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Der Städtische Sandkanal

Der städtische Sandkanal

Auf einem „Situationsplan“ der Maschinen- und Spinn-Fabrik in Dreiheiligen ist mir kürzlich zum ersten Mal die Bezeichnung Sand-Canal aufgefallen. Sofern ich die Karte richtig lese, zweigte dieser von der Sill ab, führte unter dem Fabrikkanal durch in nord-westlicher Richtung, floß um das Gelände der Fabrik herum und mündete dann wieder in den Fabrikkanal. Der Name des Kanals war gleichzeitig Programm: er diente der Sandgewinnung. Dazu wurde die Fließgeschwindigkeit eines Teiles des Wassers der Sill durch die Ableitung in den Kanal reduziert, wo sich der im Wasser transportierte Sand nun absetzen konnte. Dort (teilweise findet sich die Bezeichnung „Sandkasten“) konnte man den Sand, der damals wie heute eine wichtige Ressource für die Bauwirtschaft war, dann entnehmen.

Wann genau dieser Kanal angelegt wurde, konnte ich jedoch nicht eruieren. Eine erste gesetzliche Regelung des Kanals lässt sich für 1865 festmachen, was in etwa auch mit der ersten Erwähnung in Zeitungen zusammenfällt. In Karten aus den 1840er Jahren ist der Kanal – ohne als Sandkanal bezeichnet zu sein – jedenfalls schon eingezeichnet.

Detailansicht aus dem Situationsplan

In der „Vorschrift über den Bezug von Sand aus dem städtischen Sandkanale und Entrichtung der hierfür festgesetzten Gebühren“ aus dem Jahr 1865 ist festgehalten, dass „jedermann“ berechtigt ist, zum eigenen Gebrauch oder auch zum Verkauf, Sand aus dem Kanal zu entnehmen („insoferne ein genügender Vorrat vorhanden ist und derselbe nicht für städtische Zwecke benötiget wird“). Die Gebühr für eine „doppelspännige Truhe bis 32 Kubikfuß“ (etwa ein Kubikmeter) betrug 20 Kreuzer. Die Einnahmen, die mit dem Sand aus dem Kanal erzielt wurden, schwankten allerdings erheblich und reichten, wie ein kursorischer Überblick über die jährlichen Budgets der Stadt im 19. Jahrhundert zeigt, von 40 bis etwa 1100 Gulden. Das hing wohl damit zusammen, dass die Stadt oftmals selbst große Mengen Sands benötigte. Mit dem Bau des Männerschwimmbades in diesem Bereich wurde die Sandgewinnung aufgegeben und bald darauf verschwand auch der Name aus der öffentlichen Erinnerung.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Bi-g-649)

Dieser Beitrag hat 43 Kommentare
  1. An den tiefen Graben entlang der Amraserstraße (also ‚unter‘ der Rhombergpassage) kann ich mich noch gut erinnern. Es gab auch schon Beiträge darüber.

    Die zweite, für mich als Kind immer etwas unheimliche Erinnerung war das große Loch am unteren Ende des Magazins in der König-Laurin-Allee, aus dem das Wasser herausschoss um von hier in den ruhiger fließenden Rhombergkanal überzugehen. Dass hier, unterm Damenschwimmbad (das Herrenschwimmbad war weiter droben noch in der Amraserstraße!) einstmals eine Sandgewinnungsstelle war, wusste ich nicht.
    Interessant auch die unterirdischen Abläufe von den drei Antriebsrädern, welche zu den oben erwähnten Mundloch führten. Gibt es eigentlich Detailpläne zu dieser wassertechnischen Anlage?

    1. Ich nehme an, dass Innsbruck schon immer aus diesem Bereich den für Bauzwecke benötigten Sand entnahm, schon bevor es die Spinnfabrik gab. Es war hier ja das linke Ufer der noch nicht begradigten Sill, die Sill machte hier eine Schlinge, das Flussbett war ziemlich breit, die Fließgeschwindigkeit durch den ‚Umweg‘ gering und ideal für Ablagerungen.
      Ich kann mir auch vorstellen, dass es hier in Niederwasserzeiten einen direkten Übergang der Altpradler in die Stadt gab und dass auch die Prader Bauern ihr Vieh zur Tränke an diese Furt trieb. Der Furterzaunweg, der visavis unseres ehemaligen Hauses Pradlerstraße 15 abzweigt, hat davon seinen Namen.
      Als dann die Sill begradigt wurde, gab es durch die erhöhte Fließgeschwindigkeit keine Ablagerungen mehr und es musste eine neue Anlage für die Sandgewinnung geschaffen werden.

