Liebesgrüße aus Innsbruck
„Na, ich glaub’ doch, die sehen wir nimmer“, soll Kaiser Franz Joseph anlässlich der Entsendung von österreichisch-ungarischen Truppen in den Nahen Osten gesagt haben. Diese sollten den bedrängten osmanischen Verbündeten unterstützen. Auch der Lehrer Leo Gutmann (1881-1946) landete auf diese Weise in Konstantinopel, wohin ihm seine Innsbrucker Freundin Luise Thaler (1893-1945) regelmäßig Karten sandte. Zunächst gingen diese Karten mit der zivilen Post auf die Reise, später dann mit der Feldpost.

In welcher Funktion Leo Gutmann in Konstantinopel tätig war, ist leider (noch) nicht bekannt. Zunächst wohnte er offenbar im St. Georgs-Kolleg in Galata (einer österreichischen Schule, die heute noch existiert), spätere adressierte Luise die Karten an den Hauptmann Maximilian Riess, der im Zivilberuf ein hoher Beamter der Filiale der Böhmischen Unionsbank in Neutischein (heute: Nový Jičín) war und 1918 als Artillerieoffizier in der Reserve in Konstantinopel diente.
Am 25. März 1917 schrieb Luise schwer verliebt an ihren „liebsten Herzensbub“:
Komme soeben vom Theater heim. Die „Czardasfürstin“ wurde gegeben. Lieb, mein Herz ist so voll, weenn ich Dich da hätte! „Machen wir’s den Schwalben nach“ Bubi so schön haben sie es gesungen. Es war so schön Leo, aber – ich war allein. Das hast so weh getan, so sehr. Es ist 11h. Vor 1 Jahr gingen wir Hand in Hand nach Hause. Leb wohl, Lieb, gute Nacht. Ein süßes süßes Zuckerbussi sendet Dir Dein armes Lieb, Deine Luise.
Entgegen der pessimitischen Einschätzung des Monarchen sollten sich Luise und Leo noch vor Kriegsende wiedersehen. Im Frühjahr 1918 bemühte sich Luise um eine Reisebewilligung – erfolgreich, wie sie Leo überglücklich am 26. April 1918 mitteilte: „Endlich soll es Gewißheit werde was so heiß wir ersehnen. Endlich, endlich. Leo ich kanns [sic] fast nicht glauben. Die Welt ist so schön so schön. Nur manchmal zieht Wehmut in die Seele wenn ich denke, daß ich von hier von Allem Abschied nehmen muß. Es sehnt sich nach Dir so sehr, Deine Luise.“
Nur wenige Monate später, am 11. September 1918, heirateten die beiden in Konstantinopel. Lange dürften die beiden aber nicht am Bosporus geblieben sein, den bereits im Juli 1919 kam ihre Tochter Aloisia in Innsbruck zur Welt. Leo jun. folgte im Juni 1920 und Viktor im Juni 1921.

(Korrespondenz Thaler-Gutmann, Slg. Kurt Klieber, Privatbesitz)
Wie es aussieht, war Leo Gutmann am St. Georgs-Kolleg als k. k. Staatslehrer angestellt: https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=tan&datum=19230621&query=%22Leo%22+%22Gutmann%22+%22Konstantinopel%22&ref=anno-search&seite=4