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Heute Vor 504 Jahren

Heute vor 504 Jahren

soll Martin Luther seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg plakatiert haben. Es sollte noch bis zum Mai 1906 dauern, bis die evangelischen Christen in Innsbruck ein repräsentatives Gotteshaus beziehen konnten.

Bis dahin waren Ersatzquartiere im Hotel D’Autriche und die Kapelle in der Schlossergasse/vormals Judengasse (Zugang über die Kiebachgasse 10) nur provisorische Kultstätten gewesen. A propos nach Juden benannte Flurnamen: Auf diesem Bild ist eine der besten Ansichten des zu dieser Zeit bereits seit Jahren aufgelassenen jüdischen Friedhofs am heute noch so gerufenen Judenbichl zu sehen. Die benachbarte Sandgrube nähert sich der Außenmauer bedenklich und auf dieser Seite ist die in den 2000er Jahren archäologisch ergrabene Umfassung später auch abgerutscht. Dazu in den nächsten Artikeln mehr.

Die Christuskirche wurde am 20. Mai 1906 feierlich eingeweiht. Dabei wurde auch viel zur Geschichte der evangelischen Gemeinde gesprochen, die 1837, noch aus dem Land geworfen, ab 1863 (also gerade 25 Jahre später) regelmäßig Taufen und Gottesdienste veranstaltete. Die Grundsteinlegung hatte im Mai 1905 stattgefunden, schon im Juli darauf gab es die Firstfeier. Die drei Glocken aus der Kiebachgasse (672, 323 und 213 Kilo schwer) übersiedelten im Oktober 1905 in den Saggen. Anfang November ging dann auch der Pfarrer in die Lutherstraße. Gegen diese Namensgebeung hatte sich eine (wir vermuten: katholische) Gruppe organisiert und hunderte Unterschriften gesammelt – schon 1906 hieß die Gasse dann Richard-Wagner-Straße. Hätte man nicht stattdessen ein ortsübliches Zusatzschild mit 95 Thesen anbringen können?

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare
  1. In der Tat ein faszinierendes Bild aus den unerschöpflichen Weiten des Archivio Storico della Città di Inspruk.

    Faszinierend ist auch der enorm hohe Standort des Fotografen. Könnte er das Foto vielleicht im Turm der Handelsakademie gemacht haben?

  2. Das Riesenrundgemälde und die Talstation der Hungerburgbahn fehlen auch noch. Die Brücke der Hungerburgbahn könnte gerade im Bau sein.

  3. Um 1900 gab es anscheinend sogar Pläne auf dem Judenbühel wegen der schönen Aussicht ein Gasthaus zu bauen. In einem Artikel von 1909 heißt es:

    „Der Judenbühel, die weithin sichbare, rundliche Erhebung
    östlich von der Weiherburg, wird jetzt im oberen Teil, und
    zwar etwa 4 Meter tief abgetragen. Der dadurch gewonnenene
    Sand bleibt liegen, weil der Besitzer des aussichtsreich schön
    gelegenen Hügels, Gemeindevorsteher Wild von Mühlau,
    den ganzen Grund verkaufen will und glaubt, es werde sich j
    emand auf der Höhe einen Ansitz bauen. Den Plan zur
    Errichtung einer Restauration hat der Besitzer längst fallen gelassen.“

  4. Kleines auffallendes Detail ist die Höhe, oder eben Nicht-Höhe der Turmuhr. Bequemer zum Ablesen ist sie jedenfalls. Dafür hat man ganz oben in alle Richtungen Balkone angebracht. Wozu? Planten die Evangelischen einmal ein christliches Pendant zum Muezzin? Hätte sofort wieder eine hundertkrallige Unterschriftenliste zur Folge gehabt.

    Apropos Unterschriftenliste: Studien haben errechnet, daß durch die mutwillig herbeigeführte Dehnung des Straßennamen von Luther auf Richard-Wagner allein durch das hakelige Ausfüllen der jahrzehntelang gültigen dreifachen Erlagscheine und Postanweisungen (erinnert sich noch wer?) im Laufe des Lebens eines Anrainers 47,33 Stunden mehr Ausfüllzeit verschwendet werden mußte.

    Das Riesenrundgemälde dürfte damals (1906) gerade in London zu Besuch gewesen sein. Zuvor war es neben der Bundesbahndirektion aufgestellt.

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