      1. Danke für die interessanten Zusatzinformationen, das klingt alles schlüssig. Die Sandgewinnungsanlage war einfach die alte Flusschlinge, die im Lauf der Zeit baulich gesichert und in einen Kanal verwandelt wurde.
        Interessamt wäre nun, zu wissen, ob dieser ein Einlaufbauwerk mit Reguliermöglichkeit hatte, oder es einfach nur einen Durchlass unter dem Werkskanal gab und die Wasserführung direkt von der Sill abhängig war.

  2. Ich finde das äußerst interessant. Dass das ein Kanal für die Sandgewinnung war, war mir nicht bekannt. Hier der (mangels geeigneter Tags leider immer wieder schwer zu findende) Beitrag mit den fantastischen Fotos dieses ehemaligen Kanals entlang der heutigen Rhombergpassage: https://innsbruck-erinnert.at/die-wahrheit-ueber-tom-sawyer/

    Bisher hatte ich nur gehört, dass die Sill ursprünglich hier verlaufen sei, also eine Flussschlinge gehabt hätte. Zu einem mir unbekannten Zeitpunkt wäre diese Flussschlinge beseitigt worden und aus dem alten Flussbett wäre dieser Kanal geworden. Ich habe mich allerdings noch nie forschend mit dem Thema beschäftigt und das auf alten Karten o.Ä. überprüft.

    Ist bekannt, ob das stimmt? Oder verlief die Sill hier seit Bestehen der Stadt immer so, wie sie jetzt verläuft, und dieser „Sandkanal“ wurde vollständig künstlich angelegt? Die nächste Frage wäre: warum wurde der Rhombergkanal nach Abarbeitung des Wassers in den Unterlauf dieses Kanals eingeleitet und nicht direkt in die Sill? Wurde das Wasser östlich der Rhombergfabrik vielleicht nochmals von irgendwelchen Betrieben in Dreiheiligen genutzt?

    1. Nein, das Wasser des Rhombergkanals wurde östlich der Rhombergfabrik nicht mehr verwendet, aber eine Rückführung des Wassers in die Sill war auf Grund des Höhenunterschiedes erst im Bereich vor der Pradlerbrücke möglich.

      1. Verstehe, dann war der nötige Höhenunterschied für die Abarbeitung des Wassers durch die Textilfabrik also so groß, dass am Ende noch ein langer „Ablauf“ mit geringerem Gefälle als jenem der Sill notwendig war

        Zur Frage der Flussschleife antworte ich mir selber: in den Historischen Kartenwerken finde ich bis 1816/17 in mehreren Karten die besagte Flusschleife. Ab 1820 sieht man, dass die Schleife begradigt ist, zunächst scheint das ganze „Dreieck“ ausgebaggert worden zu sein, weil das alte Flussbett anfangs den Karten nach auch noch existierte und die parallel verlaufenden Flussarme wohl durch natürliche Gerinne verbunden waren. Auf einer Karte von 1835 ist dann diese große Ausbuchtung zwar noch vorhanden, das alte Flussbett ist aber nicht mehr eingezeichnet, nur noch das neue, begradigte. Dann sehe ich auf zwei Karten von 1840 auf dem Gelände die Fabrik, noch klein dimensioniert, und um sie herum einen begradigten Wasserlauf. Auf einer weiteren Karte von 1843 sieht das hingegen nicht wie ein Kanal aus, sondern wie der Rest des natürlichen Flusslaufs. Ab dem Franziszeischen Kataster 1855 sieht es sehr nach baulicher Regulierung aus.
        Ich schließe aus den Karten, dass der Kanal nie gegraben wurde, sondern um die Zeit der Errichtung der Rhombergfabrik herum, deren Gelände ja zumindest später von einer Mauer umgeben, jedenfalls aber vom restlichen Stadtraum abgegrenzt war, der natürliche alte Flussarm befestigt und eingefasst und zur Sandgewinnung verwendet wurde. Das scheint zwischen 1835 und 1855 passiert zu sein, vielleicht ja auch nach und nach, so wie eine Stadt im Lauf der Zeit organisch entsteht, weil der Organismus sich mal da und mal dort weiter entwickelt.
        Eine weitere Frage, die sich mir stellt: was könnte der Grund für die dortige Begradigung der Sill gewesen sein? Bei der Sillbegradigung im Bereich des Frachtenbahnhofs war der Zweck ja offensichtlich – es wurde mehr Platz für das Bahnhofsgelände benötigt. Aber da unten? Kann es sein, dass die Flussschleife bei Hochwasser zu Überschwemmungen geführt hat und man den Abluss der Sill in diesem Bereich verbessern und entschärfen wollte? Ist das bekannt und nur bei mir eine Wissenslücke?

