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Motorspritzen

Motorspritzen

Im Jahr 1927 zählte man im Feuerwehrbezirk IV (Innsbruck) bereits sieben Motorspritzen, darunter eine Autospritze (Rosenbauer) und eine zweirädrige Motorspritze (ebenfalls von der Fa. Rosenbauer) in Innsbruck-Stadt sowie eine tragbare Motorspritze in Seefeld.

In den 1920er-Jahren rüsteten die Tiroler Feuerwehren ihre Gerätschaften auf, wobei insbesondere in Motorspritzen investiert wurde. Der Bezirks-Feuerwehrverband Innsbruck reagierte auf diese Entwicklung mit der Herausgabe einer eigenen Instruktion zur Bedienung der neuen Geräte, während der Landesfeuerwehrverband einen dreitägigen Kurs für die Maschinisten ins Leben rief. Der erste derartige Kurs fand im Frühsommer 1929 statt. Am Programm standen:

1. Das Wesen des Benzinmotors und dessen Konstruktion;
2. Wesen und Wirkung der Kreiselpumpe;
3. Behandlung der Motorspritze, praktisches Arbeiten mit einem Aggregat und am letzten Halbtage Wiederholung und Prüfung.

Die Kursplätze waren streng limitiert. Jeder Feuerwehrbezirk durfte nur drei Mann entsenden. Damit war zwar ein Anfang gemacht, aber die Nachfrage konnte damit wohl nicht gedeckt werden. Rasch wurden daher auch auf Bezirksebene entsprechende Ausbildungsangebote geschaffen. So nahmen am zweitägigen Motorspritzenführerkurs des Bezirkes Innsbruck am 25./26. Mai 1929 nicht weniger als 16 Feuerwehrmänner teil, darunter Albert Jende, Karl Pitscheider und Wilhelm Kail der FF Hötting. Landesweit besuchten 1929 bereits 184 Feuerwehrmänner die Maschinistenkurse für Motorspritzen in den einzelnen Bezirken (mit 31.12.1929 zählte man in Tirol 5 Autospritzen und 107 Motorspritzen).

Welchen Motorspritzen-Kurs die obige Gruppenaufnahme von Richard Müller zeigt, ist leider bislang unklar. Sicher ist, dass wir uns in Innsbruck befinden 😉 Aber der Aufnahmeort konnte noch nicht exakt lokalisiert werden. Nun, da können sicherlich Sie uns weiterhelfen, oder?

(StAI, RM-Pl-437)

Dieser Beitrag hat 9 Kommentare
  1. Hmmm, könnte das auf Grund der Perspektive zum Patscherkofel vielleicht auf der Haller Straße sein?
    In Wilten kann es sicher nicht sein. Ein Blick aus dem Fenster genügt, dass es hier nicht ist.

  2. Herr Roilo dürfte auf der richtigen Spur sein, das Foto müsste von der 3. Kompagnie IBK-Stadt,- St. Nikolaus sein,
    ein Vergleichsfoto der Kompagnie St. Nikolaus gibt es auf Innsbruck erinnert sich vom 7.5.2020.
    Das Foto oben müsste entstanden sein, als die FF-St. Nikolaus die Motorspritze übergeben bekommen hat.
    Es wird sicher Zeitungsartikel darüber gegeben haben, Herr Auer ist hier Spezialist.

    Es gibt ein ähnliches Foto der 2. Kompagnie Hötting-Höttinger Au, wo fast die selbe Motorspritze vor der Kompagnie deponiert ist,- unter den Kameraden der Höttinger Au sitzt der letzte Gemeindevorsteher Höttings,
    Herr Holzmann.

    1. Vielen Dank für die Hinweise auf die 3. Kompanie (St. Nikolaus) und die 2. Kompanie der FF Hötting. Das wäre gut möglich, tzmal der Kaysergarten, wie Herr Roilo schreibt, gut passen könnte. Allerdings konnte ich bislang leider keinen Hinweis auf die Übergabe einer Motorspritze an die 3. Komp. finden… auch ähneln die bekannten Gruppenfotos von den Motorspritzenkursen dieser Gruppenaufnahme stark….

    2. Die Achselklappen bringen uns nicht recht weiter, da die Herren – so weit erkennbar – alle einen „4“er (= Bezirksfeuerwehrverband Innsbruck 4) tragen und demnach durchaus der III. Kompanie angehören könnten. Da aber in der ersten Reihe – direket hinter der Motorspritze – als 6. v. l. Viktor Freiherr von Graff jun. sitzt, der als technischer Referent des LFV Tirol die Motorspritzenkurse auf Landes- und Bezirksebene inititiert hat, spricht einiges dafür, dass wir hier tatsächlich die Teilnehmer eines Motorspritzenkurses sehen. Auch hatte die III. Kompanie ihr Gerätehaus im Turnusvereinshaus bzw. im Hof der Knabenvolksschule…
      https://innsbruck-erinnert.at/ein-neues-geraetehaus-fuer-die-iii-kompanie/

  3. 1931 hatte die Feuerwehr bereits 15 Kraftfahrzeuge. Demnach war der Großbrand der Colli-Fabrik einige Jahre zuvor der Anstoß für eine umfassende Modernisierung der Geräte.

