelter“ schließt sich der Kreis, der hier unlängst mit dem Beitrag über die Walde Seifenfabrik eröffnet wurde.

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