        1. Auch bei dieser Begradigung lag meiner Meinung der Zweck darin, Platz für eine Industrieansiedlung zu schaffen, was damals der Stadt auf Kosten Pradls gut gelungen ist.
          Interessanterweise wich man dann, als man Wohnungen für das Personal brauchte, auf Pradler Gebiet aus und verblieb nicht auf der ‚Insel‘. Man errichtete die Häuser in der heutigen Schmiedgasse (auf diesem Situationsplan kann man sogar lesen: „Wohnhaus für die zur Fabrik gehörenden Beamten“) und baute eine eigene, private. Sillbrücke

        2. Lieber Herr Schneiderbauer,
          die Sill floss unreguliert bis 1823 in dem Bett, wie sie im HIK im Plan von 1750
          https://hik.tirol.gv.at/?scale=4513.99773337655&centerx=1269539.6368072173&centery=5985527.064598461&centerspatial=102100&map=344
          und 1804
          https://hik.tirol.gv.at/?scale=4513.99773337655&centerx=1269539.6368072173&centery=5985527.064598461&centerspatial=102100&map=8
          eingezeichnet ist.
          Nach dem verheerenden Hochwasser von Ende Mai 1820 schuf sie sich ein neues Bett, wobei sie Zerstörungen an einem Teil der Hofmauer des Militärspitals und an weiteren anliegende Häuser anrichtete.
          Hans Brunner in Tiroler Heimatblätter 12: „Im Herbst 1823 begann man ein neues, zweckmäßiges und sanft gebogenes Rinnsal zu graben, das von oberhalb des ersten Einbruchs bei der Trappschen Wiese sich bis zur Pradler Brücke hinzog. Dem neuen Sillbette, das eine Länge von 351 und eine Breite von 14 Wr. Klaftern erhielt, stand aber das alte Hallergut als größtes Hindernis entgegen. Das Gut wurde nun vom Sillarchenverein kurzerhand angekauft und der Hof abgebrochen. […] Die Anlage des neuen Sillbettes war in wenigen Monaten vollendet. Am 24. April 1824 wurde in Gegenwart des Landesgouverneurs Grafen Karl v. Chotek […] in feierlicher Weise die Sill in das neue Bett eingeleitet.“
          Der oben angeführte Link zur Millerkarte von ca. 1840
          https://hik.tirol.gv.at/?scale=4513.99773337655&centerx=1269539.6368072173&centery=5985527.064598461&centerspatial=102100&map=11
          zeigt übrigens bei näherer Betrachtung in genialer Weise die räumliche Entwicklung im gesamten Zeitraum zwischen 1822 und 1842: Der Autor hat zuerst noch das alte Flussbett , ein breites blau unterlegtes Band, mit der Schotterbank eingezeichnet, darüber aber dann den neuen Verlauf der Sill und die neuen Fabriksanlagen gemalt, zu denen auch der neue Sillkanal und eine Brücke, die die Fabriksinsel mit dem Dorf Pradl verband, gehörten.
          Eine ausführliche Darstellung der Entwicklung des Sillverlaufes von 1750 bis 1866 und heute finden Sie übrigens im Buch „Innsbruck im historischen Kartenbild“ auf 11 Seiten mit über 20 Kartenausschnitten und Projektpläne.

          1. Etwas, Herr Schönegger, möchte ich in Ihren Ausführungen noch richtigstellen: Die neue Sillbrücke verband nicht die Fabriksinsel mit dem Dorf Pradl sondern nur mit den Fabrikshäusern am rechten Sillufer. Das Dorf Pradl hatte nichts davon, es herrschte ein Durchgangsverbot.
            Auf der von Ihnen verlinkten Karte https://hik.tirol.gv.at/?scale=4513.99773337655&centerx=1269821.7969311608&centery=5985889.244736389&centerspatial=102100&basemap=bm0&category=Detailkarten_georef&map=11
            kann man übrigens den weiter oben genannten Furterzaun nördlich der alten Pradler Kirche gut sehen und als besonderen Leckerbissen das Pradler Bachl.

