Schneeflöckchen, Weißröckchen
Man kennt’s, oder? Wenn man an einem Wintertag das Vergnügen hat, länger ausschlafen zu können und sich nicht in der ärgsten Dunkelheit auf den Weg zur Arbeit oder sonstigen Verpflichtungen machen muss. Wenn man die Augen aufschlägt und das Licht von draußen besonders hell erscheint. Wenn dann der prüfende Blick aus dem Fenster die leise Ahnung bestätigt, dass Frau Holle ihre Federdecken über Nacht besonders fleißig geschüttelt hat.
Passend hierzu das Bild einer tiefverschneiten Straße. Die Kinder wird’s beim Aufstehen gefreut haben, die Autofahrer:innen weniger. Das Foto wurde im Winter 1971 aufgenommen. Sie können bestimmt erraten, wo.
(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-9500)
Elisa Wasserer
Immer noch Speckbacherstraße 🙂 Das Bild wurde vor kurzem schon gepostet: https://innsbruck-erinnert.at/schnee-ein-teures-vergnuegen/
Aber damals hats niemand kommentiert.
Dabei steckt das Foto voller Erinnerungen. Die Umgebung ist bis auf eine Erweiterung der Lagerhalle Egger-Lienz-Straße 1d nach Osten die gleiche. Gewandelt haben sich die Gewohnheiten der Autofahrer im Winter. Bis in die 60er hinein war es durchaus gebräuchlich, wenn auch nicht generell üblich, das Auto über den Winter stillzulegen. Geht eh nur kaputt. Das Kühlerwasser wurde mittels eines am Motorblock angebrachten leicht zugänglichen „Piepen“ abgelassen, wie man es auch zum Einfüllen des nur für eine Wintersaison verwendeten Frostschutzmittels getan hätte. Die Batterie (6 V) wurde ausgebaut und irgendwo in der Wohnung, wo es Muttern nicht störte, hie und da aufgeladen und destilliertes Wasser nachgefüllt. Mein Vater benutzte dazu ein vorsintflutlich aussehendes Gleichrichtergerät. Störfaktor war höchstens die Schneeräumung der ganzen Straße wenn es vermutlich mit dem Schneien vorbei war.
Die Stadtverwaltung ließ sich auch aus Kostengründen Zeit (dringend wurden nur die Schneehaufen längs der Hauptverkehrswege geräumt, wer trotzdem wegfahren wollte, mußte zur Schaufel greifen. Beim aus den Schneehaufen Herausschaukeln spielten sich Kleindramen ab, wenn die Kiste hängenblieb. Dazu der singende Jammerton der durchdrehenden Räder. Und ehe man einsteigen konnte, stellte man fest, dass das Schloss vereist war…Den freigeschaufelten Parkplatz bei der Rückkehr von einem anderen Auto besetzt vorzufinden gründete Feindschaften fürs Leben 😉 .
Wer ein dickes Fell hatte, ließ das Auto trotz dramatischer Appelle der städtischen Halteverbotstafeln einfach stehen. Wird schon einmal ausgeapert sein. Angepaßte bauten schnell die Batterie ein und fuhren ein ganz kurzes Stück ohne Kühlerwasser.
Auch auf dem Foto sieht man noch die Trennung in müssende und nicht-müssende und wollende und nicht-wollende Autofahrer.
Sicherlich zu den Müssenden zu zählen war der Fahrer des dreirädrigen Vehikels vorn an der Kreuzung. Tapfer, tapfer, war sicher nicht besonders schneetauglich, das Ding.
In Erinnerung sind mir auch die vergeblichen, im Grunde nur dummen auf das Blech dreckig gewordener Autos mit dem Finger geschriebene Appelle „Bitte putzen!“ oder gar ein Wohlerzogenheit signalisierendes „Sau“. Kinderstreiche.
Herrlich, Herr Hirsch! Danke! Bitte weiter so in diesem Jahr! Heute gilt es ja noch: Alles Gute für 2026!
Danke Herr Roilo. Umgekehrt freue ich mich wieder über Interessantes aus Pradl. Und auch meinerseits beste Wünsche fürs neue Jahr!
Da haben Sie natürlich recht, Herr Hirsch, ich war beim letzten Posting glaube ich so fasziniert von dem Artikel und der Summe für die Schneeräumung, dass ich das Gefühl hatte, ich könnte nichts sinnvolles beitragen…
Danke für Ihren schönen Kommentar, der mir den Winter in Innsbruck zu dieser Zeit sehr bildlich und haptisch werden hat lassen! Ich wusste nicht, dass man die Autos über den Winter bisweilen still gelegt hat. Ich kann zu dieser Zeit leider keine Erinnerungen beitragen, aber auf meinen Spaziergängen in letzter Zeit habe ich auch einige dieser „Beschriftungen“ auf verschneiten Scheiben gesehen, das scheint sich also nicht geändert zu haben.
Zu der Stelle in der Spackbacherstraße möchte ich noch hinzufügen bzw. fragen, ab wann es den Schulverkehrsgarten gab (heutzutage auf der rechten Seite im Bild), vielleicht kann mir das ja jemand von Ihnen sagen.
Der Zebrastreifen, der weiter vorne bei den Häusern Speckbacherstr. 42/57 (glaube ich) verläuft, gehört meiner Meinung nach zu den am schlechtesten gestalteten in Innsbruck – dadurch, dass die Autos so dicht parken dürfen, und oft auch Autos zwecks Einsammlung der zu liefernden Pizza vor der dortigen Pizzeria auf dem Gehsteig stehen, sieht man nur sehr spät, wenn jemand den Zebrastreifen queren will; und weil oft auch Kinder auf diversen Fahrzeugen von oder zum Spielplatz/Schulverkehrsgarten rasen, muss man da schon wirklich sehr vorsichtig und aufmerksam fahren.
Vor kurzem wurden, etwa auf der Höhe der zwei hinteren Autos im Bild, neue Glascontainer in den Boden eingebuddelt, ich bin sehr gespannt, wie diese sich bewähren. Immerhin wird dadurch vielleicht das übrige Öl, das aus zerbrochenen Glasbehältern und in weiterer Folge aus den Glascontainern ausfloss, nicht mehr am Asphalt sein (man darf ja noch träumen)