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Großfeuer In Wilten

Großfeuer in Wilten

Heute auf den Tag vor 100 Jahren stiegen kurz nach 14 Uhr „mächtige schwarze Rauchwolken“ in Wilten auf, die „durch den Wind über die ganze Stadt getragen [wurden], so daß manch‘ Furchtsamer glaubte, die ganze Stadt sei dem Untergang geweiht […].“ Tatsächlich war bei der Möbelfabrik Colli ein Feuer ausgebrochen, das sich rasend schnell ausbreitete und den herbeieilenden Südbahnarbeitern den Weg in das Gebäude versperrte. Der bekannte Tiroler Maler Max von Esterle (1870-1947), der im 2. Stock zugleich Atelier und Wohnung hatte, war eben am Heimweg, als er vom Brand erfuhr. Er „eilte ins brennende Haus in sein Atelier hinauf, mußte aber vor dem verheerenden Element durchs Fenster flüchten, ließ sich an einem Seil über die Außenmauer [herunter] und rettete sich durch einen Sprung auf das gleichfalls schon brennende niedere Dach der Maschinenhalle. Esterle hat von seinen Habseligkeiten nichts gerettet, ohne Hut und mit versengten Kleidern kam er ins Freie […].“

Indessen eilten die Feuerwehren aus der Stadt sowie aus Amras, Hötting und Mühlau zum Brandplatz, die durch „schrilles Pfeifen mehrerer Lokomotiven und der sogenannten Sirene der Bahnhofwerkstätten, wie man es bei Fliegeralarm in der Kriegszeit gewohnt war, sowie durch Anschlag am Stadtturm“ alarmiert worden waren.

Zahlreiche Schaulustige eilten ebenfalls herbei …

Für die Feuerwehren gestaltete sich die Bekämpfung dieses Großbrandes alles andere als einfach, da die Löschwasserversorgung große Probleme bereitete. Der Sillkanal führte kaum Wasser, der Wasserdruck der Hydranten war „viel zu schwach“ und die 40 Jahre alte Dampfspritze blieb auf der Anfahrt mit einem Achsbruch liegen. Es galt daher in erster Linie ein Übergreifen der Flammen auf Gebäude in der Nachbarschaft, wie die Schindler-Fabrik, zu verhindern, was den Einsatzkräften auch gelang.

„Ungefähr um 6 Uhr abends war die Colli-Fabrik gänzlich ausgebrasnnt. Das Mauerwerk hielten starke Eisentraversen zusammen, die zum Teil durch die Hitze schon gebogen waren, auch die Kamine standen aufrecht, die Objekte selbst aber waren von oben bis unten durchgebrannt.“ Das große Kurzifix an der Wand rettete die FF Mühlau vor den Flammen.

Erst nach Stunden konnte „Brand aus“ gegeben werden. Der Sachschaden war immens und die rasche Ausbreitung des Feuers gab Anlass zu Spekulationen. Manche vermuteten, dass die Heimatwehr am Fabriksgelände illegalerweise Munition gelagert habe, was diese jedoch dementierte …

(StAI, Ph-A-24687 / StAI, Cod/Mü-29 & Cod-20/2)

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