          2. Kartenlesen mag gelernt sein, als Überlagerung zweiter Zustände hätte ich das in der Karte von Philip Miller von selber nicht erkannt, aber wenn man es einmal weiß, ist es klar! Erneut danke für das Schließen meiner Wissenslücken.
            Ihr Buch „Innsbruck im historischen Kartenbild“, Herr Schönegger, habe ich mir nun endlich bestellt, im Visier hatte ich es natürlich schon lange. Danke auch für den Hinweis darauf und auch an Herrn Roilo für den Link zu dem ebenfalls sehr aufschlussreichen Artikel von Franz-Heinz Hye.
            So viel konzentriertes Wissen hier!

          3. Das Buch „Innsbruck im historischen Kartenbild“ ist heute angekommen (lokal bestellt, nicht bei Amazon) und ich bin schon jetzt schwer beeindruckt ob des Umfangs und des Inhalts. Hätte ich mir schon längst zulegen sollen.

          4. @Manni Schneiderbauer: herzlichen Dank für Ihre lobenden Worte. Das Buch hat inzwischen sein 6. Lebensjahr erreicht und ist daher natürlich schon ein wenig aus der öffenlichen Aufmerksamkeit entschwunden.
            @Manfred Roilo: Mit der Brücke haben Sie sicher recht, ich hab das aus einem Aufsatz von Fridolin Dörrer, dem ehemaligen Landesarchivdirektor, abgeschrieben, „Innsbruck um 1840“, erschienen 1972 in den Veröffentlichungen des Innsbrucker Stadtarchivs, Neue Folge Band 3, im Buch auch korrekt zitiert.

        3. Also, Herr Shneiderbauer, ich glaube – da habe ich „etwas im Hinterkopf“. Da hat es – so um die Zeit Napoleons – eine kältere Klimaperiode gegeben in Europa (aus dieser Zeit stammt auch das Kinderliedchen „Komm, lieber Mai, und maaaaache – die Bäume wiehieder grün…!“
          Zu allem Überfluß ierfolgte auch noch 1815 auf der indonesischen Insel Sumbawa ein gewaltiger Vulkanausbruch, man spricht in diesem Zusammenhang von über 56000 Toten. 1816 und 1817 waren „Jahre ohne Sommer“, da nach wie vor die Vulkanaschewolken über den Globus zogen und die Sonne verfinsterten….
          (Was glauben Sie, warum damals im Biedermaier die Mädchen und Frauen lange weite Röcke mir drei, vier Unterröcken – und dazu noch knöchellange, unten fest zusammengebundene weiße Unterhosen trugen…)
          Das Gletscherwachstum war jedenfalls enorm –
          – bis plötzlich wieder ein starker Warmlufteinbruch kam und es weit hinauf regnete, das war so um 1820 – und es gab gewaltige Überschwemmungen. Nicht nur an der Sill!
          Jedenfalls hat sich die Sill selbst ihr heutiges Bett gebahnt und dabei einen Bauernhof demoliert, welcher ihr etwas südwestlich oberhalb des „Bruggnwirtes“ im Wege stand
          Wie weit sie in Altpradl dabei über die Ufer getreten ist? Man weiß es nicht mehr…
          Aber daß sie….!, das sah man daran, daß man bei allen alten Altpradler Häusern um 2 Stufen hinuntersteigen mußte – oder muß – vom Straßenniveau – beim so schön bemalten Singewaldhaus, Pradlerstraße 13, erkennt mans noch gut – 1 Stufe von der Straße hinunter zum Haus – und eine Stufe ins Haus hinein…
          (wobei ich nicht glauben kann, daß man vor dieser großen Überschwemmung nicht mindestens eine Stufe hinaufsteigen mußte zur Haustüre…)
          Aber darüber finden sich keine Nachrichten in den Chroniken – oder gibts doch welche?

          1. Wissen Sie, ich hoffe, daß man inzwischen aufgrund dieser Bemerkung neugierig geworden ist auf diesen Ausbruck des Vulkans Tambora auf der Insel Sumbawa neugierig geworden ist – und gegoogelt hat –
            da bleibt einem wirklich „die Spucke weg“. Also – Wikipedia schauen!

