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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
In Richards Müllerversum V

In Richards Müllerversum V

Für sein Foto des Hauses Museumstraße 33 stellte Richard Müller sein Stativ mitten in die Brunecker Straße, was mangels Pferde- und sonstigen Verkehrs an diesem Tag offenbar kein besonderes Risiko darstellte. Er dokumentierte ein großes Stadthaus, das bei seiner Errichtung noch die Nummer 29 getragen hatte und in den Jahren ab 1888 einmal den Norers, dann den Guggenbergs, den Epps, den Pails und schließlich den Vorläuferinnen der heutigen Gebietskrankenkasse gehörte.

Im Haus residierte – massiv beworben – Anton Pail (zu dem Kollegin Angelika Kollmann-Rozin hier berichtet hat), der weitgereiste Kolonialwaren und lokale Futtermittel anbot. Sein Geschäft gehörte laut Adressbuch zwischendurch auch einmal Gisela Beinstingl aus der gleichnamigen Trafikanten-Dynastie, die den nahen Kiosk beim Viadukt betrieb.

Zwei Schilder haben mich neugierig gemacht: Zunächst die Karlsbader „Oblatten“, die der Eigentümer Egon Staubach später auch immer mit nur einem „t“ bewarb, natürlich Original, wenn auch in Innsbruck erzeugt. In den Jugendjahren des Autors dieser Zeilen musste man bei Besuchen der Tschechoslowakei noch Geld in dortige Kronen wechseln, das man dann in der Regel bei der Ausreise für kulinarische Produkte eintauschte; mein Vater brachte von seinen Fahrten mit dem Tiroler Bauernbund immer solche Oblaten mit, aus denen meine Mutter dann gelegentlich eine „Pischinger-Torte“ konstruierte, ein für zuckeraffine Halbwüchsige wunderbares Rezept, das im Prinzip aus einer in Ildefonso-Technik geschaffenen Abfolge Oblaten und Kochschokolade bestand. Karlsbad wurde über diesen Umweg zu einem Sehnsuchtsort des ahnungslosen Süßspeisenkonsumenten.


Der zweite hier noch unbeleuchtete Betrieb ist jener des Roger Riegger. Er reparierte und verkaufte zunächst weiter oben in der Museumstraße und später hier in Nachfolge des Franz Ludwig zunächst Fahrräder und Nähmaschinen, dann Dürkopp-Diana und Dürkopp-Diamant Maschinen und schließlich auch schwere Harley Davidsons. Der Werbespruch: „Denn nicht jede Marke eignet sich für jeden Motorradfahrer“ kommt dem Autor dieser Zeilen manchmal in den Sinn, wenn an Sommerhalbjahres-Samstagen hunderte dieser Knatteln durch Mutters dröhnen, alle von vermeintlichen Individualisten geritten und doch in der Regel eher der blechgewordene Bubentraum des frisch geschiedenen Zahnarztes aus Wuppertal. Es gilt besondere Vorsicht beim Überqueren der Straße, die Maschinen werden von Amateuren gesteuert. Roger Riegger allerdings war ein Könner: In den Zeitungen tauchte er gelegentlich auch als Teilnehmer bei Straßenrennen auf. Noch in der Zwischenkriegszeit übersiedelte sein Betrieb in die Amthorstraße.


(RM-PL-3846)

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Interessant ist der Vergleich mit einer früheren Aufnahme von Hugo Jäckel, vorgestellt im Beitrag https://innsbruck-erinnert.at/ein-schwieriger-zeitgenosse/ , welcher im Wesentlichen die Wesenszüge des Kolonialwarenhändlers behandelt.

    Die symmetrisch zum Erker für Plail und einem Metzger und recht steilen Geschäftseingänge sind offensichtlich erst später in das Mauerwerk gebrochen worden.

    Verschwunden ist hingegen das auf dem Jäckel Foto über dem „n“ der RestauratioN Sprenger noch zu sehende Schild. Dem Stil nach gehörte es einmal zu einer Studentenverbindung.

    „Willst Du sein ein echter Rocker, kauf Harleys nur beim Rigggger-Rogggger“. Gesprochen hat man Rogers Nachnamen aber sicher wie Ri-egger, womit das ohnehin über die k-g-Klippe stolpernde Verslein geplatzt ist. Ich habe übrigens in meinem Leben nur einen einzigen Roger persönlich kennengelernt. Der Taufgeschädigte führte einen ewigen Kampf, nicht Rotscha genannt zu werden.

  2. Prachtvolles Bild. – Mich würden die zwei Lichtsignale auf dem Eisenmasten linker Hand interessieren. Auf dem von Herrn Hirsch verlinkten Foto fehlen diese noch. Es sind eindeutig Lichtsignale, zu erkennen an den Sonnenblenden. Sie müssen für die Straßenbahn sein, aber wozu dann zwei? Die Fahrtrichtungen rechts und links lassen sich mit nur einem Signal abdecken. Vielleicht ein Hauptsignal und ein Weichensignal (das die Stellung der Weiche anzeigt)?
    In Betrieb sind sie jedenfalls nicht, dafür scheint sich in Kreuzungsmitte ein Verkehrspolizist darin zu üben, bewegungsunscharf zu sein. Diese Vermutung fußt (!) auf den im Gegensatz zum Restkörper offensichtlich stillstehenden Beinen.

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