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Noch Eine Sichere Investition (II.)

Noch eine sichere Investition (II.)

Die weiteren sieben Anleihen, die im Laufe des Krieges noch ausgegeben wurden, erreichten den Realwert der Ersten von 2,2 Milliarden Kronen nicht mehr, auch wenn der Ertrag aufgrund der Inflation teilweise mehr als doppelt so groß aussah (insgesamt wurde ein Nominalwert von rund 33 Milliarden Kronen erzielt, zusammen mit der ungarischen Reichshälfte über 50 Milliarden).

Es gab kaum Versuche, die erhöhten Ausgaben während des Krieges durch Steuern oder Zölle zu decken (letztere fielen aufgrund des Krieges ohnehin stark ab) und so wandte man sich rasch Kriegsanleihen und der Druckerpresse zu.  Die gewaltige Inflation war u.a. ein Effekt dieser zweiten Strategie des Staates zur Finanzierung des Krieges. Zwei Fünftel der Ausgaben waren durch die Kredite bei der Österreichisch-Ungarischen Notenbank finanziert worden. Innerhalb der ersten Kriegsmonate verdoppelte sich die Geldmenge bereits, bis Kriegsende hatte sie sich beinahe auf das Dreizehnfache erhöht.

Um die Zinszahlungen zu gewährleisten, war man letztlich doch zu Steuererhöhungen gezwungen, jedoch blieb man zu Beginn bei den indirekten Steuern. Somit war man in der amüsanten Situation, die Zinszahlungen für das Geld, welches man dem Kaiser geliehen hatte, auch gleich selbst zu bezahlen, wobei diese regressiven Steuern eher die ärmere Bevölkerung traf, die nicht die meisten Anleihen gekauft hatte. Der Großteil der Summe, die durch die Anleihen aufgebracht wurde, stammte aus dem Vermögen des deutsch-österreichischen Bürgertums. Die Zinsen wurden im Laufe des Krieges auch erhöht, um das Interesse an den Anleihen am Leben zu erhalten, doch nur mit mäßigem Erfolg. Mit der Zeit vermuteten vielleicht doch mehr und mehr potentielle Zeichner der Anleihen, dass der Krieg diesmal nicht den Krieg ernähren (oder direkter: bezahlen) würde.

Die Republik Österreich übernahm nach dem Krieg die Haftung für die Anleihen, doch wurde ihr Wert im Laufe der Hyperinflation völlig vernichtet. Vom Realwert war kaum mehr als 0,01% übriggeblieben. Neben dem Vermögen des Bürgertums waren auch große Anteile von Vorsorgekassen, sowie Kranken- und Unfallversicherungen in den Anleihen veranlagt gewesen, die nun ebenfalls vor dem Ruin standen.

(Signatur VO-1263)

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  1. Die Stadt Innsbruck hat seinerzeit noch rechtzeitig in Sachwerte investiert und 1919 vom Stift Fiecht den Achensee gekauft. Nach der Hyperinflation war der bezahlte Kaufpreis wertlos, während der wunderschöne Achensee noch heute im Eigentum der Stadt sich befindet.

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