          2. Vulkane – die Rettung der Gletscherlifte 😀 Studien, wie man das künstlich auslösen könnte, laufen schon

  3. Was mich noch interessieren würde: Zu diesem Situationsplan gibt es sicher irgendeine Legende – was bedeutet z.B. Buchstabe F bzw. welche Aufgabe hatte dieses Gebäude, bei den anderen Buchstaben sind ja die Gebäude auch noch namentlich angeführt.

    Jetzt erst sehe ich, dass eine Menge Kleinbuchstaben herumschwirren! Auch das Haus am Unterwasserkanal mit „I“ hat keine nähere Bezeichnung. An dieses (rote) Haus kann ich mich noch gut erinnern, aber ohne dieser schrägen Brücke. Steht das vielleicht noch oder wurde es im Zuge des Baues dieses Wohnkolosses auf der „Rhomberginsel“ entfernt.
    Ich glaube dass die sogenannte „Rhombergvilla“ am unteren Teil der Insel denkmalgeschützt ist und sich deshalb noch halten konnte.

        1. Danke, Herr Stefan, diese Liste habe ich gesucht, von dieser hatte ich gewusst, dass die Villa denkmalgeschützt ist – damit niemand suchen muss, kopiere ich den Text hierher:
          „Die Unternehmervilla der 1838–1841 an der Sill errichteten Spinnfabrik Herrburger & Rhomberg steht zwischen der Sill und dem ehemaligen Werkskanal und ist über eine Brücke erreichbar. Die zweigeschoßige Villa wurde 1936/37 nach Plänen von Willi Stigler errichtet. Die Fassaden des kubischen Baukörpers sind abwechslungsreich gegliedert und mit einem originalen, bauzeitlichen Rauputz gestaltet. An der Eingangsfassade im Nordosten befindet sich ein Vordach, die Südwestfassade ist zum gestalteten Terrassen-Gartenbereich geöffnet und weist einen loggienartig vorspringenden Baukörper mit Terrasse im Obergeschoß auf.[89]“

        2. Danke für die Korrektur, ich hatte nicht gesehen dass es dort mehrere verschiedene Übersichtskarten nach Anfangsbuchstaben aufgeteilt gibt.

    1. Wegen des roten Hauses (das ein bißchen „schräg“ am Sillkanal stand“): Auf meine kindliche Frage (also vor 1944!) bekam ich zur Antwort:
      „Ja, das ist das Gärtnerhäusl! Da wohnt der Gärtner! der muß den ganzen Garten pflegen bis zum Kanal-Zwickel hinunter!“
      Gut erinnere ich mich an die gewölbte Holzbrücke, dunkelbraun, Geländer an beiden Seiten – deren Zugang von der Allee aber mit einem Gitter versperrt war.
      Alles weg, Herr Roilo – oder doch nicht alles?
      Demnächst schaue ich genau – am Kanal entlang – ob nicht vielleicht doch noch das Eck des gemauerten Fundaments aus dem Kanalufer ein bißchen aufragt –
      – falls man es bei diesem sommerlich-urwaldartigen Bewuchs überhaupt ausnehmen kann…
      Die Fundamente des alten Fabriksstegs über die Sill hinüber, die sieht man – und deutlich auch noch! – aber nur vom Spätherbst bis zum Vorfrühling….

      1. Ja, Frau Stepanek, das wär ja ganz nett von Ihnen, wenn’s da einmal vorbeischauen und berichten würden!
        Dieser gewölbte Holzsteg, von dem Sie schreiben und an dessen versperrten Gatter ich so oft vorbeigegangen bin (schnell nach dem Standl der Frau Sturm) führte ja direkt hinüber zur Rhombergvilla auf der Insel.
        Bis zu diesem Rhomberg-Fabrikssteg über die Sill bin ich als Bub nie vorgedrungen, obwohl er ja fast vor unserer Haustüre lag. Der Grund hierfür war, dass die Schmiedgasse ja an beiden Seiten gesperrt war und uns allerlei Schlimmes über die Einwohner dort drüben erzählt wurde.
        Nur einmal kam ich zu den Fabrikhäusern hinüber – im April 1945 flüchteten meine Mama und ich beim Nachtangriff in den Luftschutzkeller eines der Zwölferhäuser.

