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In Stein Gemeißelt (XX.)

In Stein gemeißelt (XX.)

Auch die neue Heilige Liga, von deren Gründung wir das letzte Mal erfahren haben, sollte sich als kurzlebig erweisen. Sie endete letztlich mit dem Tod des Papstes Julius II. am 21. Februar 1513. Erneut arbeiteten die Diplomaten der europäischen Mächte fieberhaft an neuen Möglichkeiten, ihre Gegner in die Enge zu treiben. Die englischen und spanischen Könige versuchten, Maximilian zu einem Frieden mit Venedig zu bringen, doch die Verhandlungen scheiterten stets an den Forderungen des Kaisers. Er wollte sich mit nichts weniger zufriedengeben als der vollständigen Restitution aller an Venedig verlorenen Gebiete und der Wiederherstellung der alten Rechte des Reiches in Italien – Bedingungen, die man in der Serenissima für völlig inakzeptabel hielt. So kam es zu einem neuen Bündnis zwischen der Markusrepublik und Frankreich, nachdem sich der französische König nur wenige Jahre zuvor mit dem Kaiser gegen sie verbündet hatte.

So schnell wie möglich schloss Maximilian daraufhin in Mecheln (Mechelen, heutiges Belgien, auf halbem Weg zwischen Brüssel und Antwerpen) die nächste Heilige Liga, mit England und Spanien, ebenso wie dem neuen, etwas zögerlichen Papst Leo X. (dem wohl berüchtigsten der Medici-Päpste). Gleichzeitig unterzeichnete der spanische König jedoch auch einen Waffenstillstand mit Frankreich, jedoch nur gültig für die Grenze der beiden Reiche entlang der Pyrenäen. Dass in Mecheln vereinbart wurde, die Franzosen von den Pyrenäen aus anzugreifen, schien Ferdinand nicht weiter zu stören.

Der Krieg begann mit dem erneuten Einmarsch der französischen Truppen in die Lombardei. Es kam darauf beinahe als Überraschung, dass es mithilfe von exorbitanten Geldsummen gelang, auch die Eidgenossen in das anti-französische Bündnis zu bringen. Die Schweizer brachten dem französischen Heer bei Novara eine empfindliche Niederlage bei und zwangen sie zum Rückzug aus Italien – Venedig gelangte ebenfalls in Bedrängnis, doch dem Kaiser fehlten wie üblich die finanziellen Mittel, den Krieg nach seinen Vorstellungen zu führen. Aus dem Reich erhielt er keinen Pfennig, vom Schwäbischen Bund wurde ihm Hilfe in der Höhe von knapp über 6000 Gulden bezahlt – zum Vergleich: von seinen Ländern steuerte Tirol allein zum neuerlichen Krieg 40.000 Gulden bei (die höchste Summe aus seinen Territorien).

Doch entgegen der finanziellen Situation waren die Pläne wieder hochgesteckt: Nun würden englische Truppen anlanden, und zusammen mit habsburgischen und eidgenössischen Truppen von Norden und Nordosten bedrohen, während Spanien im Süden vorrücken würde (was natürlich nicht mehr passieren konnte). Maximilian traf dennoch mit dem jungen Heinrich VIII. zusammen als dieser gerade Thérouanne belagerte. Er beriet den als Feldherrn noch unerfahrenen König und organisierte die Belagerung der Stadt neu. Als die Franzosen versuchten, den Verteidigern zur Hilfe zu kommen, kam es zur hier abgebildeten Schlacht: Der Zweiten Schlacht von Guinegate. 7000 französische Soldaten sollten einen Verpflegungszug in die Stadt bringen, während die Belagerer von anderer Seite abgelenkt wurden. Doch der Zug wurde überrascht von englischen und burgundischen Reitern, die sie frontal attackierten, während leichte Truppen ihnen auf Maximilians Befehl in die Flanken fielen. Der Rückzug der Franzosen wurde zur wilden Flucht, 200 Adelige wurden gefangengenommen und die Sieger erbeuteten einen Großteil der für die Stadt vorgesehenen Verpflegungen. So war Maximilian 34 Jahre nach der ersten Schlacht von Guinegate am selben Ort erneut ein glänzender Sieg gelungen, die zweite Schlacht trägt aufgrund der französischen Flucht den spöttischen Beinamen der „Sporenschlacht“ – den französischen Edelmännern hätten ihre Sporen besser gedient als ihre Schwerter.

Heinrich VIII., der vor Maximilian in Thérouanne einziehen durfte, war überglücklich und zahlte Maximilian die 100.000 Gulden aus, die er ihm für den Feldzug versprochen hatte. Doch, wie es der Leser mittlerweile wohl schon erwarten dürfte, währte das Glück nicht lange – schon Bald zerfiel die Allianz und die an diesem Tag wohl so glücklichen Herrscher (Heinrich hatte bereits wieder den Titel des Königs von Frankreich angenommen) mussten wieder unsanft aus ihren Träumen erwachen.

(Ph-A-10171-19)

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Ich mag ja nicht damit anfangen, aber wenn man die Reliefbeschreibungen so liest… ein gewisser, derzeit in aller Munde befindlicher Übeltäter der aktuellen Jetztzeit hat sich offenbar die noch heute den Schulkindern als ruhmreich geschilderten Taten des heilig-hochverehrten Kaiser Max abgeschaut.

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