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Ein Armseliges Kleinod

Ein armseliges Kleinod

Wenn man sich die obigen Ansichten der evangelischen Kirche in Innsbruck aus der Leipziger Illustrirten Zeitung (wohl aus dem Jahr 1880) ansieht, dann sieht sie eigentlich recht repräsentativ aus. Das Gebäude mit seinem wunderschönen Innenhof ist aus meiner Sicht eines der am besten versteckten Kleinodien der Altstadt. Nicht nur, weil einem der Blick ins Innere meist verwehrt bleibt, sondern auch, weil man mit wachen Augen durch die enge Gasse gehen muss, um die Fassade würdigen zu können. Denn der freie Blick aufs Äußere, wie man ihn auf dem linken Bild sieht, entspringt der künstlerischen Freiheit.

Nach dem Ende der Maria-Theresianischen Normalschule (1768-1870) – einer Volksschule, die auch der Ausbildung angehender Lehrerinnen und Lehrer diente – folgte unter anderem eine Nutzung als Kaserne, bevor 1878 die erst wenige Jahre davor gegründete evangelische Gemeinde das Gebäude erwarb. Nach den nötigen Umbauarbeiten wurde aus der Schule ein Pfarrhaus und die 1777 erbaute Schulkapelle durfte sich ab 1. November 1879 die erste evangelische Kirche Tirols nennen.

Aber so ganz eitel Wonne war das alles nicht. Diese Postkarte, die rund 20 Jahre später für den Bau „der neuen evang. Christus-Kirche auf dem von der Stadtgemeinde Innsbruck überlassenen Platze am Saggen“ warb, präsentierte einen deutlich weniger schmeichelhaften „Blick auf das gegenwärtige evangelische Kirchlein in Innsbruck Kiebachgasse – Schlossergasse“.

Auch der Verfasser dieser Karte, der am 9. November 1903 einem Bekannten Grüße von der 4. Lutherfeier sandte, hatte eine recht deutliche Meinung von dieser Örtlichkeit: „Nebenan sehen Sie unser armseliges Kirchlein, das niemand findet.“ Zu diesem Zeitpunkt war aber nicht nur bereits der Grund bereitgestellt sondern auch die Pläne für einen Neubau angenommen, wie er berichtet. „Gebe Gott, daß unsere Sammlungen viel Erfolg haben, damit wir ein genügend großes, hübsches Kirchlein hinstellen können.“ Seine Gebete wurden, wie wir wissen, erhört: Nur zwei Jahre später erfolgte 1905/06 der Bau der Christuskirche.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Slg. Günter Sommer Bd. 3, Nr. 258)

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