        1. Nein, nein, Herr Roilo, der „untere“ Holzsteg zur Villa, gleich hinter der vormaligen Tabaktrafik der Frau Sturm, bezw. der heutigen Bushaltestelle, den gibts ja schon noch.
          Ich meinte den „oberen“ Steg hinüber zu dem roten ebenerdigen Häuschen mit den in meiner Erinnerung rundbogigen Fenstern (wenn mich die Erinnerung nicht täuscht(), dessen Fundament mit seiner Südwestecke direkt aus der Uferböschung emporstieg.
          Aber Sie haben sicher schon den „Schönegger“ aus dem Regal gewuchtet und auf Seite 225 die mittlere Darstellung der Sill und des sogenannten Sillzwickels von 1866 studiert.
          Darauf sieht man, daß dieser „Fabriklersteg“ über die Sill schräg hinüber eigentlich genau zu diesem Häuschen geführt hat – und der kleine Steg mit dem gewölbten Boden zur Allee hinaus, gegenüber des südlichsten Drittels der ostseitigen Ferrarischulmauer –
          – an welcher bis 1820 die große Sill entlangrauschte…

          1. Jqwoll, Herr Roilo, die Grundmauer dieses ebenerdigen roten Gärtnerhäuschens (gestrichen in so einer Art „Casa-cantoniera-Rot“-vielleicht etwas weniger Gelbanteil) mit den oben rundbogigen Fenstern – ja! Diese dreieckig in den Sillkanal hereinragende Muer steht nicht nur, sie ist sogar erhöht – und umschließt gegen den Kanal hin eine Art „Aussichtsplattform“ beim (von Süden her) 2. Durchgang des Riesenwohnblocks, der hier gewissermaßen wie ein Panzerkreuzer vor Anker liegt…
            Wann waren diese beiden „Maikäferjahre“? 1941 und 42 – oder 1942 und 43? Daran könnten Sie sich, da 3 1/2 Jahre älter, sicher besser erinnern, oder? Damals hatte sich mir dieses „Gärtnerhäuschen“ jedenfalls eingeprägt. Aber ob es schon vor – oder erst nach – der Überschwemmung endgültig wegkam, weiß ich nicht.
            Ich wollte es ja fotografieren – schwarz-weiß – aber mit dem vielen Gebüsch herum… ich habs leider bleiben gelassen.
            Was gäbe es sonst noch zu berichten? Ah ja! Die beiden Steinkugeln gibts noch – die östlich der „Sturm“-Tabaktrafik am herunteren Ende der Allee links und rechts vom Gehweg auf jeinem – wie hoch werden die sein? 1,20m? – Pfeiler stehen, An der Innen- (Gehsteig-)-seite jeweils eine Längsrille, als habe man da ein „Gatter“ hineinsenken können…
            Und ich fürchte, der Reiher, der bei meinem Hinübergehen gerade sie Sillbrücke überflogen hat – und der, als ich am Ostufer zurückging, gegenüber von Haus Schmidgasse 12b am drüberen Ufer stand – der wartet wohl immer noch geduldig auf seinen Frühstücksfisch…

          2. Ja, so elegant schauen Villa und Steg derzeit nicht aus – der Steg wirkt ein bißchen wie „mit Zaunlatte geflickt“
            Aber bei diesem „unteren“ Steg ist die Gehfläche eben – oder zumindest „nahezu eben“ –
            – während der „obere“ Steg zum roten Häuschen gebogene Seitenbalken hatte, auf denen die Bretter quer auflagen, so daß man über einen deutlichen „Buckel“ hinübergehen hätte müssen … wenn das Bruggele nicht eh abgesperrt gewesen wäre…
            Bin ich wirklich der einzige Mensch auf Gottes weitem Erdenrund, der sich an den gebogenen Steg, das rote ebenerdige Haus, drei (oben rundbogig abschließende) Fenster breit, ohne sichtbarem Eingang ( wohl ums Eck an der Ostseite) noch erinnern kann?

          3. Jetzt sagn’s grad, dass Sie heute schon diese Runde gemacht haben. Wenn ja: Alle Achtung und Danke – sind eigentlich die Biber an diesem drüberen Ufer auch noch aktiv?

