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Die Wahrheit über Tom Sawyer

Die Wahrheit über Tom Sawyer

Die Erinnerung wird oft überlagert von Dingen, die wir gerne erlebt hätten. Es könnte schwierig sein, einen Mann über 50 zu finden, für den diese Szene am Canale Grande di Pradl nicht schöne Momente der Kindheit zu Tage befördert. Der Sommertag am Bach, die endlosen Bubenstreiche mit den guten Freunden, die große Freiheit in der analogen Welt. Ganz genau so war es dann ja meistens doch nicht. Der Sommer war wieder einmal verregnet, die Freunde hatten andere Ferienpläne, kurz nach der Aufnahme sind zwei Buben ausgerutscht, haben sich die Kleider durchnässt und noch eine Bierflaschen-Scherbe eingetreten. Nur die Freiheit der analogen Welt, die gab es wirklich, auch wenn die Gestaltungsmöglichkeiten der 1970er durch permanenten Taschengeldmangel und der Ödnis der Landeshauptstadt im Juli, August und an Wochenenden im Rahmen blieben. Irgendeinem Freund fiel immer ein Blödsinn ein, beim Durchwaten verbotener Gewässerabschnitte blieb es meist nicht. Als Mitlgied einer Bubengruppe/bande war man nicht selten in der Situation, den eigenen Beitrag zur Unterwanderung der bürgerlichen Ordnung in ein Verhältnis zu den möglichen Sanktionen der Obrigkeit und der Erziehungsberechtigten zu setzen. Das Ungewöhnlichste an dieser Aufnahme ist, dass offenbar ein Erwachsener Lust hatte, die urbane Bade-Szene selbst im Wasser stehend zu dokumentieren. Mit den Erwachsenen hatten wir damals wenig zu tun, ich erinnere mich genau.

Dieser Beitrag hat 7 Kommentare
    1. Ja. schon lange bin ich dankbar, dass wir eine so abenteuerliche Kindheit erleben durften. Alle Bereiche in denen ich mich noch erlebt habe sind heute Parks (statt Wildniss), Wohnhäuser (statt Ruinen). begradigte und in Kanäle gezwängte Flüsse usw.
      Leider ist unsere Generation stark mitverantwortlich daran, wie die Welt heute aussieht und daran, dass Abenteur nur noch virtuell erlebt werden können.

  1. Mancher Passant und manche Passantin hätte damals wohl kopfschüttelnd gesagt: „Was machen die Saufratzen denn da schon wieder!“

  2. Bei mir waren es die 1960er, in denen wir Dinge machten, die unsere Eltern besser nicht wussten. Wenn ich daran denke, als wir am
    Sillzwickel ins Wasser gingen, um den den Inn schwimmend zu überqueren. Wir kamen meist, je nach Strömung des Inn, erst weit hinter der alten Reichenauer Brücke ans andere Ufer. Von der Wassertemperatur will ich gar nichts schreiben.

  3. Obwohl ich in meiner Kindheit (und dass war immerhin noch in der Kriegszeit bzw. unmittelbar danach) doch öfters diesen Weg gegangen bin (damals ging man ja noch zu Fuß in die Stadt) kann ich mich nicht erinnern, in diesem tiefen Graben jemals Wasser gesehen zu haben, zumindest Fließendes. Auch wenn wir im Herbst herkamen, um Rosskastanien zu sammeln, getrauten wir uns nicht die steile Böschung hinunterzugehen. Außerdem sagte man uns. Da drunten wäre alles Sumpf und da versinke man. An den Graben selbst kann ich mich aber noch gut erinnern. Ich weiß nicht, wann alles zugeschüttet wurde, ich nehme an, dass hier viel Bombenschutt Platz hatte.

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