    Anlässlich einer Hauptübung berichten die Innsbrucker Nachrichten am 12. Oktober 1931 auch über eine Geräteschau. Damals wurde in der Altstadt sogar das Löschen nach einem Blitzschlag geübt. Dieser Bericht gibt einen anschaulichen Einblick in das damalige Übungswesen und die Einsatzmöglichkeiten der Motorspritzen:

    „Hauptübung der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck.

    Der Tag, an dem vor neun Jahren die Colli-Fabrik nieder­-
    gebrannt ist, bildete einen bedeutenden Markstein in der Ent­-
    wicklung der Freiwilligen Feuerwehr der Landeshauptstadt,
    die bis zu jenem Zeitpunkt über eine einzige Dampfspritze
    uralter Konstruktion als modernstes Löschgerät verfügte! Daß
    das bis dahin Versäumte in der Zwischenzeit gründlich nach­-
    geholt wurde, dafür legte die Sonntag vormittags abgehaltene
    Herbst-Hauptübung der Freiwilligen Feuerwehr Inns­-
    bruck, die mit einer Geräteschau verbunden war, ein be­-
    redtes Zeugnis ab.

    In imponierender Stärke waren die sechs
    Kompagnien mit ihren Geräten am Rennweg aufmarschiert,
    wo um 10 Uhr vormittags Branddirektor Innerhofer
    dem Bürgermeister Fischer die Meldung erstattete.
    Vor dem Stadttheater hatten mittlerweile die seit der letzten
    Hauptübung neu angeschafften, durchwegs automobilisierten
    Fahrzeuge Aufstellung genommen, und zwar: Der Katastro­-
    phenwagen, drei neue Rüstwagen, eine Motorspritze und ein
    Mannschaftswagen. Mit Ausnahme der 3. und 5. Kompagnie
    besitzen sämtliche Kompagnien nur automobilisierte Fahr­-
    zeuge. Der Gerätepark der Freiwilligen Feuerwehr verfügt
    heute über insgesamt 15 Kraftfahrzeuge (Motorspritzen, Rüst­-
    wagen, Mannschaftswagen, Katastrophenwagen und Kom­-
    mandantenwagen).

    Nach Besichtigung der neuen Geräte durch die geladenen
    Gäste rückten die einzelnen Kompagnien zur Lösung der ihnen
    vom Bürgermeister gestellten Aufgaben ab. Die erste galt
    dem Eingreifen nach einem zündenden Blitzstrahl
    beim „Goldenen Dachl“. Mit der Durchführung dieser Auf­-
    gabe wurde die 2. und 3. Kompagnie betraut. Als zweite Auf­
    gabe war die Bekämpfung der brennenden Tankan­-
    lage in der Meinhardgarage (Wiedner und Menardi) gestellt,
    die der Berufswehr mit dem Schaumgenerator und der
    4. Kompagnie oblag. Hiebei hatte man Gelegenheit, die mo­-
    derne Ausrüstung der Mannschaften mit Sauerstoffapparaten,
    Rauchmasken und Asbestanzügen zu beobachten.
    Die dritte Aufgabe galt dem Eingreifen bei einer Hoch­
    wasserkatastrophe bei der Sill mit Gefährdung der
    Pradlerbrücke, woran sich sämtliche Kompagnien beteiligten.
    Die mit dem Katastrophenwagen anrückende 1. Kompagnie
    besorgte den Uferschutz und die telephonischen Verbindungen
    an der Unglücksstelle. Das Auspumpen der unter Wasser
    stehenden Räume hatten vier Motorspritzen, eine Dampf­-
    spritze und verschiedene Handspritzen zu besorgen, während
    den ambulanten Rettungsdienst die Rettungsgesellschaft übernahm.

    Sämtliche Aufgaben wurden rasch und mit Ruhe und größ­-
    ter Exaktheit durchgeführt; sie fanden einhelliges Lob und An­
    erkennung durch die geladenen Gäste. Bürgermeister Fischer
    sprach am Schlusse der Uebung dem Branddirektor Inner­-
    hofer den Dank der Stadt Innsbruck für die zum Wohl
    der Einwohnerschaft geleistete Arbeit der Feuerwehr aus.
    Mit einer Defilierung wurde die Hauptübung beendet.“

    1. Wieder ein besonders interessantes Fundstück, lieber Herr Auer – vielen Dank dafür! Der Großbrand in der Möbelfabrik Colli in Wilten ereignete sich am 29. Mai 1922. In der Festschrift „120 Jahre Feuerwehr Mühlau“ (1994) heißt es dazu auf S. 58 u.a.: „Als erschwerend bei der Löschaktion trat besonders der Leerlauf des nahen Sillkanales und die schwerfällige Beschaffung von Zugtieren für die Dampfspritze zutage.“

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