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Kraftwerk Obere Sill

Kraftwerk Obere Sill

Nachdem ich neulich schon das Kraftwerk Untere Sill mit einigen Bildern präsentiert hatte, folgt heute das deutlich ältere Kraftwerk Obere Sill. Dieses wurde zwischen 1901 und 1903 errichtet und sollte den wachsenden Energiehunger der Stadt sättigen. Darüber hinaus sollten die Sillwerke, wie sie zeitgenössisch genannt wurden, die damals ebenfalls im Bau befindlichen Stubaitalbahn mit Energie versorgen. Die beiden Großunternehmungen wurden damals als Prestigeprojekte betrachtet, die zukunftsweisend für die wachsende Stadt aber auch, wie könnte es anders sein in Tirol, einen wichtigen Schritt beim Ausbau des Fremdenverkehrs darstellen sollten.

Mit diesen Stromleitungen wurde der in den Sillwerken produzierte Strom nach Wilten und Innsbruck geleitet.

Planung und Bauleitung gingen auf Josef Riehl zurück. Riehl hatte sich als Ingenieur und Unternehmer bis dahin schon unterschiedlichste Betätigungsfelder erschlossen: vom Straßen- und Eisenbahnbau, über die Steingewinnung bis hin zu Flussregulierungen. Um 1900 hatte er einige Elektrizitätswerke gebaut und somit neuerlich die Zeichen der Zeit erkannt – mit der Finanzierung und dem Bau von elektrifizierten Bahnstrecken hatte er darüber hinaus selbst noch den Bedarf an großen Mengen von Strom geschaffen und damit selbst wieder davon profitiert. Die Liste der von ihm geplanten und durchgeführten Projekten ist beeindruckend, und daher verwundert es auch nicht, dass in zahlreichen Dörfern und Städten (Alt-)Tirols Straßen seinen Namen zieren. Riehl ist am Alten Militärfriedhof in Pradl begraben.

Schematische Darstellung des Projekts

Die Sillwerke waren so konstruiert, dass unterhalb der Brennerwerke (bei Matrei und ebenfalls von Riehl ausgeführt) Wasser aus der Sill entnommen wurde und über einen Kanal und Stollen bis zu einer großen Wasserfassung bei Schönberg geleitet wurde.

Brennerwerk und Wassereinlauf

In einer, später zwei Rohrleitungen (1,25 Meter Durchmesser) wurde von dort das Wasser hinab zum Maschinenhaus geleitet, wo sie die Turbinen antrieben und der Strom erzeugt wurde. Neben der Druckrohrleitung verlief ein Leerlauf in Treppenform, der auch im Titelbild zu sehen ist.

Verlegen der etwa 360 Meter langen Druckrohrleitung – Fallhöhe des Wassers etwa 185 Meter.

Anschließend floss das Wasser zurück in die Sill. Erst mit dem Bau des Kraftwerks Untere Sill wurde es dann neuerlich gefasst und für eine nochmalige Stromerzeugung verwendet.

Kontrollraum.

In den Innsbrucker Nachrichten vom 10. Oktober 1903 findet sich ein umfangreicher Bericht von der Inbetriebnahme der Werke, in der ausführlich die technischen Details und zudem die Motive für den Bau erläutert werden und die neue Technik, die wie von Zauberhand zu funktionieren schien, den Leserinnen und Lesern erklärt wird. Die Aufnahmen stammen aus einem Album, das im Stadtarchiv verwahrt wird. Dort sind die großformatigen Abzüge vom Bau und den Gebäuden in einem kunstvoll gearbeiteten Schuber versammelt.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Ph-A-24.404)

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare
  1. Übrigens ist Riehl natürlich am Militärfriedhof in PRADL begraben.
    Ing. Riehl hatte auch schon den Gedanken, dass das Unterwasser vom Sillwerk weitergenützt werden sollte. Er dachte an eine weitere Stufe die bei Wilten dann errichtet werden soll. Das EWI baute dann in den 60ern das Kraftwerk Untere Sill beim Lemmenhof.

  2. Die Straßenquerung der Stromleitung weist eine sonderbare, maschenartige Drahteinhüllung auf. Könnte wohl dem Schutz der Fuhrwerke vor den Folgen einer Berührung mit der Stromleitung gedient haben. Trotzdem sonderbar denn ein größerer Bodenabstand wäre doch um vieles einfacher.

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