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Ein Schwieriger Zeitgenosse

Ein schwieriger Zeitgenosse

Das Titelbild dieses Artikels stammt aus der Sammlung Walter Kreutz und wurde in den 1920-er Jahren von Hugo Jäckel aufgenommen. Die Fotografie zeigt das Haus Museumsstraße 33, an dem verschiedene Firmenaufschriften zu erkennen sind. Am meisten ins Auge sticht dabei die Aufschrift „Anton Pail Kolonial Grosshandlungshaus“. Der Großhandelskaufmann Anton Pail, der bereits vor dem Ersten Weltkrieg eine Kolonial- und Lebensmittelhandlung in der Maximilianstraße gegründet hatte, war zu diesem Zeitpunkt Besitzer dieses Gebäudes.

Anton Pail war nicht nur ein gewiefter Kaufmann, sondern auch ein schwieriger Mensch, der immer wieder in rechtlichen Schwierigkeiten steckte. So geriet er mehrmals wegen des Verdachts der Preistreiberei und des Betrugs mit dem Gesetz in Konflikt, aber auch diverse Streitereien mit seinem Mieter Kommerzialrat Ignaz Maier fanden ihren Weg in die Tagespresse.

Das Innsbrucker Abendblatt vom 21. November 1916 berichtete über die Aufsehen erregende Verhaftung von Anton Pail, dem Preistreiberei und Betrug vorgeworfen wurde:

Drei Jahre später geriet Anton Pail wieder in die Schlagzeilen. Im Tiroler Anzeiger vom 27. September 1919 erschien folgender Artikel mit dem Titel „Preistreiberischer Kettenhandel“:

(Tiroler Anzeiger, 27. September 1919)

Einen Rechtsstreit mit seinem Mieter Kommerzialrat Ignaz Maier trug Anton Pail über die Presse aus:

(Tiroler Anzeiger, 7. November 1924)

Der Mieter ließ sich die Ausführungen Anton Pails nicht gefallen und so erschien am 7. November 1924 folgende Gegendarstellung im Tiroler Anzeiger:


Die Vorwürfe Anton Pails gegen seinen Mieter Kommerzialrat Ignaz Maier erwiesen sich als haltlos. Deswegen erschien am 5. Dezember 1924 im Tiroler Anzeiger folgende Richtigstellung und Entschuldigung Anton Pails:
(Tiroler Anzeiger, 5. Dezember 1924)

Aber auch bei der Auswahl seines Hauspersonals hatte Anton Pail nicht immer ein glückliches Händchen, wie aus dem folgenden Zeitungsbericht in den Innsbrucker Nachrichten vom 13. Jänner 1917 zu entnehmen ist:

„(Ein Kindermädchen als Gelegenheitsdiebin.) Vor dem gleichen Senate hatte sich die 1890 in Ansbach in Bayern geborene Josefine Kitt, Kindermädchen, wegen Diebstahls zu verantworten. Bevor sie im Frühjahre den Dienst beim Universitäts-Professor Dr. F? verließ, stahl sie demselben Wäschestücke in einem 50 K übersteigenden Werte. Im Herbst trat sie beim Kaufmann Pail in Innsbruck in Dienst und setzte dort ihre Diebereien fort; sie entwendete nach und nach hauptsächlich Damenwäsche im Werte von über 200 K, gestohlene Zigarren steckte sie ihrem Verehrer zu. Die meisten anderen gestohlenen Sachen konnten bei ihr noch gefunden werden. Sie verantwortete sich damit, daß sie durch Notlage und durch die gute Gelegenheit zum Diebstahl verleitet worden sei, und gab an, daß sie nur die bei ihr vorgefundenen Stücke gestohlen habe, während für die übrigen abhanden gekommenen Stücke, weil inzwischen Pail übersiedelte und dabei verschiedene Leute beschäftigt waren, kein Beweis zu erbringen war. Die Angeklagte wird als tüchtig und kinderliebend geschildert. Der Gerichtshof erkannte sie deshalb auch nur des Diebstahls der bei ihr vorgefundenen Sachen für schuldig und verurteilte sie unter Anerkennung mildernder Umstände zu drei Monaten Kerkers, verschärft mit einem Fasttage monatlich, unter Einrechnung der Untersuchungshaft vom 28. November.“ (Innsbrucker Nachrichten, 13. Jänner 1917)

(Stadtarchiv Innsbruck, KR-PL-2708)

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare
  1. Der Gebietskrankenkasse wäre mit dieser Operettenfassade viel Beamtenaura erspart geblieben…
    Interessant die diversen Aufschriften. Die Kaiserstube hat unter anderen also auch einmal Restauration Sprenger geheißen, aha. Andere Vor-Namen sind mir als Pinguin und Spatenbräu bekannt.
    Die unter dem mich kindlichen Menschen belustigenden Namen Roger Riegger stehende Zeile ist noch im Entzifferungsprozess. Das erste Wort könnte Tabak bedeuten.

    1. Nein, nix Tabak. Hier steht „Roger Riegger, Franz Ludwig´s Nachfolger“, wie sich aus zeitgleichen Inseraten in den Zeitungen erschließen lässt.

      1. Aha. Ich korrigiere: Die Unterzeile ist so unscharf, daß man statt Franz Tabak lesen kann.

        Wenn Sie schon die Inserate gelesen haben, welchem Geschäft ging eigentlich Tabak Ludwigs Nachfolger nach?

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