          4. …und jetzt dürfte bei mir endlich der Groschen gefallen sein!
            Denn dieser aus der Uferböschung des Kanals aufragende dreieckige „Schiffskiel“, dessen unterer Teil die Grundmauer des roten „Gärtner“häuschens bildete –
            – der ist – ja,schauen Sie sich das Titelbild dieses Beitags an! – nichts anderes als das gemauerte (oder betonierte) W i d e r l a g e r der einstigen schrägen Brücke über den Sillkanal….

          5. ….und nicht nur der aus den Kanalbett aufragende „Spitz“ (der die Aussichtsplattform trägt) steht noch, sondern auch noch die beiden Widerlager des gewölbten Stegs. Ein paar Meter südlich des Spitzes sieht man im „bolivianischen Dschungel“, der dzt. die Kanalufer überwuchert – ich will sagen „ahnt man“ die quadratische Öberfläche zweier ehemaliger Betonpfeiler, ich schätze 75x75cm. Herüben beim Gehsteig liegen die Schlinggewächse flach auf – drüben sieht man nur, daß sie in gerader Linie von einer Kante herabhängen.
            Im Winter dürfte man mehr erkennen.
            So wie man im Winter an der Sill selbst vom Ufer beim Kinderspielplatz Rapoldipark gut am drüberen Westufer noch die Steinschichtung des ehemaligen „Fabriklerstegs“ erkennen kann – jetzt ebenfalls ganz überwuchert – zwischen zwei noch jungen Bäumen mit schlankem Stamm. Im Hintergrund bei dem Wohnblock der grüne Abfalleimer – und beim Wohnbloch selbst der „Durchgang“ dienen ganz gut der Orientierung.

          6. Übrigens habe ich den Verdacht, daß dieser ehemalige Fabriklersteg auf den Widerlagern des (noch) ehemalig8er)en Sillrechens auflag.

  4. Randständiger Smalltalk:
    In der Dreiheiligenstraße 2 gab es an Stelle des heutigen Ambulatoriums eine recht schöne (wirklich schöne) erste Rhombergvilla, Baujahr Ende 19. Jhdt. mit einem kleinen Park und zwei Skupturen in zwei in der Hauswand eingelassenen Nischen.

    Leider hab ich kein Foto. Aber wäre auch ein wenig weit weg vom Thema.

    1. ….und sollten Sie zufällig die
      Österreichische Kunsttopographie, Band XLV, „Die profanen Kunstdenkmäler der Stadt Innsbruck außerhalb der Altstadt“ in die Hände bekommen, da wird sie auf den Seiten 191/192 gewürdigt als
      „Zweigeschossige Neorenaissance-Villa mit Walmdach. Fünfachsige Vorderfront mit dreiachsigem kräftigem Mittelrisalit; östlich schräggestellter turmartiger Eckrisalit mit gekapptem Pyramidendach, mit dem Hauptrisalit durch Balustrade und Gartentreppe mit Steingeländer – im Obergeschoß durch Balkon – verbunden.
      Fassade, über rustizierter Sockelzone mit Gesims, genutet; Ortsteinbänderung der Hauskanten ….
      ….in der Balkonachse Rundbogennische mit allegorischer Statue: Viktoria. – “
      Quellenangabe:
      L i t e r a t u r . WERKNER, Villenarchitektur, 1978, S. 89.“

    2. …und, wenn ich mich recht erinnere, zumindest EINEM Hirschkopf an der zur Dreiheiligenstraße blickenden Fassade. Könnten allerdings auch zwei gewesen sein. Ich trauere dieser Villa heute noch nach.

  5. Ja, was die Biber (bekanntlich „dämmerun gsaktiv“!) angeht – ihren „Trampelpfad“ zu den Löchern sieht man schon im Gebüsch am Kanalinselufer – aber sonst ist nicht viel zu sehen von ihnen. Zumindest am Kanal nicht.
    Weiter unten an der Kärntnerstraße – unterhalb des Spiel- und Sportplatzes – hatte Familie Biber voriges Jahr ein richtiges Denkmal gemeißelt, das aus der Ferne aussah wie Rodins „Denker“ in abstrahierender Version…
    Und jetzt? Dem „Denker“ steht eine „Struwwelpeter-Frisur“ zu Berge, dß man ihn kaum mehr findet.
    Soviel zur „Biberfront“

  6. Nachdem ich nun erst dazu komme, die ganzen Kommentare zu dem Beitrag zu lesen und die zusätzlichen Informationen zu verarbeiten: vielen Dank dafür!
    Christof Aichner

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