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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Skikurs 1942

Skikurs 1942

Ein Leser aus dem Hinteren Ötztal hat uns einen Zettel zugeschickt, die einem Innsbrucker bestätigt, am 28.1. 1942 den Betrag von 50 Reichspfennig für einen Skikurs nachgezahlt zu haben. Der Name des Kursteilnehmers war Paul Hartlieb, die Adresse etwas vernudelt aber gemeinsam als Pechestr. dekodierbar. Die Abkürzung Kd.K.E. ist mit den härtesten Mitteln der Zeitgeschichteforschung nicht mehr aufzudröseln. Kinderkurs E? Das wäre inhaltlich auch zu vertreten, da 50 Pfennig damals auch schon recht günstig war und wer hatte im Jänner 1942 Zeit für einen Skikurs? Die Adresse der Kursgeber ist Burggraben 3, dort wo davor die Polizei gewesen war und nun das im Krieg arg unterbeschäftigte Tourismusbüro residierte. Die Rückseite mit Bitte um Feedback liest sich wie ein modernes E-mail nach Abbestellung einer Tageszeitung.

(Innsbrucker Nachrichten, 23.1.1942)


Aus beruflich indizierter Neugier und weil wirs können wurde dann natürlich noch der Name des Schneepflug-Operateurs recherchiert. Das Adressbuch kennt einen Paul Hartlieb, der ab 1957 in der Pechestraße 5 zunächst als Student, später als Flugtechniker aufscheint. Diese Berufsbezeichnung ist im Adressbuch selten, zwei Herren hatten 1924 bis 1928 Flugtechniker als Reichenauer Job angegeben, später ist Paul Hartlieb der einzige weit und breit am Fürstenweg.
An der selben Adresse lebten über viele Jahre auch ein oder mehrere Michael Hartliebs, die im weitesten Sinne Angestellte von schienengestützten Transportunternehmen waren, mit Aufgabenspektren vom Conducteur bis zum Zentralinspektor.

In den Zeitungen nichts über Paul, wenig über die Michaels, ein schwerer Arbeitsunfall beim Verschieben des Großvaters, Vereinsaktivität des Vaters. Die Zauberquelle zur Familienaufstellung ist und bleibt aber natürlich die Heimatrolle. Diese Quelle, bald online in diesem Internet, zeigt auf eine Karte ein ganzes Organigramm der Vater-Mutter-Kind-Großvater-Abstammung Verhältnisse eines Haushaltes.


Ach ja die NSDAP Datenbank für Innsbruck und Umgebung, die kommt auch bald ins Netz.




Paul Michael Anton Hartlieb, geboren am 3.4.1935, ist laut Amtsblatt am 17.4.2004 in Innsbruck verstorben. Der Wetterbericht für den 27.1.1942 (Paul war noch keine 7 Jahre alt) lautete: Klares Wetter, etwas Föhn.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Eine interessante Frage zu dein Zeitumständen im Jänner 1942:

    Wer hatte am 28. Jänner 1942 in Innsbruck überhaupt noch Skier zur Verfügung?

    Gerade einmal zwei Wochen vor Pauls Fünfzig-Pfennig-Quittung – von Ende Dezember 1941 bis zum Anfang Jänner 1942 – lief nämlich in den Innsbrucker Nachrichten die große „Woll-, Pelz- und Skisammlung für die Ostfront“ auf Hochtouren.
    Weil das Oberkommando der Wehrmacht vor Moskau völlig überraschend festgestellt hatte, dass es in Russland im Winter kalt ist und schneit, mussten die Innsbrucker ihre Ski und Bergschuhe zigtausendfach abliefern. Wer sich Ende Jänner 1942 als Erwachsener noch mit Tourenski am Hafelekar, auf der Ferrariwiese oder in Igls blicken ließ, stand bereits mit einem Bein im Sabotageverdacht.

    Die gesammelten Ski wurden auf großen Wagen aufgeschlichtet und propagandistisch durch die Straßen gefahren, wie die Aufnahmen von Richard Müller belegen. Auf dem Höttinger Pferdewagen steht sogar ein Schild mit der Aufschrift „Wir bringen noch mehr!“ Die Zeitung spricht von einem einzigartigen Sammelerfolg mit über 7000 Skiern:
    https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ibn&datum=19420106&seite=3&zoom=33&query=%22skisammlung%22&ref=anno-search

    Kinderski waren von der Kriegsskisammlung ausgenommen, sodass immerhin Kinderskikurse noch abgehalten werden konnten.

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